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Real Cases und Witziges. Heute: Folge 23 (Teil3)
REAL CASES - spannend, kurios, lustig und manchmal unglaublich, aber wahr!
Kann der Vergewaltiger und Mörder von Amy Lopez nach 31 Jahren ermittelt werden?
Teil 3: Warum wird dieser Fall noch einmal in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt?

In den beiden vorangegangen Artikeln berichtete ich über den bis zum heutigen Tag ungeklärten Mord an der jungen amerikanischen Touristin Amy Lopez am 26. September 1994, wie ich diesen cold case mit dem Fall einer in Kanada vermissten jungen Frau verknüpft und in meinem Kriminalroman VERSCHWUNDEN bereits 2018 „literarisch gelöst“ habe.
Heute blicke ich auf meine Kollegin Simone Röder, die diesen Fall im September 2025 erneut in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ präsentierte. Der aufmerksame Leser stellt sich die Frage, ob sich denn Zeugen nach über 30 Jahren noch daran erinnern können, was sie am 26. September 1994 in Tatortnähe beobachtet haben. Aber es gibt gute Gründe auch nach über 30 Jahren die Bevölkerung in einer Öffentlichkeitsfahndung um Mithilfe zu bitten und diese Gründe möchte ich kurz darlegen:
Verbesserte Untersuchungsmethoden zur Generierung einer DNA-Spur
Bei der erneuten Auswertung wurden an den Asservaten männliche DNA-Spuren gefunden und es handelt sich dabei vermutlich um den letzten Zeugen bzw. mutmaßlichen Täter. Während die Kriminaltechniker vor 30 Jahren für eine Auswertung viel Blut benötigten, genügten später einige Blutstropfen und heute kann eine DNA-Spur über kleinste Hautschuppen generiert werden. Nach der Auswertung dieser DNA wurden mehr als 300 (!) Zeugen und Verdächtige erneut vorgeladen und um eine DNA-Probe gebeten. Ohne Ergebnis. Nun wurde der Fall in der ZDF-Fahndungssendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" nochmal vorgestellt und die Polizei erwartet durch die Sendung neue Hinweise und natürlich „den heißen Tipp“ zur Überführung des Täters zu erhalten.
Erhöhung der Belohnungssumme
Außerdem wurde die Belohnungssumme von ursprünglich 2.500 Euro (5.000 DM) auf 10.000 Euro angehoben und die Polizei erhofft sich durch die erhöhte Summe einen Anreiz für mögliche „Mitwisser“
Veröffentlichung der Fotos mit Gegenständen mit direktem Tatbezug
Nach dem Mord hatte der Täter mehrere persönliche Gegenstände des Opfers mitgenommen: eine Brille mit brauner Fassung, ein silbernes Armkettchen aus groben Gliedern, eine silberfarbene Timex-Digitaluhr mit beschädigtem Armband, weiße Nike-Sportschuhe „Cross Trainer Low“, Gr. 39 mit pinkfarbenen Details sowie eine weiße Bauchtasche mit Travellerschecks und Dollarnoten. Diese Objekte könnten noch heute im Besitz des Täters sein. Die Fotos stammen aus dem Besitz der Familie Lopez und Vergleichsbildern der Gegenstände, die der Täter einbehalten habe. Nach Aussage von Kriminalhauptkommissarin Simone Röder ist es nicht ungewöhnlich, dass Sexualstraftäter Gegenstände des Opfers an sich nehmen, damit sie sich lebhafter an die Tat erinnern können und es könnte sein, dass diese Gegenstände Personen aufgefallen sind, die im Umfeld des Täters leben oder gelebt haben. Die Fotos wurden erst jetzt aus ermittlungstaktischen Gründen veröffentlicht., da diese Gegenstände direkt mit der Tat in Verbindung stehen und man bislang kein sogenanntes "Täterwissen" preisgeben wollte. Solange wir kein Täterwissen veröffentlichen, können wir bei späteren Vernehmungen die Aussagen von Verdächtigen (und „kranken“ Trittbrettfahrern, die sich gerne als Täter präsentieren) überprüfen. Erst durch den Fortschritt der Kriminaltechnik und die Möglichkeit, eine bereits gesicherte DNA-Spur als Beweis einzusetzen, konnten die Fotos ohne Gefährdung einer Beweisführung veröffentlicht werden.
Bekanntgabe des Täterprofils
Die Ermittlungen ergaben laut Polizei folgendes Täterprofil: Einzeltäter zwischen 18 und 35 Jahren, ohne persönlichen Bezug zum Opfer, mit Vorerkenntnissen in Gewalt- oder Sexualdelikten. Er habe vermutlich einen starken regionalen Bezug zum Tatort gehabt, zum Beispiel durch Arbeit, Wohnort oder familiäre Bindungen, möglich ist aber auch, dass der Täter später wegzog, um unentdeckt zu bleiben.
Nachdem der Fall in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... " ausgestrahlt wurde gingen bei der Polizei teilweise konkrete Hinweise auf einen möglichen Täter und über bis dato nicht angezeigte Sexualdelikte in diesem Zeitraum ein, woraus sich auch eine Spur zum Täter ableiten ließe.
Simone Röder hofft den Mord an Amy noch klären zu können und das erscheint nicht unrealistisch, denn ich kann mich an einen Fall erinnern, als wir nach über 30 Jahren den Mord an zwei jungen Frauen klären konnten. Die beiden waren nach einem Diskothekenbesuch spurlos verschwunden und als wir ihre Leichen fanden, wurde bei der Obduktion festgestellt, dass beide Opfer vor ihrer Ermordung sexuell missbraucht wurden. Die jungen Frauen waren - wie Amy Lopez - „Zufallsopfer“, denn wir konnten auch hier keinerlei Beziehung zwischen Täter und Opfer herstellen. Da es sich bei Mordfällen (nicht nur beim Femizid) überwiegend um Beziehungsdelikte handelt werden die meisten (der Polizei bekanntgewordenen) Mordfälle aufgeklärt. Im Fall der beiden jungen Frauen führte uns drei Jahrzehnte später ein Treffer in der DNA-Analysedatei auf die Spur des Täters: ein Fernfahrer, der die beiden Anhalterinnen mitgenommen hatte. Der Mann konnte verurteilt werden, denn „Mord verjährt nicht“.
Anmerkungen: In der DNA-Analysedatei des BKA werden genetische Fingerabdrücke von bekannten Personen (sogenannte Personendatensätze) und unbekannte DNA-Spuren an einem Tatort (sogenannte Spurendatensätze) registriert und regelmäßig abgeglichen. So kann ein bis dato unbekannter Täter (der vor seiner Tat nicht erkennungsdienstlich behandelt wurde) noch Jahre später nach einer erneuten Straftat für seine erste Tat zur Verantwortung gezogen werden.



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MordsZeit: Kurzkrimis für den guten Zweck als CRIMINALE-Sonderedition
Wir finden: Das ist eine mordsmäßgig gute Idee! Einmal im Jahr erscheint die „MordsZeit” der österreichischen KrimiAutorInnen. Die Anthologie umfasst 42 fesselnde 5-Minuten-Krimis, jede Geschichte wird begleitet von einer Illustration der Künstlerin Karina Pfolz. Der Reinerlös aus den Buchverkäufen geht an die Österreichische Kinderkrebshilfe. Anlässlich der CRIMINALE in Salzburg ist der 4. Band der MordsZeit als Sonderedition erschienen. Jetzt zugreifen und Hochspannung für den guten Zweck erleben. Schaut mal hier: https://www.das-syndikat.com/buecher/titel/mordszeit-4.html
Unser Tipp gegen den CRIMINALE Blues: Livestream schauen!
Anne Freytag wird mit dem GLAUSER 2026 für ihren Roman "Blaues Wunder" ausgezeichnet
Der GLAUSER-Preis in der Kategorie "Roman" geht an Anne Freytag. Die Auszeichnung wurde am Samstag, den 9. Mai 2026, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verliehen. Der Preis ist mit 5.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.
Preisträgerin des Glauser 2026 in der Kategorie "Roman": Anne freytag: Blaues Wunder (Kampa)
Blaues Wunder (Kampa)
Foto © Studio Tasca
Nora und Ferdinand Mattern und Franziska und Kilian Dannenberg sind zusammen mit dem Chef der beiden Ehemänner, Walter Bronstein, auf dessen Luxusyacht in philippinischen Gewässern unterwegs. Ein glamouröses Event jagt das nächste. Dabei geht es vordergründig um das Wahren der eigenen Fassade und ganz trivial um das Ausstechen des jeweils anderen Ehepaares. Denn einer der beiden Männer soll Partner werden. Ein tagelanges Assessment-Center, als Traumurlaub verkleidet, findet statt. Alle wissen, dass Walter, der Chef einer Bank, nichts verschenkt. Nichts, ohne etwas dafür haben oder etwas damit wieder gutmachen zu wollen.
Mehrere Tage sind die Paare auf der Yacht feudal eingeengt, weit weg von zu Hause. Walter hat einen Plan, dessen Spielregeln jedoch keiner kennt.
Berichtet wird abwechselnd aus der Perspektive der Frauen. Auch Walters Frau Rachel hat ihre Sicht. Sie weiß etwas. Und sie spielt ihre Rolle gut: Abgründig, infam, genial. Aber welche Rolle spielt David, Rachels und Walters erwachsener Sohn? Er spricht kaum ein Wort, raucht Kette, kommt und geht, wann er will. Sehr zum Missfallen seines Vaters. Warum also ist er bei der Fahrt dabei?
Es brodelt im Paradies. Lügen, Halbwahrheiten und Manipulationen prägen die Interaktionen und führen zu einem immer stärkeren Gefühl des Misstrauens. Alle spüren es: Es wird etwas passieren und es wird schmerzhaft sein.
Anne Freytag ist mit Blaues Wunder erneut ein fesselnder und psychologisch dichter Roman gelungen. Die zwischenmenschlichen Dynamiken, die beruflichen Rivalitäten und die persönlichen Unsicherheiten, die jeder Einzelne mit sich trägt, werden detailliert seziert. Ein beunruhigender Trip in die Abgründe menschlicher Beziehungen und spannungsgeladen bis zur letzten Seite.
Außerdem nominiert waren:
Wolfgang Maria Bauer: Kaltblut (C. Bertelsmann)
Vera Buck: Der dunkle Sommer (Rowohlt Polaris)
Zoran Drvenkar: ASA (Suhrkamp)
Cay Rademacher: Nacht der Ruinen (Dumont)
Jury: Ursula Hahnenberg, Hendrik Berg, Peter Märkert, Bernhard Aichner, Klaudia Blasl, Andreas Russenberger, Thea Krüger und Lena Johannson (Jury-Organisation)
(Die Aussschreibungen für das Jahr 2027 finden Sie hier.)
Susanne Kaiser erhält den GLAUSER 2026 für ihren Debütroman "Riot Girl"

Der GLAUSER-Preis in der Kategorie "Debütroman" geht an Susanne Kaiser. Die Auszeichnung wurde am Samstag, den 9. Mai 2026, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verliehen. Der Preis ist mit 2.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.
PREISTRÄGERIN DES GLAUSER 2026 in der Kategorie "Debütroman": Susanne Kaiser: Riot Girl (Wunderlich)


Susanne Kaiser
Riot Girl (Wunderlich)
Foto © Sima Deghani
Mit ihrem Debüt Riot Girl sticht Susanne Kaiser in offene Wunden unserer Gesellschaft. Schonungslos, aber ohne erhobenen Zeigefinger erzählt der Roman von jungen Frauen, denen zu oft nicht geglaubt wird, die lernen mussten, dass ihre Stimmen im Alltag verhallen, während Übergriffe relativiert, verdrängt oder bagatellisiert werden.
Aus dieser Ohnmacht entsteht eine Protestbewegung, die sich über soziale Medien organisiert. Was als Suche nach Gehör und Gemeinschaft beginnt, kippt in Radikalisierung und Gewalt. Riot Girl zeigt eindrücklich, wie schnell aus dem Wunsch nach Gerechtigkeit ein zerstörerischer Kreislauf werden kann, wenn Schutzräume fehlen und Verantwortung abgeschoben wird.
Lange Zeit wurden Betroffene sexualisierter Gewalt zum Schweigen gebracht - durch falsche Scham und Strukturen, die Täter allzu oft schützen. Die MeToo-Bewegung hat dieses Schweigen in Teilen aufgebrochen. Wir leben in einer Zeit, in der Täter noch immer Konzernchefs, gefeierte Sportler oder hochrangige Politiker sein können, während Mädchen und Frauen sich rechtfertigen müssen: für ihre Kleidung, ihr Verhalten, ihr Schweigen oder ihr angeblich zu leises Nein.
Große Teile der Handlung spielen im digitalen Raum. Online finden die jungen Frauen den Zuspruch und die Unterstützung, die sie bei Vertrauenspersonen, Behörden und Institutionen vergeblich gesucht haben. Beeindruckend zeichnet Susanne Kaiser mit wenigen Sätzen unterschiedliche Milieus und schafft authentische Charaktere. Beim Lesen entfaltet sich ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann; unweigerlich fragt man sich, auf welche Katastrophe diese Geschichte zusteuert. Das Ende erschüttert und lässt dennoch Hoffnung zu.
Riot Girl überzeugt durch sprachliche Exaktheit, erzählerische Kraft und den Mut, dorthin zu schauen, wo bestehende Systeme an ihre Grenzen stoßen.
Außerdem nominiert waren:
Peter Friedrich: Kafkarabesken oder Die Ermittlungen (duotincta)
Robert Lackner: Seidenstrasse (Kremayr &Scheriau)
Tim Sünderhauf: Die Wölfe unter uns (dtv)
Chris Warnat: 15 Sekunden (Penguin)
Jury:
Sabina Naber, Jürgen Heimbach, Kathrin Lange, Caroline Seibt, Daniele Palu und Elke Pistor (Jury-Organisation)
(Die Aussschreibungen für das Jahr 2027 finden Sie hier)
Elke Pistor erhält den GLAUSER 2026 für ihren Kurzkrimi "Zu kurz. So lang. Ein Jahr."
Der GLAUSER-Preis in der Kategorie "Kurzkrimi" geht an Elke Pistor. Die Auszeichnung wurde am Samstag, den 9. Mai 2026, im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verliehen. Der Preis ist mit 1.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.
preisträgerin des GLAUSER 2026 in der Kategorie "Kurzkrimi": Elke Pistor: Zu kurz. So lang. Ein Jahr.
In: Festlich morden (Emons)

Elke Pistor (Foto © Maigut Fotografie)
Zu kurz. So lang. Ein Jahr.
In: Festlich morden. (Emons)
„In meinem Blick ist nichts. Innen da ist Schmerz. Da ist Zerreißen. Da ist Leere.“ Und diese Leere, dieser Schmerz, dieses Zerreißen wird in der Geschichte von Elke Pistor so eindrücklich wie originell und mitreißend dargestellt, dass man die Gefühle als Leser*in nachempfinden kann, sich mit der Protagonistin gemeinsam auf dem Sofa zusammenrollt, schwer wie Blei wird und nicht versteht, wie man überhaupt jemals wieder aufstehen und sein Leben weiterleben soll. „Zu kurz. So lang. Ein Jahr.“ ist eine Kurzgeschichte, bei der das Ende der Anfang und der Anfang das Ende ist. Rückwärts wickelt Elke Pistor kunstvoll das Jahr im Leben der Protagonistin ab, wie ein Wollknäuel, Schicht für Schicht, bis das ganze Ausmaß der Tragik für die Leser*innen ans Licht kommt. „Kinder gehen zu lassen, sie aus der Seele zu entlassen, weil sie nicht mehr da sind, ist unmöglich.“
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Mutter, die wir über ein Jahr lang begleiten. Vom letzten Tag bis zum ersten. Dem Tag, an dem für diese kleine Familie alles aus den Fugen gerät. Wir erleben ihren Schockzustand, ihre Sprachlosigkeit, ihre Taubheit und den Versuch, zurück ins Leben zu finden, nachdem ihr Kind ermordet wurde, und wir sehen ihr dabei zu, wie sie anstatt selbst aus dem Leben zu scheiden, all ihre Kraft sammelt und selbst zur Tat zu schreitet. Die innere Leere wird am Ende durch Schuld ersetzt. Elke Pistor schreibt tiefsinnig, sensibel, aufrüttelnd, oft leise und düster, aber immer eindrücklich und einprägend. Die Autorin malt Bilder mit Worten, die noch lange nachhallen und die Leserschaft schockiert, wütend, aber auch traurig und nachdenklich zurücklässt. Und am Ende steht die Frage: Kann man die Schuld am Tod eines Menschen aufwiegen? „Zu kurz. So lang. Ein Jahr“ ist ein Kurzkrimi, den man nicht vergisst!
Außerdem nominiert waren:
Elsa Dix: Schneekristall. In: Mörderische Weihnacht überall. (HarperCollins)
Sunil Mann: In blinder Wut. In: Blutige Lippe 5. (Ventura)
Regula Venske: Schnick Schnack Schnucki – schrecklicher als der Tod. In: Schaurige Orte an der Nordsee. (Gmeiner)
Fenna Williams: Frosty the Snowman. In: Festlich morden. (Emons)
Nina Scheweling erhält den GLAUSER 2026 für ihren Jugendkrimi "Academy of lies - Anatomie einer Verschwörung "
Der Preis in der Kategorie "Jugendkrimi" geht an Nina Scheweling. Die Auszeichnung wurde am Samstag, den 9. Mai 2026, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verliehen. Der Preis ist mit 2.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.

preisträgerin des GLAUSER 2026 in der Kategorie "Jugendkrimi": Nina Scheweling: Academy of lies - Anatomie einer Verschwörung (Loewe)


Nina Scheweling
Academy of lies - Anatomie einer Verschwörung (Loewe)
(Foto © Peter Fraensemeier)
Quinn Schreiber wird sterben. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ihres Spenderherzens ist fast erreicht. Um den Tod zu verstehen, nimmt sie ihr Medizinstudium an der Eliteuniversität auf. Ihr Bruder Flo ist „einer von den Guten“. Er studiert Medizin, um Menschen zu helfen und die Welt zu verbessern. Für Quinn jedoch ist klar: Wenn sie schon sterben muss, dann will sie wissen, was dabei genau passiert.
Sie setzt sich intensiv mit den verschiedensten Todesarten auseinander und schottet sich von ihren Mitmenschen ab. Statt ihren 18. Geburtstag zu feiern, lässt sie sich in der Bibliothek einschließen und beobachtet von dort den Mord am Rektor der Akademie. Wenig später stirbt eine Studentin. Ausgerechnet Quinns Bruder, der Einzige, dem sie Zugang zu ihrem Leben gewährt, gerät ins Visier der Ermittlungen.
Quinn will herausfinden, was wirklich geschehen ist. Dafür muss sie den Lügen der Akademie und dunklen Familiengeheimnissen auf die Spur kommen. Schrittweise lässt Quinn Licht ins Dunkel des alten Hauses ihrer Großeltern und in ihr Leben. Je tiefer sie in das Geflecht hinter den Klostermauern der Akademie eintaucht, desto wertvoller wird ihr das Leben – und desto stärker gerät es in Gefahr.
Nina Scheweling ist ein herausragendes Buch gelungen, das durch eine spannende Story und eine stachelige Protagonistin besticht, die einem in ihrer Verletzlichkeit ans Herz wächst. Für allzu zart besaitete Leser sind die eingeschobenen anatomischen Abhandlungen schwer verdaulich. Wer sich für Medizin interessiert, kommt auf seine Kosten – auch Erwachsene können dabei eine Menge lernen. Vor allem nimmt man viel zum Nachdenken mit: Was ist das Leben wert, wenn ein Mensch die Persönlichkeit verliert? Darf man solche Entscheidungen für jemand anderen treffen? Ein Medizinthriller mit philosophischen Nebenwirkungen.
Außerdem nominiert waren:
Alexandra Fischer-Hunold: Fräulein Florentines Gespür für Mord (Ueberreuter)
Antonia Michaelis und Peer Martin: Tomorrow Land (Oetinger)
Jury:
Heike Gerdes, Oliver Schlick, Elisabeth Herrmann, David Frogier de Ponlevoy und Anke Kemper (Juryrganisation)
(Die Aussschreibungen für das Jahr 2027 finden Sie hier.)

