Nominiert für den Jacques-Berndorf-Preis 2012

Luisa Weinstrauß ist eine ganz normale Musiklehrerin mit einem nicht allzu aufregenden Leben – bis sie zufällig am Zülpicher See über einen Toten im Römerkostüm stolpert. Unversehens findet sie sich mitten in einem Kriminalfall wieder, in dem der Nachbarssohn zu den Hauptverdächtigen zählt. Bei dem Versuch, seine Unschuld zu beweisen, merkt sie erst zu spät, dass sie dem Täter schon viel zu nah gekommen ist … ................................................................................................................................................................................ Andrea Tillmanns, geb. 1972 in Grevenbroich. Die promovierte Physikerin lebt in Oberzier (bei Düren) und arbeitet als wissenschaftliche Angestellte an der Hochschule Niederrhein. Ihre Texte wurden in verschiedenen Medien veröffentlicht; zuletzt erschienen der Aachen-Krimi „Tod im Wasser“ (Wartberg) und der Eifelkrimi "Der Tote am Zülpicher See" (Wurdack Verlag). http://www.andreatillmanns.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Andrea Tillmanns

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Ich schreibe zwar seit etwa fünfzehn Jahren, habe aber erst vor einigen Jahren mit den ersten Kurzkrimis begonnen. 2009 erschien dann der erste Aachen-Krimi „Tod im Wasser“ im Wartberg-Verlag. Seitdem gerate ich immer häufiger auf die schiefe Bahn. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Gerade wurde mein zweites Kapitalverbrechen aufgedeckt. Abgesehen von diesen beiden bisherigen Romanen muss ich bisher etwa zwanzig minderschwere Verbrechen in Form von kriminellen Kurzgeschichten gestehen. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich kann einfach nichts dagegen tun – wenn mich die Idee zu einem neuen Verbrechen überkommt, bleibt mir gar keine Wahl, als es genau zu planen und schließlich in die Tat umzusetzen. Und dann zu hoffen, dass ich auch einen Hehler finde, der mir die Früchte meiner kriminellen Arbeit abnimmt ;-) ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

„Rolf, hiergeblieben!“ Luisa seufzte leise. Ihr Atem bildete eine kleine, in der Morgendämmerung kaum sichtbare Wolke. Der Hund bog auf dem unteren Weg um den Zülpicher Wassersportsee nach rechts ab und verschwand hinter den Bäumen, die den Hang zwischen ihr und dem Wasser bedeckten. Wenn sie zusammen mit ihrer Nachbarin Marianne, Rolfs Frauchen, hier spazieren ging, dann gehorchte der Labrador aufs Wort. Sonst hätte sich Luisa auch niemals dazu bereit erklärt, eine Woche lang auf ihn aufzupassen, solange Marianne auf den Malediven dem kalten, deutschen Winter entfloh. „Nie wieder“, murmelte sie und suchte nach einem halbwegs vertrauenerweckend aussehenden Pfad zum unteren Weg. „Rolf, bleib!“, rief sie vorsichtshalber, ohne wirklich zu wissen, ob er auf dieses Kommando reagierte. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass der Hund nur Befehle befolgte, die ihm sinnvoll erschienen. Zumindest war die Erde hier, am Rand der Lichtung, relativ fest, auch wenn sie immer wieder über Ästchen und Unebenheiten stolperte. Obwohl es noch immer eisig kalt war, war der Boden nicht allzu glatt. Ein paar Mal musste sie an den Büschen neben sich Halt suchen, dann war es geschafft, der untere Rundweg erreicht. „So, Rolf, jetzt lass endlich das Kaninchen in Ruhe!“, rief sie und eilte ein paar Schritte weiter auf seine Silhouette zu. Der Labrador beobachtete aufmerksam den Boden vor seinen Füßen. Luisa ging einen Schritt ins Unterholz und dann in die Hocke, um im Dunkeln genauer zu sehen, was er da zwischen dem Weg und dem Ufer bewachte. Doch da war kein Kaninchen. Kaninchen trugen keine Schnürsandalen.

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