Bronstein kehrt zurück

Wien 1945. Die Rote Armee kämpft in zerbombten Straßen den letzten Widerstand fanatischer Nazis nieder. Der ehemalige Polizeioberst David Bronstein, dem es gelang, den Krieg in Frankreich zu überleben, schließt sich derweilen einem tschechischen Heimkehrer-Treck an, um auf diese Weise über die Tschechoslowakei nach Wien zu gelangen. Endlich dort angekommen, besinnt er sich wieder seines ureigensten Metiers und begibt sich ohne Umschweife auf Verbrecherjagd, denn Verbrecher gibt es nach sieben Jahren Nationalsozialismus mehr als genug. Und die gehen, bloß um unerkannt entkommen zu können, auch im neuen Österreich über Leichen. Wieder einmal beginnt für Bronstein ein Wettlauf gegen die Zeit. ................................................................................................................................................................................ Andreas Pittler, Geboren 1964 in Wien-Dornbach, lebte seit der zweiten Lebenswoche durchwegs in Margareten (Wien 5), ehe er 2010 von dort in die Josefstadt (Wien 8.) emigrierte. Nach der Matura Studium der Geschichte und Germanistik (Mag. und Dr.phil.). Unglamouröse Nebenexistenz als Beamter der österreichischen Parlamentsdirektion. Erste Veröffentlichungen Anfang der 80er Jahre, seitdem insgesamt 45 Buchveröffentlichungen, darunter mehrere Biographien (u.a. über Bruno Kreisky, Samuel Beckett und die Komikertruppe Monty Python), historische Werke (u.a. Geschichte Maltas, Geschichte Zyperns, Geschichte Tschechiens) sowie bislang elf Romane und drei Erzählbände. Zudem mehrere Beiträge in diversen Anthologien und Zeitschriften. „Charascho“ ist der 6. Roman seiner Bronstein-Saga, der noch vor seiner Präsentation in die österreichischen Bestsellerlisten einstieg, wo er sich seitdem seit einigen Wochen hält. http://www.andreaspittler.at ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Andreas Pittler

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Im Jahr 2000 mit der Publikation meines ersten Krimis „Der Sündenbock“ :D Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Tja, ich fürchte, ich habe auch schon einmal ein schlechtes Buch veröffentlicht und mich das eine oder andere Mal bei Nationalratswahlen verwählt. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Schuld an allem ist die Gesellschaft ;-) ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen:

"Das ist echte Geschichte. Und man begreift politische Zusammenhänge gleich viel besser. Genau darum geht es." Kurier, 8.2.14, Peter Pisa "Andreas Pittlers sechster Fall für David Bronstein führt ins zerbombte Wien der Nachkriegszeit. Im charismatischen Lokalkolorit ist der aus dem Exil heimgekehrte Ermittler einem flüchtigen Nazi-Verbrecher auf der Spur." NEWS, 6.2.14 "Mit "Charascho" liefert Pittler auch diesmal einen kurzweiligen und urwienerischen Krimi mit historischem Mehrwert. So verschroben er auch sein mag - den Bronstein mag man einfach nicht missen. Wird man aber müssen. Denn nach mehr als 25.000 verkauften Bronstein-Exemplaren - Pittler ist einer der Platzhirschen am boomenden österreichischen Krimimarkt - heißt es nächstes Jahr tatsächlich "Good Bye". Mit einer Ermittlung rund um den Staatsvertrag 1955 meldet sich der dann über 70-jährige Bronstein nur noch einmal zurück. Bis dahin wird Pittler, der bisher 45 Bücher geschrieben hat, aber wohl nicht ruhen." Wiener Zeitung, 25.1.14. Katharina Schmidt "Der österreichische Autor Andreas Pittler lässt seinen Inspektor Bronstein im zerbombten Wien nach dem 2. Weltkrieg auf Verbrecherjagd gehen. Buch und Bildung. Sollten Sie nicht versäumen." Kronen-Zeitung, 22.1.14 "Andreas Pittler hat sich in den vergangenen Jahren historischen Wien-Krimis verschrieben.`Charascho´ ist bereits der 6. Fall für seinen Inspektor Bronstein." Falter, 22.1.14 ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Apropos Präsident“, wurde Pamer förmlich, „was kann ich für dich tun?“ „Na ja, Herr Präsident. Ich bin wieder da und würde gerne etwas arbeiten“, begann Bronstein unbestimmt. „Bei uns?“ Pamers Erstaunen war unverkennbar. „Ja, sicher. Immerhin war ich 31 Jahre lang im Polizeidienst, bevor … na ja, bevor das alles passiert ist.“ Pamer bewegte seinen Oberkörper nach vorn und beugte sich über den Schreibtisch. „Na eben, 31 Jahre. Das ist eine lange Zeit. Da hast du dir den Ruhestand doch redlich verdient. Über 60 bist auch schon, wie ich mir g´rad ausg´rechnet hab´, also was willst denn um Himmels Willen dann noch arbeiten?“ Bronstein fand Pamers Argumentation einigermaßen befremdlich, wenn man bedachte, dass der Präsident 17 Jahre älter war. Aber das war vielleicht ein Umstand, auf den Pamer nicht unbedingt hingewiesen werden wollte. „Der Herr Bürgermeister hat gemeint, die Polizei braucht derzeit jeden Mann“, sagte er daher vorsichtig. „Na ja, das vielleicht schon. Aber glaubst nicht auch, dass du für so etwas schon zu alt bist? Ich mein´, das Fangerl-Spielen ist doch eher was für junge Hüpfer, meinst nicht auch?“ „Aber mit meiner Erfahrung, da könnte ich doch …“ „… in der Akademie aushelfen. Ja, das wär eine Möglichkeit. So stundenweise ein paar Vorträge halten. Das wär vielleicht gar keine schlechte Idee“, vollendete Pamer Bronsteins Satz auf eine Weise, die dieser keineswegs intendiert hatte. „Nein, alles bloß das nicht. Ich bin ein Kieberer, kein Lehrer“, erklärte Bronstein bestimmt. „Ich will nichts anderes, als dort weiterzumachen, wo ich vor sieben Jahren unfreiwilliger Weise aufhören musste.“ Er war selbst erstaunt, wie nachdrücklich diese Worte aus seinem Mund gekommen waren. Pamer hielt inne und riskierte eine skeptische Augenbraue. „Also bitte schön, die Hälfte der Exekutive ist doch ohnehin weg. Der eine Polizeipräsident sitzt in Nürnberg, der andere in Stuttgart“, verwies Bronstein auf Pamers unmittelbare Vorgänger Kaltenbrunner und Gotzmann, „also müsste es doch an allen Ecken und Enden an Personal mangeln.“ „Ja eh, irgendwie. Aber weißt …, ich mein … grad du … also ehrlich, ich weiß nicht, ob man das den Leuten … schon zumuten … also … na, du weißt schon, wie ich´s mein …“ Pamer verdrehte die Augen und machte eine hilflose Geste mit den Händen. „Ich mein, das bin jetzt ja nicht ich, weißt eh, … von mir aus … jederzeit, gell. … Ich mein …, ich hab nie etwas g´habt … gegen … also gegen deine Leute, gell … aber die öffentliche Meinung … du, das ist heikel, da müssen wir schon … Rücksicht, weißt, das ist jetzt ganz wichtig … ich mein …, wir müssen die Leut ja erst … also, erziehen, mein ich … weißt …“ Pamer sah Bronstein hilfesuchend an. Der aber spürte, wie eine unglaubliche Wut in sich hochsteigen. „Ja, ich weiß schon“, entgegnete er bitter, „einmal Jud, immer Jud!“ Seine Finger krallten sich in die Armlehnen des Sessels, und mit einem Ruck erhob er sich. „Ich danke für dieses Gespräch, es war sehr … lehrreich.“ „Nein, nein, so darfst das jetzt aber nicht sehen. … Ich mein´, das geht doch ganz und gar nicht gegen dich. Das darfst keinesfalls persönlich sehen. … Oder höchstens so, dass das ja zu deinem eigenen Schutz ist …“ Bronstein ertappte sich dabei, wie er die Beherrschung verlor. Er war vollkommen überrascht davon, sich dabei zu beobachten, wie er mit der Faust auf den Tisch des Präsidenten schlug. „Im 38er Jahr haben mich die Nazi aus meinem Amt vertrieben, weil ich in ihren Augen ein Jud war. Ich habe nur durch reines Glück überlebt. Ich hätte allen Grund, diesem Land zu grollen. Und trotzdem stell ich mich daher und bin bereit, diesem Land wieder zu dienen. Und dann sagst grad Du mir, dass das ned geht, weil ich … ein Jude bin? Ja, sag einmal, Herr Präsident, geht´s noch?“ Bronstein war über seine Brandrede wohl mehr überrascht als Pamer, der vielmehr peinlich verlegen nach einem Ausweg suchte. „Du hast das jetzt, bitte schön, völlig in die falsche Kehle … ich mein, so war das jetzt ja überhaupt nicht g´meint … ich mein ja nur, … vielleicht solltest … ich mein, zumindest nicht gleich am Anfang … weißt?“ „Gar nix weiß ich. Ich weiß nur, dass ich sieben Jahre lang täglich Angst um mein Leben haben musste, während hier in Wien wahrscheinlich jeder zweite `Sieg Heil´ g´schrien hat. Ich weiß nur, dass alle ehrlichen und aufrichtigen Österreicher jetzt in Amerika, Palästina oder unter der Erde sind. Und da willst du mir was von heikel erzählen?“ * * * Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>