So spannend wie ein Krimi

Eine evangelische Pfarrersfamilie im Nationalsozialismus zwischen Anpassung und Widerstand. Ein Geheimnis, das Schatten bis in die Gegenwart wirft. Eine durch die deutsch-deutsche Grenze geteilte Familie. Und die Suche einer Musikerin nach ihren Wurzeln und ihrer ganz eigenen Stimme. DAS LIED DER STARE NACH DEM FROST verwebt diese beiden Zeitebenen zu einem Familienroman und einem packenden Porträt deutscher Geschichte. ................................................................................................................................................................................ Gisa Klönne, 1964 geboren, studierte u.a. Anglistik, arbeitete als Redakteurin, freie Journalistin und Dozentin fürs Schreiben. Ihre von Lesern und Presse gleichermaßen gefeierte Erfolgsserie um Kommissarin Judith Krieger wurde in mehrere Sprachen übersetzt, unter anderem in Spanische und Dänische. Auch zwei Kurzkrimi-Anthologien, die Gisa Klönne als Herausgeberin betreute, wurden Bestseller. Für ihr Werk wurde Gisa Klönne mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie 2009 für NACHT OHNE SCHATTEN den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte bester Kriminalroman, die Bonner Polizei ernannte sie zur Ehrenkommissarin. Zuletzt erschienen sind "Nichts als Erlösung" (der 5. Fall für Kommissarin Krieger), sowie im Frühjahr 2013 Klönnes autobiografisch inspirierter Familienroman "Das Lied der Stare nach dem Frost" (Pendo). Der nächste Roman erscheint im Herbst 2014. www.gisa-kloenne.de http://www.gisa-kloenne.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Gisa Klönne

Warum haben Sie sich zu einem Leben mit dem Verbrechen entschieden? Es ist faszinierend und schreibend einigermaßen zu beherrschen. Außerdem wollen es meine Leser nicht anders. Und ich kann Mitglied im SYNDIKAT sein. Was ist ihre Lieblingstatwaffe? Meine Fantasie. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Wieso Verteidigung? Mein Leben ist eigentlich recht schön so ... ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen:

"Die autobiografisch inspirierte Geschichte einer Familie, die durch die innerdeutsche Grenze geprägt ist. Ein Zeugnis deutsch-deutscher Geschichte mit wunderbaren Menschen und Naturstudien, die die Sicht auf die DDR bereichern." Neue Westfälische Zeitung "Die Story ist tatsächlich so spannend wie ein Krimi." Kölner Stadt-Anzeiger "Ein Buch, das man nicht so einfach weglegt. Ein Buch, das man so schnell nicht vergisst." WDR 4 "Ein wunderschöner, hoch spannender und stellenweise zu Tränen rührender Roman über eine mehrfach von Heimatverlust geprägte deutsche Großfamilie." Darmstädter Echo "Eine bewegende Reise in die Vergangenheit." NDR 1 "Ein überragendes Porträt einer Familie im Wandel der Zeit. Selten hallt ein Werk so intensiv nach. Gisa Klönne in Höchstform!" belletristik-couch.de "Emotional und dramatisch." buchnews.com "Klönne erzählt auf zwei Zeitebenen, berührend und packend, und erhellt dabei schlaglichtartig deutsche Geschichte, Krieg und Teilung." Neue Presse Hannover "Ein umfassender, faszinierend vielschichtiger Roman über eine deutsch-deutsche Familie und die Auswirkungen historisch bedingter, aber auch durch ein gewichtiges Familiengeheimnis verursachter Traumata." Wiener Zeitung ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

TEIL 1 - WINTERREISE RIXA Deutschland war weiß und fremd, Berlin unter einer Eisschicht begraben. Ich hatte das gewusst. Ich hatte versucht, mich dagegen zu wappnen, und ein zweites Paar Socken und einen Pullover ins Handgepäck gesteckt. Aber das reichte nicht, reichte bei weitem nicht, wurde mir klar, während das Flugzeug dieser schneestarren Welt entgegensank. Ich würde mir Winterkleidung kaufen müssen, auch wenn ich nicht vorhatte, lange zu bleiben. Ich würde mir gleich ein Taxi nehmen müssen. Ein Taxi wohin? Zu dem Hinterhofzimmer, in dem ich gemeldet, aber nicht zuhause war? Zu der Wohnung meiner Mutter? Zu der Polizeiwache, von der aus ich angerufen worden war? Frau Hinrichs, Ricarda Hinrichs? Ihre Mutter ist Dorothea Hinrichs, geborene Retzlaff, geboren am 20. Dezember 1945 in Güstrow/Mecklenburg? Ich wandte den Blick vom Fenster und betrachtete das Gewimmel grinsender gelber Fische, das die Air-Seychelles-Sitzpolster zierte. Der Anruf hatte mich während meines ersten freien Tags seit Monaten erreicht, an einem schneeweißen Strand unter Palmen, ich kam gerade vom Schnorcheln. Ich war gerannt, um ihn nicht zu verpassen, weil ich dachte, es sei Lorenz. Es tut mir sehr leid, Frau Hinrichs ... Eine winzige Pause war nach dieser Eröffnung entstanden. Ein sehr präzise gesetztes Rubato, kaum wahrnehmbar und doch deutlich genug, um mich begreifen zu lassen, dass das, was nun folgen würde, nichts Gutes war, und im selben Moment verstand ich, dass ich schon sehr lange auf solch einen Anruf gewartet hatte – ohne es zu wollen oder mir auch nur einzugestehen. Ihre Mutter hatte einen Autounfall. Sie ist vorgestern Nacht gegen 23:30 Uhr an der Anschlussstelle Krakow in falscher Richtung auf die Autobahn A 19 gefahren. Die A 19. Mecklenburg. Mein Bruder Ivo war auf der A 19 gestorben, in einer Januarnacht vor zwölf Jahren. Mein Lieblingsbruder, ihr Lieblingssohn. Der Polizist redete weiter. Aus meinen Haaren tropfte Wasser. Zu meinen Füßen huschten sandblasse Krabben über den Strand, die Teleskopaugen starr in den Himmel gerichtet. Geisterkrabben. Geisterfahrt. Meine Mutter, die sich seit Ivos Unfall immer geweigert hatte, in ein Auto zu steigen, nun plötzlich hinter dem Lenkrad eines Mietwagens auf der Autobahn. Jetzt, warum jetzt, nach so vielen Jahren? Als wir das letzte Mal telefonierten, hatte sie beinahe heiter geklungen, und auch mir war es diesmal gelungen, Weihnachten, Silvester und die erste Januarwoche mithilfe einiger Sonderschichten beinahe mühelos zu überstehen. Als ob eine sehr alte Wunde doch noch begonnen hätte zu heilen, so hatte ich mich gefühlt. Als würde nun alles gut. (...)

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