Gespenster der Vergangenheit

Karl Barnabas ist ein Sonderling. Er hat kein Auto, sondern fährt mit einer Pferdekutsche durch den Spessart und bewohnt allein die abseits gelegene Barnabas-Kapelle. Mit vielen Menschen liegt er im Streit. Aber ist er auch ein Mörder? Richard Rose von der Mordkommission Aschaffenburg steht vor einem Rätsel: Wer hat die harmlose alte Anna Geisa so gehasst, dass er sie ermordet und ihre Scheune in Jacobsthal angezündet hat? Die Lösung des Falles führt Rose zurück in die Vergangenheit – und konfrontiert ihn mit den eigenen Gespenstern. ................................................................................................................................................................................ Stefan Valentin Müller , geboren 1962 in Aschaffenburg, studierte in Gießen Tiermedizin und in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut angewandte Literatur. Er veröffentlichte Kurzgeschichten in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien, schreibt Krimis und Kinderbücher und geht Fliegenfischen. 2009 nominiert für den Deutschen Kurzkrimipreis. 2010 Literareon-Wettbewerb 1.Preis. Nominiert für den Kurzkrimi-Glauser 2010. Der Autor lebt mit seiner Tochter in Aschaffenburg, seiner Heimatstadt, nachdem er zwanzig Jahre hier und da wohnte. http://www.mueller-ab.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Stefan Valentin Müller

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Meinen bürgerlichen Beruf konnte ich nur mit einem Verbrechen beenden. Ich verkaufte meine Tierarztpraxis, studierte Literatur und schrieb meinen ersten Krimi. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Zwei Kapitalverbrechen (Schlachthofsymphonie und Barnabas-Kapelle und viele kleinere Delikte in diversen Anthologien, wie „13 Morde hat das Jahr“, Heyne-Verlag, oder „Mordsweihnachten“, Rowohlt) Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Auch wenn es nicht vernünftig erscheint, ich würde es immer wieder tun. ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen

Das Bild eines Lebensgefühls Regional-Krimi: Stefan Valentin Müller erzählt mit »Die Barnabas-Kapelle« den zweiten Fall des Kommissars Richard Rose Dieses Buch ist ein Ärgernis - denn im Gegensatz zu vielen anderen Kriminalromanen mit dem Anspruch regionaler Besonderheit ist schon nach 176 Seiten Schluss. Dabei ließe sich mit Lesespaß weiter in Stefan Valentin Müllers »Die Barnabas-Kapelle« schmökern: Denn - auch das sind grundlegende Auffälligkeiten im Genre »Regional-Krimi« - der 1962 in Aschaffenburg geborene und nach wie vor hier beheimatete Müller beherrscht die Fähigkeit des Spannungsaufbaus, des Erzählens einer Geschichte und - das wohl wichtigste Element der Belletristik - des Schreibens im Sinne von eigenem Stil und des Komponierens eines Erzählflusses. Kein Zufall wohl: Das Schreiben eines Buchs ist nicht vergleichbar mit dem Schreiben eines Briefs oder eines Tagebuchs - es ist eine Kunst, und Stefan Valentin Müller hat sie neben seinem Studium der Veterinärmedizin gelernt am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. [...] Allein das ist es wert, diesen in dieser Woche in den Buchhandel gekommenen Roman zu lesen. Er erzählt zumindest für uns Leser, die wir hier aufgewachsen sind oder in diesem Landstrich leben, eine - was die Kulisse anbelangt - selbst so und nicht anders erlebbare Geschichte. Und jene, die ihre eigene Heimat haben, wissen nun, warum der Mensch im Spessart so ist, wie er ist. Stefan Reis (aus: MAIN-ECHO, 24.September 2011, http://epaper.main-echo.de/edition-me/data/20110924/Main-Echo/STA/mbz.jsp?page=LAN03.9404644) ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Die drei Männer lagen in den Betten, das Feuer im Ofen längst heruntergebrannt. Ottl warf sich seufzend herum, als ein Zittern durch die Hütte ging. Ein leises Beben, als hätte sich ein gewaltiges Tier im Boden gerührt. Das Zittern verlor sich in der Nacht. Es herrschte einen Moment Stille, absolute Stille, selbst die Schlafenden schienen nicht zu atmen: Dann brach es los. Die dicke Schicht aus Neuschnee kam auf dem harschen, gefrorenen Untergrund ins Rutschen. Langsam erst, wie ein müder Riese, der auf die Beine kommen will, bewegte sich die Masse, dann ging es schnell und schneller. Als wütete die Nacht gegen den Berg, schwoll ein Grollen an oberhalb der Hütte, begann ein Brüllen und bevor die Männer wach wurden, war der gesamte Berg in Bewegung. Eine riesige sich überschlagende, rollende, stampfende, tosende Flut raste zum Tal, riss mit sich, alles was Schnee und Eis und Stein und Stock war. Wie ein gewaltiger, brüllender Flügel breitete sich weiße, dräuende, drängende Dunkelheit über die Hütte, saugte und blies und riss, rüttelte und zerbarst Eisen und Stämme und Stein. Die Männer, inmitten des Heulens und Brüllens, schleuderten zwischen den Wänden aus Holz, dem berstenden, den kreischenden Balken und Pfosten, dem kalten hereindringenden, todbringendem, nächtlichem Weiß. Bergab, im Wirbel, im Rasen, ein Drehen, ein Schlagen und Zerren, ein Begraben und Rutschen und Drücken und Gleiten in Ruhe und Stille und Nacht. Und Nichts. Lautlos am Ende. * * * Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>