Tod in Budapest

Als in einem Budapester Thermalbad ein Staatssekretär ermordet wird, betraut man die ehrgeizige Nachwuchskommissarin Viki Kiss mit der Aufklärung des Verbrechens. Hinzugezogen wird der Europol-Fahnder Antal Peringer, der seit seiner Flucht aus Ungarn vor fast fünfzig Jahren zum ersten Mal in seine Heimatstadt Budapest zurückkehrt. Die Spuren führen zurück in die bewegte Geschichte Ungarns – und in Peringers eigene Vergangenheit ... ................................................................................................................................................................................ Viktor Iro, studierte Germanistik in Tübingen, lehrte in den Vereinigten Staaten und promovierte im Fach Kulturwissenschaft in Berlin. Von 2004 bis 2009 lebte er als Dozent in Budapest und unterrichtete dort unter anderem Kreatives Schreiben. Er ist Absolvent der Berliner Drehbuchschule Ars Dramatica und führte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) ein Forschungsprojekt zur Darstellung von Autoren in Spielfilmen durch. Im Sommer 2010 erschien im Piper Verlag "Tödliche Rückkehr. Kommissar Peringer ermittelt". http://www.viktoriro.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Viktor Iro

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Während meiner Budapester Jahre, als plötzlich alles zusammenkam: eine inspirirende Stadt, ein Land mit zerbrechlicher Ordnung und viele Nächte am Schreibtisch. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Vier Morde, wenn man einmal nur die strafrechtlich verfolgbaren Verbrechen nimmt. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? "Alle Kriminalautoren sind Moralisten." (Eric Ambler) ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Nach und nach stießen sie die Duschkabinen auf. Mit jeder weiteren wuchs ihre Sorge, dem Staatssekretär könnte etwas zugestoßen sein. Doch sämtliche Kabinen waren leer. Nun blieben nur noch zwei Möglichkeiten: der hintere Raum mit seiner Auswahl verschieden heißer Becken und das Separee mit vierzig Grad heißem Wasser. "Sie gehen da lang, ich hier!", sagte der Bademeister zu István, der sich der Anweisung wortlos fügte. László wandte sich dem Separee zu, einem winzigen, runden Becken, das sich in einem Gewölbe mit kuppelartiger Decke befand. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Er zog den Kopf ein und betrat die dunkle, dampfende Höhle. Kaum hatte er sich wieder aufgerichtet, bot sich ihm ein grausiger Anblick: Das Wasser war rot gefärbt, und mitten im Becken trieb leblos der Staatssekretär. "Nichts", tat hingegen István kund, der nach erfolgloser Suche zu ihm stieß. Dann sah auch er den trägen Körper im Wasser. Sein Gesicht, das eben noch vor Hitze geglüht hatte, wurde schlagartig blass. "Das ist... das ist ja...", stammelte er nach einer Schrecksekunde. Staatssekretär Orosz lag auf dem Rücken, seine Augen waren ausdruckslos zur Decke gerichtet; er war offenkundig tot. "Und was...?" István zeigte auf den Leichnam, der am Oberkörper eine eigenartige, aufgequollene Jacke trug. "Das frage ich Sie", entgegnete László mit einem Schulterzucken.

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