Leichen, Kripo, Asservaten …

Was ist der Unterschied zwischen Mord und Totschlag? Welches Gift wirkt wie? Woran merkt man, dass ein Toter ermordet wurde und sich nicht etwa selbst umgebracht hat? Wofür genau ist eine Staatsanwältin zuständig? Und wie sieht eine Wasserleiche wirklich aus? Auf den Dauerseller Das Wort zum Mord folgt jetzt Von Arsen bis Zielfahndung, der zweite Leitfaden für alle, die Interesse am Krimihandwerk haben. Die Lisa-Nerz-Schöpferin Christine Lehmann hat sich gemeinsam mit dem polizeikundigen Fahnder Manfred Büttner das Ziel gesetzt, Sachverstand in die deutsche Krimikultur zu bringen. Mit solchem Handwerkszeug kann jeder Autor, jede Autorin ihre Szenarien wirklichkeitstreu gestalten. In Krimis sind rund die Hälfte aller Täter Frauen, im wahren Leben liegt die Frauenquote bei Mördern unter zehn Prozent. Die überwältigende Mehrheit dieser Morde werden mit Gift begangen – das heißt aber nicht, dass 90 % aller Giftmorde von Frauen begangen werden! Lehmann und Büttner arbeiten mit Witz und Verve daran, die Krimiwelt von Märchen und Vorurteilen zu befreien. Bei aller Fachkompetenz bleibt der Text noch bis in die trockensten Aspekte der Polizeiarbeit äußerst unterhaltsam, zumal die Fakten mit süffigen Beispielen aus Literatur und Film aufgelockert sind. Von Arsen bis Zielfahndung ist ein unverzichtbares Handbuch für Schreibende und Wissbegierige: Von der korrekten Art, Funksprüche abzusetzen, über eine Auflistung, welche Abteilung wann am Tatort eintrifft, bis zur Besoldung der einzelnen Dienstränge steht hier ein einmaliges Arsenal an Fakten zur Verfügung, und der Sinn fürs Realistische wird gründlich geschärft. Und auch wenn Lehmann und Büttner ihren Kolleginnen nicht alle Arbeit abnehmen wollen, gibt es als Sahnehäubchen eine kleine Giftkunde und viele weitere mörderische Details ... ................................................................................................................................................................................ Christine Lehmann Dr. Christine Lehmann, geboren 1958 in Genf als Tochter einer Schriftstellerdynastie, lebt in Stuttgart und Wangen (Allgäu). Sie ist Nachrichten- und Aktuellredakteurin beim SWR in Stuttgart. Schon mit vierzehn Jahren wollte sie Schriftstellerin werden, machte vernünftigerweise trotzdem Abitur und studierte unter anderem bei Volker Klotz in Stuttgart Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte. Anfang der neunziger Jahre begann Christine Lehmann, Kriminalromane zu schreiben: Nach dem Debüt Kynopolis erschienen (zunächst bei Rowohlt) die ersten drei Lisa-Nerz-Krimis. Seit 2005 wird die Lisa-Nerz-Serie bei Ariadne verlegt und wächst stetig. Christine Lehmann hat sich mit Kurzkrimis an diversen Anthologien beteiligt, außerdem schreibt sie Kriminalhörspiele für den SWR (Stichwort ARD Radio Tatort) sowie Glossen und Aufsätze, z.B. für Das Argument und für Th. Wörtches Kolumne im TitelMagazin. Detaillierte Infos im Internet: www.lehmann-christine.de ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen

Wie morde ich richtig? Ein notwendiges Nachschlagewerk für alle Krimiautoren und –leser Krimis wimmeln von Fehlern und groben Verfälschungen. Mitunter ist die Entfernung zwischen Realität und Fiktion so groß, dass es schon fast kriminell ist. Um diese Lücke zu verkleinern, gibt es nun das wunderbare Handbuch von Lehmann und Büttner. Den beiden geht es nicht darum, Krimiautoren zu bevormunden oder die Phantasie einzuschränken. Krimis sind Fiktion, und das sollen sie auch bleiben. Amüsant, grundlegend, unentbehrlich Christine Lehmann ist Politik- und Nachrichtenredakteurin beim SWR und schreibt seit vielen Jahren äußerst spannende und präzise recherchierte Kriminalromane; Manfred Büttner ist Steuerfahnder und Dozent an der Hochschule der Polizei - zwei Profis, die ihr Wissen zusammengetragen haben. Und das auf ebenso unterhaltsame wie profunde Weise: Ihr Handbuch ist nicht nur kenntnisreich, sondern auch witzig und frech geschrieben, sodass es für jede Krimiautorin und jeden Krimiautor zum unverzichtbaren Nachschlagewerk werden wird. Darüber hinaus gehört es ebenso in die Hände von Verlagslektoren, Journalisten und Rezensenten, um auch denen das nötige Grundwissen zu vermitteln. Und für interessierte Leserinnen und Leser ist es selbstverständlich ein Gewinn, denn hier wird einem endlich einmal erzählt, was man schon immer über Mord und Totschlag wissen wollte. Aus: Kirsten Reimers, mord-und-buch.de ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Arsen Arsen ist das Symbol für den Giftmord im Krimi. Deshalb ist es komödientauglich, obgleich es langwierig und grausam tötet. Für einen Giftmörder hat es den entscheidenden Vorteil, dass das Opfer Tage später fern von ihm stirbt. Allerdings ist es leicht nachzuweisen. Arsen ist ein Halbmetall, es schmeckt süßlich und stört deshalb im Nachtisch nicht, riecht erst beim Erhitzen über 300 Grad nach Knoblauch und kommt selten in Reinform vor, sondern in Sulfiden. Damit verunreinigter Schwefel kann durchaus tödlich wirken, zum Beispiel im Wein. Arsen fällt in großen Mengen als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Kupfer, Blei, Kobalt und Gold an und findet sich auch in Halbleitern. Im 19. Jahrhundert galt Arsen als Asthmamittel, wenn auch mit unklarer Wirkung. Arsen wirkt gegen die Schlafkrankheit und Syphilis und ist bis heute Grundlage einiger Medikamente, beispielsweise des Medikaments Trisenox, mit dem eine bestimmte Art der Leukämie behandelt wird. Arsensulfide kommen auch in der chinesischen Medizin vor und gehören zu den häufig verordneten homöopathischen Mitteln. Tödliche Dosis für einen Erwachsenen: 60 – 170 mg. Es kommt zu Krämpfen, stundenlangem Erbrechen, inneren Blutungen, Durchfall und Koliken und endet mit Nieren- und Kreislaufversagen. Die Haut fühlt sich feucht und kalt an. Die Quälerei kann nach einigen Stunden vorbei sein, aber auch einige Tage dauern. Arsen reichert sich in Haaren und Nägeln an und ist dort leicht nachweisbar. Alles über Arsen findet sich in Starkes Gift (1929) von Dorothy L. Sayers. Der Täter nutzt die Fähigkeit des Körpers, sich an Arsen zu gewöhnen, um bei einem gemeinsamen Essen einen Mann zu vergiften. Sayers greift auf Berichte zurück, wonach Arsen, regelmäßig in kleinen Dosen eingenommen, sogar gesundheitsfördernd sein soll. Arsen, dauerhaft eingenommen oder eingeatmet, verlängert das Leben allerdings nicht, sondern verkürzt es. Früher war es in grünen Tapetenfarben und dampfte aus. Menschen, die an einer chronischen Arsenvergiftung leiden, erkennt man an dicken Fingern mit gewölbten runden Fingernägeln, was auf chronische Unterversorgung mit Sauerstoff zurückgeht. Aber Vorsicht mit voreiliger Diagnose: Auch Mukoviszidose-Patienten und zahlreiche Herz- oder Lungenkranke zeigen solche Symptome. Der Haftbefehl Hält die Richterin die Untersuchungshaft für gerechtfertigt, erlässt sie einen schriftlichen Haftbefehl. Es ist üblich, dass Haftbefehle ein kräftig rotes Deckblatt haben. Das ist zwar nirgends vorgeschrieben und muss auch nicht so sein, es ist nur sehr verbreitet. So ist überliefert, dass routinierte Beschuldigte, vor denen eine Polizistin steht und sagt, sie habe einen richterlichen Beschluss dabei, zuerst einmal ängstlich fragen, ob er denn rot sei. Wenn ein richterlicher Haftbefehl durch die Polizei ausgeführt wird, heißt das nach dem Gesetz: verhaften. In allen anderen Fällen heißt es: festnehmen. Selbstverständlich können Polizei und Staatsanwaltschaft jemanden festhalten, bis die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehlsantrag gestellt und das Gericht darüber entschieden hat. Dann spricht man von vorläufiger Festnahme. Vorläufig deshalb, weil zwar nach Einschätzung der Polizei oder der Staatsanwältin die Voraussetzungen für einen Haftbefehl vorliegen, der richterliche Haftbefehl aber noch nicht vorliegt. (…) Cops in harten Krimis legen einen Verdächtigen oder unwilligen Zeugen schon mal für eine Nacht auf Eis, um ihn richtig weichzuklopfen. Das heißt, jemand wird ohne dringenden Tatverdacht und richterlichen Beschluss einfach mal so einen Tag im Polizeigewahrsam gelassen, um ihn redewilliger zu stimmen. So etwas wäre aber in Realität vor allem eines: reichlich unklug. Weil die Folgen solch massiv rechtswidriger Polizeistaatsaktionen für den Polizisten gegebenenfalls um einiges heftiger sind als für den eine Nacht Eingesperrten, macht sich der Polizist angreifbar und vor allem erpressbar. Außerdem würde alles, was der Eingesperrte nach so einer Aktion aussagt, anschließend in minutiösen juristischen Analysen auf Verwertbarkeit geprüft werden müssen und voraussichtlich einem Verwertungsverbot anheimfallen. Allerdings dürfen die Beamtinnen eine erste Sichtung der Beweismittel und die notwendige Schreibarbeit zur Beantragung eines Haftbefehls noch erledigen, bevor der Festgenommene dem Haftrichter vorgeführt wird. Als Faustregel gilt, dass die meisten vorläufig Festgenommenen innerhalb von 12 bis 24 Stunden vorgeführt werden. Der Messerstecher eher früher, der Wirtschaftskriminelle eher später. Das hat mit dem Umfang der Schreibarbeit zu tun, die Polizei und Staatsanwaltschaft bei der Begründung des dringenden Tatverdachts und des Haftgrunds aufwenden müssen.

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