Perfide Machenschaften in der besseren Gesellschaft Berlins

Ein Politiker begeht Selbstmord. Offenbar soll ein Politskandal unter den Teppich gekehrt werden – glaubt zumindest der Reporter Hardy Sackowitz und wühlt sich mühsam durch den Berliner Sumpf. Kommissar Paul Kalkbrenner hat's dagegen einfacher, als er in ein Nobelhotel gerufen wird, in dem ein angesehener Geschäftsmann erschossen wurde, der unter falschem Namen eingecheckt hatte. Der Fall ist eindeutig: Der verheiratete Unternehmer hatte eine Affäre, die ihm das Leben kostete. Aber dann gibt es plötzlich einige Ungereimtheiten und der Mordfall wird zum kniffligen Rätsel. Und dann ist da noch Tabori. Der kleine Junge hat die Armut in seiner albanischen Heimat nicht mehr ausgehalten. Er ist von zu Hause ausgerissen, hat sich nach Berlin durchgeschlagen, wo das Geld angeblich auf der Straße liegt. Doch was er findet, ist ungleich schlimmer ... »Trieb« ist Kommissar Kalkbrenners dritter Fall. ................................................................................................................................................................................ Marcel Feige, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. Nach über 30 Sachbüchern, darunter die Biographien über die Hamburger Kiez-Ikone Tattoo-Theo, die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und eine Rotlicht-Größe aus dem Ruhrgebiet, schreibt er seit 2005 überwiegend Krimis & Thriller. http://www.marcel-feige.de                    ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Marcel Feige

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden? Weil in jedem von uns eine kriminelle Ader steckt. Ich stehe dazu! Was ist Ihre Lieblingstatwaffe? Ganz klar: Eine Pistole. Schnell, effektiv, nur manchmal ein bisschen laut. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Schuld sind immer die anderen. ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen

»Ein intelligenter Spannungsroman, den man nach der Lektüre nicht gedankenlos zur Seite legen kann.« Harry Luck, Focus, 25. August 2009 »Wer gerne gute Thriller liest und Marcel Feige noch nicht gelesen hat, der hat mit das Beste was es in Deutschland in diesem Genre gibt verpasst! Marcel Feige steht qualitativ auf einer Stufe mit Sebastian Fitzek und Andreas Franz, den erfolgreichsten Krimi- und Thrillerautoren Deutschlands.« Alex Dengler, Denglers-Buchkritik.de, 24. August 2009 »Ergreifend, aufrüttelnd und spannend.« Carsten Kuhr, Krimi-Couch.de, August 2009 »Das frühe Ende eines Karrierepolitikers, der Mord an einem Fabrikanten in einem Berliner Luxushotel, eine tote Prostituierte, Geschäfte mit Gammelfleisch und ein paar kleine Jungen, verloren im Großstadtdschungel - aus dem neuen Thriller von Marcel Feige ließe sich gleich ein ganzer Stapel ›Tatort‹-Drehbücher machen. Nur langsam zeigt sich das Muster, das diese Handlungsstränge schließlich zusammenführen wird … Marcel Feige hat sich dieses Themas mit der Besessenheit eines James Ellroy angenommen, die es braucht, um so gewichtige Stoffmassen zu bewältigen.« Ulrich Baron, Spiegel Online, Vorgelesen – die wichtigen Bücher der Woche, 5. August 2009 »Mit ›Trieb‹ ist Feige ein Thriller gelungen, der dem Leser noch lange im Gedächtnis bleiben wird … Düster, grausam und real.« Daniel Raifura, Kultur-Base.de, 14. August 2009 »Das ist harter Tobak, den Marcel Feige da auftischt, fast zu viel. ›Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte‹, empört sich konsequenterweise eine Figur. Andererseits: Wer hat behauptet, das Leben sei ein Zuckerschlecken? Das glaubt man dem in Berlin lebenden Autor aufs Wort, auch ohne Nachwort, mit dem er Einblick in seine Rercherchen gewährt. Sein Thriller ist verdammt nahe an der Realität.« Alexander Rülke, Heilbronner Stimme, 18. August 2009 »Kenntnisreich, engagiert, empathisch – ein spannender Krimi.« Barbara Keller, BerlinKriminell.de, 18. August 2009 ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

In Gracen, einem winzigen albanischen Bergdorf, schüttelte ein Junge wütend sein kleines Radio. Dieses blöde Ding! Um achtzehn Uhr hatte die Hitparade auf Top Channel begonnen. Jetzt war es bereits kurz vor halb sieben, und noch immer klang statt der neuen Songs von Eminem, US5 oder Tokio Hotel nur ein Rauschen aus den Lautsprechern. Dabei lag Tirana, von wo der Sender sein Programm ausstrahlte, nicht einmal weit von Gracen entfernt. Mit dem Bus brauchte man gerade mal eine Stunde in die Hauptstadt. Der Junge hielt die Antenne so hoch wie möglich, doch obwohl er sich dazu sogar auf die Zehenspitzen stellte, gab das Radio nur ein Knistern von sich. Es war alt und kaputt. Vielleicht hätte sein Vater das Gerät reparieren können, aber der war schon lange tot. Der Junge trat zu seiner Mutter an den Herd. »Mama, wann kaufen wir endlich ein neues Radio? Oder einen Fernseher? Alle im Dorf haben ...« »Wir haben kein Geld dafür«, unterbrach sie ihn, ohne dabei vom köchelnden Grießbrei aufzuschauen. »Das weißt du doch, Tabori.« »Aber du gehst arbeiten«, widersprach der Junge. Zwei Mal die Woche schrubbte sie die Dielen in der Kirchensakristei und wischte die Bänke vor dem Altar. »Das bisschen, was ich beim Putzen verdiene, deckt kaum die Miete.« Sie rührte den Griesbrei um. Fleisch gab es nur selten, und selbst für Kartoffeln reichte das Geld nur manchmal. »Und erst recht nicht die Kosten für Mickaels Medizin.« Tabori wollte erneut protestieren. Immerzu drehte sich alles nur um seinen älteren Bruder. Doch seine Mutter brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. »Mit Fernsehen vergeudest du sowieso nur deine Zeit. Du solltest lieber ...« Sie wurde von einem Klopfen an der Tür unterbrochen. Schnell reichte sie Tabori den Topf mit dem Grießbrei. »Geh aufs Zimmer!« Der kleine Raum, den Tabori sich mit Mickael teilte, bestand aus einem Kleiderschrank, dessen eine Tür nur noch halb in den Angeln hing, und einer aufgebockten, zerkratzten und durchhängenden Platte, auf der Tabori seine Schulaufgaben erledigte. Die nicht vorhandene Tapete wurde durch alte Fotos ersetzt, die Mutter, Mickael, Tabori, seinen Cousin Ryon und Gentiana zeigten. Daneben hing ein Poster von Tokio Hotel, das Ryon vor ein paar Monaten für ihn aufgetrieben hatte. Das schmale Bett teilte sich Tabori mit seinem Bruder, der gerade schlief. Tabori wollte Mickael nicht wecken, also stellte er den Grießbrei auf den Nachttisch und griff nach der Gitarre, die ein Geschenk von Großvater gewesen war, wenige Monate vor dessen Tod. Während Tabori im Flur die Daunenjacke über den Pullover zog, hörte er aus dem Wohnzimmer Geräusche. Sie erinnerten ihn an das Grunzen der Dorfschweine. Draußen schlug ihm der kalte Januarwind ins Gesicht, aber es fiel ihm leichter, diesen Schmerz zu ertragen, als das Stöhnen im Haus mit anhören zu müssen. Oder in die verquollenen Augen zu sehen, die seine Mutter später mit Sicherheit wieder haben würde. Tabori überquerte die steinige Hauptstraße. Ein paar Abschnitte waren vor einiger Zeit von rumänischen Wanderarbeitern neu geteert worden, aber der heiße Sommer und der raue Winter hatten dem Straßenbelag bereits wieder zugesetzt. Erst vor Kurzem war der Bus, der zwei Mal täglich Gracen ansteuerte, in einem der Schlaglöcher stecken geblieben. Es hatte dreier Pferde bedurft, um ihn herauszuziehen. In einigen Häuserfenstern glomm noch verheißungsvoll bunte Weihnachtsdekoration, aber die meisten Bauernkaten wurden nur von nackten Glühbirnen erleuchtet. Der Großteil der Dorfbewohner konnte sich keinen Luxus leisten. Auch für Tabori hatte es zu Weihnachten nur eine Portion Kekse gegeben, verpackt in blaues Briefpapier, und mit viel Glück würde er zu seinem Geburtstag nächste Woche weiteres Gebäck erhalten. Er wählte einen schmalen Weg zwischen zwei großen, verwitterten Röhren hindurch, die vor langer Zeit einmal als Brennöfen zur Herstellung von Kalk gedient hatten. Wenn man von der alten Weberei ein Stück weiter die Straße hinunterlief, kam man zur Fabrik, die nach einem Brand nur noch eine schwarze Ruine war. Der Pfad führte hinauf zum Skanderberg. In einer der Höhlen, die es in dem Hang seit Jahrhunderten gab, entzündete Tabori ein Feuer. Es dauerte eine Weile, bis die Flammen endlich am klammen Holz aufstoben. Sein Vater hätte es mit Sicherheit schneller geschafft. Mit den Fingerspitzen strich Tabori sanft über das Holz seiner Gitarre. Das Instrument war alt, die meisten Saiten ließen sich schon nicht mehr stimmen, doch wenn Tabori sie zupfte, klangen die Töne in seinen Ohren noch immer melodisch. Dann sang er das Povijn `krushqi, ein traditionelles albanisches Volkslied, das Großvater ihm beigebracht hatte. Tabori verstand zwar nicht alle Strophen, aber er wusste immerhin, dass der Text von Vertrauen, Liebe, Wärme und Glück handelte. Die Worte kamen ihm leicht über die Lippen, und schon bald fühlte er sich wie einer der berühmten Sänger aus der Hitparade, denen er im Radio so gerne lauschte. Wenn dieses blöde Gerät denn mal funktionierte. Als er das Lied beendet hatte, überraschte ihn eine Stimme: »Das hat mir gefallen.« Heißer als Feuer schoss Tabori das Blut in den Kopf. Er mochte zwar die Vorstellung, ein berühmter Musiker zu sein, aber tatsächlich vor anderen Menschen zu singen, das war eine ganz andere Geschichte. Vor allem dann, wenn der Zuhörer ein Mädchen war und Gentiana hieß. Weil er nicht reagierte, sagte sie: »Wirklich, Tabori, du hast Talent.« »Das hat Opa auch immer gesagt«, erwiderte er mit einem Kloß im Hals. »Dein Opa war ein kluger Mann.« Gentiana setzte sich neben ihn. Sie war ein Jahr älter als Tabori und überragte ihn um einen halben Kopf. Das blonde Haar fiel ihr bis auf die Schultern. Trotz der grob gestrickten Leinenröcke, die sie trug, war sie hübscher als die meisten Mädchen aus dem Dorf. Daran konnte auch die Narbe auf ihrer Stirn nichts ändern. Woher sie stammte, hatte Gentiana nie verraten. Allerdings hatte sich Tabori bisher auch nicht getraut, sie danach zu fragen. In ihrer Nähe fühlte er sich unwohl. Er dachte an das, was sich die anderen Kinder im Dorf erzählten, seit man sie gemeinsam in der Höhle überrascht hatte. In Wirklichkeit gab es natürlich nichts zu tuscheln. Gentiana war eine Freundin, aber nicht seine. Das machte einen Unterschied, einen großen sogar, und außerdem war sie mit Ryon zusammen. »Hast du was von meinem Cousin gehört?«, fragte Tabori. »Seit er gefahren ist, nicht mehr.« Gentianas Augen flackerten traurig. »Aber alle im Dorf glauben, dass Ryon inzwischen viel Geld verdient.« »Es wäre wirklich toll, wenn er ...« Ein gellender Schrei durchbrach die Nacht.

* * *

Frühere ‘Empfehlungen der Woche’ finden Sie hier >>