Dunkle Schatten der Vergangenheit

liegen über der Idylle des Attersees – Edith Kneifl, Grande Dame des österreichischen Krimis, auf der Höhe ihrer Kunst. Sommerliche Idylle am Attersee. Plötzlich durchbricht ein jäher Schrei die Stille. Der Anblick, der sich der 14-jährigen Joe Bellini im Bootshaus bietet, brennt sich tief in ihr Gedächtnis ein – hilflos muss sie mitansehen, wie ihre Freundin Franzi von einem Unbekannten vergewaltigt wird. 30 Jahre später kehrt Joe an den Ort des Geschehens zurück. Franzi steht unter Verdacht, ihren Stiefvater ermordet zu haben. Hat sie die Vergangenheit eingeholt? Joe setzt alles daran, ihre Unschuld zu beweisen … Joe Bellini haben alle Kneifl-Fans schon in den Krimis "Auf den ersten Blick" (2001) und "Kinder der Medusa" (2004) kennen und lieben gelernt. Niemand bleibt von ihren schrägen Analysen verschont, die Verbrechen aber behandelt sie mit heiligem Ernst. So wird der Leser unerbittlich bis zum Showdown getrieben und am Ende atemlos staunend zurückgelassen. ................................................................................................................................................................................ Edith Kneifl, Dr.phil., geboren 1954 in Wels, aufgewachsen in Lenzing, Oberösterreich. 1973-80 Studium der Psychologie und Ethnologie an der Universität Wien. 1981-82 Mitarbeit in der interministeriellen Arbeitsgruppe zur Behandlung frauenspezifischer Angelegenheiten im Bereich des Unterrichtswesens. 1981-1983 Organisatorin von „Künstler für den Frieden“. Nach längeren Auslandsaufenthalten in Griechenland und in den USA, lebt und arbeitet sie heute als Psychoanalytikerin und freie Schriftstellerin in Wien. Mitglied der AIEP (Internationale Vereinigung der Kriminalschriftsteller) der „Sisters in Crime“ und des SYNDIKATS. Literaturpreise und -stipendien: u.a. 1988 THEODOR-KÖRNER-PREIS für Literatur, 1994 Literaturstipendium der Stadt Wien. 1992 bekam Edith Kneifl für ihren Roman „Zwischen zwei Nächten“ als erste Frau den GLAUSER-PREIS für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des Jahres verliehen. Die Verfilmung ihres Romans „Ende der Vorstellung“ (Regie: Wolfgang Murnberger, Filmtitel: “Taxi für eine Leiche“) wurde als bester Fernsehfilm des Jahres mit der ROMY 2003 ausgezeichnet. http://www.kneifl.at ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Edith Kneifl

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Ich schreibe seit Mitte der 80er Jahre Kriminalgeschichten und Romane. Meine erste Kurzgeschichte „Tschick“, wurde 1987 beim Wiener Frauenverlag in der Anthologie „Im kleinen Kreis“ veröffentlicht. Mein erster Roman („Zwischen zwei Nächten“) erschien 1991 ebenfalls beim Wiener Frauenverlag. Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto? In meinen bisher 12 Romanen und ca. 50 Kurzgeschichten kommen etwa 120 Leichen vor, darunter 12 ermordete Kätzchen und ein deutscher Schäferhund. Banküberfälle und andere Verbrechen nicht mitgezählt. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Es ist besser, etwas Böses zu tun, als gar nichts zu tun, denn das Böse impliziert immerhin zwischenmenschliche Kommunikation“ (Zitat von John Cale.) ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen

„Unaufgeregt, aber umso unerbittlicher trägt die Grande Dame des österreichischen Kriminalromans mit stetigen Rückblenden in Joes Jugend Schicht um Schicht ab.“ Die Presse „Unterhaltsam!“ Brigitte Österreich „... und morde wild drauf los! Die Grande Dame des österreichischen Krimis ist wieder zur Tat geschritten. Ihren jüngst erschienen Krimi bezeichnet sie als bisher authentischsten.“ Raiffeisenzeitung ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Der Rosenwind hatte nachgelassen. Der Tag neigte sich dem Ende zu. Als am frühen Abend das Wasser wieder zu einer spiegelnden Fläche wurde und man den Grund des Sees nicht nur erahnen, sondern auch sehen konnte, stand sie allein auf einem hölzernen Steg. Sie ging in die Knie, tauchte ihre Hände in das kühle Nass. Dann sprang sie hinein. Schwamm weit hinaus, ließ sich auf dem stillen Wasser treiben. Kraulte erst knapp vor Einbruch der Dunkelheit zurück ans Ufer. Sie kletterte die wackelige Leiter des Steges hinauf, wickelte das Handtuch um ihren kindlichen Körper, griff nach Jeans und Sweater und ging zum Bootshaus, das völlig im Dunkeln lag. Als sie nur mehr ein paar Schritte vom Bootshaus entfernt war, nahm sie den Lichtschimmer hinter den halb geschlossenen Fensterläden wahr. Neugierig schlich sie näher, stellte sich auf die Zehenspitzen und spähte durch den Spalt zwischen den Läden. Das alte Ruderboot wurde von einer Kerze schwach beleuchtet. Schemenhaft zeichneten sich zwei Gestalten im Boot ab. Plötzlich vernahm sie eigenartige Geräusche. Leises Wimmern, kaum wahrnehmbares Schluchzen, ein unterdrückter Schrei: „Nein, bitte nicht …“ Die folgenden Worte gingen im Plätschern der Wellen, die am Ufer versandeten, unter. Das Wimmern wurde lauter: „Hör auf, du tust mir weh.“ Sie zitterte, war kreidebleich im Gesicht. Vorsichtig öffnete sie die Tür des Bootshauses. Das erste, was sie sah, war der nackte pickelige Hintern eines Mannes. Sein Rücken verdeckte zur Hälfte das Gesicht und die rotblonde Haarpracht einer Frau. Die Flamme der Kerze erleuchtete ihre vor Angst und Schmerz weit aufgerissenen Augen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie begriff, was sich hier abspielte. Ihre Freundin lag auf dem Rücken, den Kopf an die Bank gelehnt. Der Mann kniete über ihr und bewegte seinen Hintern auf und ab. Seine Finger kneteten die kleinen prallen Brüste. Sein Gesicht konnte sie nicht sehen. Das Gefühl von Hilflosigkeit verstärkte ihre Panik. Sie fing einen Blick ihrer Freundin auf. Aus ihren Augen sprachen Verzweiflung und Ohnmacht zugleich. Um nicht lauthals zu schreien, biss sie sich auf die Unterlippe und schloss dann leise die Tür hinter sich. Sie wollte davonlaufen. Ihre bloßen Füße schienen im feuchten Gras zu kleben. Weinend und nur mit dem Handtuch bekleidet verließ sie schließlich den Badeplatz. Abends ging sie nicht zum Konzert im Schloss. Sie legte sich ins Bett, ließ aber die Lampe auf ihrem Nachtkästchen an. Ihre Augen waren vom vielen Weinen stark gerötet. Hektische rote Flecken machten sich auf ihren Wangen breit. Sie sah krank aus. Leise Klaviermusik drang in ihr Zimmer. Kurz nach Mitternacht, als die letzten Gäste das Schloss längst verlassen hatten, klopfte jemand an ihre Tür. Sie rührte sich nicht. „Verdammt, mach auf! Ich weiß, dass du nicht schläfst.“ Aus Angst, die laute Stimme könnte ihre Eltern, die nebenan schliefen, wecken, öffnete sie. Ihre Freundin stand, nur mit einem kurzen Hemdchen bekleidet, das lange Haar total zerzaust, in der Tür und fauchte sie an: „Schwör mir auf der Stelle, dass du keinem Menschen erzählen wirst, was du heute gesehen hast. Schwöre es beim Leben deines Vaters. Er soll tot umfallen, wenn du etwas verrätst.“ Entsetzt hob sie zwei Finger der rechten Hand zum Schwur und schloss wortlos wieder die Tür.

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