I never had much use for imagination, I prefer facts. Sagt der berühmteste Detektiv der Welt, Sherlock Holmes, im Jahr 1947, im Alter von 93 Jahren und kurz vor Alzheimer. Dieser Holmes lebt auf dem Land bei Sussex, züchtet Bienen und raucht lieber Zigarre als Pfeife. Den Deerstalker würde er nie aufsetzen, und nicht einmal die legendäre Adresse Baker Street 221b stimmt – das war nur Ablenkung, in Wirklichkeit wohnte er gegenüber. Aber der berühmte Detektiv vergisst inzwischen Namen und Begebenheiten, sein Arzt gibt ihm einen Notizkalender, in den er immer einen Punkt machen soll, wenn er wieder etwas vergisst. Watson made me into fiction.

Dieser Holmes will jetzt selbst aufschreiben, wie es damals war, er geht sogar ins Kino, in eine dieser beliebten Holmes-Detektivfilme. Dabei interessiert er sich nicht einmal mehr für das Lösen von Geheimnissen, obwohl ihm das Sterben seiner Bienen schon einige Sorge bereitet und ein letzter Fall ihn noch wurmt, wie er dem Sohn seiner Haushälterin erzählt. Die erzieht den Sohn mit einiger Strenge, da heißt es zum Einschlafen: Lights out, like it’s the Blitz!

Death doesn’t interest me, it’s the circumstances. Obwohl er schon 7.816 Mal gestochen wurde (natürlich hat er mitgezählt), weiß Holmes, dass ihm die Bienen nicht schaden wollen, all die Bienen, die rätselhaft sterben, und dieses letzte Mysterium will er doch noch lösen, bevor der Kalender ganz voller schwarzer Punkte ist. Es geht ihm um sein Bienenvolk, und seine Analyse dazu klingt dann fast schon wieder wie ein nie geschriebener Sherlock-Holmes-Roman: An outbreak of mortality. Sir Ian McKellen, der einst der gutmütige Gandalf war und Richard III. in seinem Wahn, spielt diesen Holmes mit einer grandiosen Zerbrechlichkeit und störrischen Wehmut, in der er manchmal ein bisschen an den "Fitzcarraldo"-Regisseur Werner Herzog erinnert. Mit dem amerikanischen "Mr. Holmes"-Regisseur Bill Condon arbeitete McKellen bereits 1998 zusammen, beim grandiosen Biodrama "Gods and Monsters", was beiden erste Oscarnominierungen einbrachte. Die Idee der alten Tage des Meisterdetektivs aber geht zurück, wie schön, auf ein Buch: "A Slight Trick of the Mind" von "Tideland"-Autor Mitch Cullin.
– "Mr. Holmes", ab 24. Dezember im Kino

Fans der BBC-Serie "Sherlock" mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman können sich den 1. Januar 2016 vormerken, da läuft nämlich das Weihnachtsspecial, in dem Holmes und Watson in viktorianischer Zeit ermitteln (kein Smartphone für Sherlock!), allerdings nur in der BBC. Die ARD-Ausstrahlung steht noch in den Sternen.

Und noch ein Kino-Krimitipp:

Doppelpack: 1990 hatte Regisseur Peter Medak die Geschichte der legendären Gangsterzwillinge Reggie und Ronald Kray als "Die Krays" verfilmt, in den Hauptrollen die Spandau Ballet-Brüder Gary und Martin Kemp, die ihre Sache, nebenbei bemerkt, ziemlich gut machten. Jetzt hat sich "L.A. Confidential"-Drehbuchautor Brian Helgeland die Kray-Brüder noch einmal vorgenommen, mit Tom Hardy ("Mad Max: Fury Road") in beiden Rollen. Grandios!
– "Legend": ab 7. Januar 2016 im Kino

Krimi im Fernsehen:

Jubiläum: Am Neujahrssamstag läuft der 50. Wilsberg (Drehbuch: Eckehard Ziedrich). Zwei weitere Fälle um den Detektiv aus Münster sind bereits gedreht, darunter auch "Himmelfahrt" (AT), geschrieben von den SYNDIKATs-Mitgliedern Sandra Lüpkes und Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer.
– "Wilsberg: Tod im Supermarkt", 2. Januar 2016, 20.15 Uhr, ZDF

Premiere: Eine Krimikomödienminiserie mit Bastian Pastewka und Susanne Wolff um einen beinahe unfreiwilligen Geldfälscher, Drehbuch: Sönke Lars Neuwöhner & Sven S. Poser und Martin Eigler, oft angekündigt als "das deutsche Breaking Bad", was es gar nicht sein soll.
– "Morgen hör ich auf", ab 2. Januar 2016, 21.45 Uhr, ZDF

Über den Autor:
Volker Bleeck ist seit mehr als zwanzig Jahren als Redakteur bei TV Spielfilm und TV Today zuständig für Kino, Krimi und Kokolores. 2008 veröffentlichte er sein Sachbuch "Kommen wir nun zu etwas völlig anderem – 40 Jahre Monty Python" im Schüren Verlag. Zusammen mit seiner Frau Kirsten Püttjer schreibt er Krimis, zuletzt "Bauer, Trecker, Tod" bei Emons, und ist Schlagzeuger einer Krimiband. Gerade erschien bei Schüren sein Beitrag im Sammelband " Es war einmal … Mein erstes Mal Star Wars" (hg. von Michael Scholten und Wolf Jahnke), in dem sich Journalisten neben Film- und Fernsehleuten wie Bully Herbig und Oliver Welke an ihre erste Begegnung mit "Star Wars" erinnern. Zudem schreibt er einen Krimi- und Kino-Blog.

Foto: Sandra Gätke