Ein psychologischer Spannungsroman von dichter Atmosphäre

Vielbrunn im Odenwald. Auf einem Feld wird die Leiche eines Bauern gefunden. Die Behörden gehen von einem tragischen Unfall aus. Doch der junge Polizist vor Ort, Frank Liebknecht, glaubt nicht an einfache Erklärungen. Er recherchiert auf eigene Faust und stößt schnell auf Ungereimtheiten in der Vergangenheit des Toten. Für Frank ist der Tod nur das Ende einer Geschichte. Die Antwort. Und er muss die richtige Frage stellen, um den Anfang zu finden. Immer tiefer verstrickt er sich in den Fall und gerät in einen Mahlstrom aus Verrat, Mord und fanatischer Verblendung … Kritikerstimmen: "Meine absolute Leseempfehlung für Krimifans. Ich freue mich schon auf weitere Fälle mit Frank Liebknecht.“ (Biggi Friedrichs, Krimikiosk) "Ein Krimi, der alle Emotionen bedient! Klasse!“ (Frau Schomakers auf Lovelybooks.de) ................................................................................................................................................................................ Brigitte Pons, geboren 1967 in Südhessen, ist Bankkauffrau, verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Mörfelden-Walldorf. Sie schreibt Kriminelles und Nich-Kriminelles und hat zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Autorin spielt gern mit Genregrenzen und liebt das Vortragen ihrer Geschichten fast ebenso sehr wie das Schreiben selbst. Ihr Kriminalroman „Ich bin ein Mörder“ – eine Hommage an Friedrich Dürrenmatt – erschien 2011 im Sutton-Verlag; „Die Würde der Toten“ folgte 2012 bei Prolibris. Seit April 2014 erhältlich: "Celeste bedeutet Himmelblau" im Verlag Egmont LYX. Mehr über Brigitte Pons. ................................................................................................................................................................................

Prigitte Pons im Verhör

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden? Da gab es nichts zu entscheiden, ich fürchte, das ist genetisch bedingt. Außerdem empfinde ich literarisch begangene Verbrechen (nicht zu verwechseln mit Verbrechen an der LiteraturJ) als sehr entspannend. Die Gedanken sind frei alles zu tun, zu Was ist Ihre Lieblingstatwaffe? So etwas habe ich nicht. Das wäre ja fatal! Ein professioneller Killer, der sich von seiner Waffe nicht trennen kann, wird irgendwann durch sie enttarnt. Allzu enge Bindungen sind in diesem Milieu kontraproduktiv – auch, wenn es nicht um Menschen sondern um materielle Dinge geht. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich muss mich nicht verteidigen. Mir kann man sowieso nichts nachweisen.  ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Der Mann, der sich Dieter nannte, hatte gesagt, sie sei heute Sabine. Dabei war sie an jedem Tag die Gleiche, egal wie viele Namen er ihr auch geben mochte. Falsche Namen, verlogene, fremde Namen. Sie hatte sich so sehr gewünscht, die Worte der Alten nie mehr hören müssen, sie durch Vergessen aus­zulöschen. Doch sie wusste, dass es nicht in ihrer Macht stand und dass eine schreckliche Wahrheit in ihnen lag. Das Kind der Schlange war geboren, um Schmerzen zu leiden und Schmer­zen zu bringen, Tod und Verderben. Sie wollte es nicht, und doch würde es wieder geschehen. Wieder und wieder. Sie schlang die Arme um die Knie und starrte auf die Tür. Dieter klapperte mit den Töpfen in der Küche herum, kochte für sie, obwohl er doch ein Mann war. Tränen stiegen ihr in die Augen, denn sie konnte nicht verstehen, was er damit be­zweckte. Er stellte die Welt auf den Kopf und umging die vor­herbestimmte Ordnung. Niemand durfte das. Er hörte nicht auf, sie zu quälen mit seiner Freundlichkeit, er wiegte sie in Sicherheit, doch vermochte er sie nicht zu täu­schen. Es würde der Tag kommen, an dem er die Geduld verlor. Es würde der Tag kommen, an dem er ihr Geheimnis lüftete. Sie tastete unter ihr Kleid, fühlte die kalte, beruhigende Klinge. Der Tag, an dem sie ihn töten musste. […] Die Haustür klaffte einige Zentimeter auf. Frank sah es schon vom Hoftor aus. Verdammt! Hatte er es heute Morgen so ei­lig gehabt? Ein metallischer Geschmack füllte seinen Mund. Adrenalin. Leise zog er die Waffe aus dem Holster. Er zögerte, dann entsicherte er sie. Wenn schon, denn schon. Sein Blick huschte durch den Hof, glitt über das Haus sei­ner Vermieter, den Eingang, die heruntergelassenen Rollläden an den Fenstern. Sie waren verreist, drei Wochen Spanien. Oder Italien. Er hatte es vergessen. Aber er hatte sicher nicht vergessen, seine Wohnungstür zu schließen. Vor Anspannung knirschte er mit den Zähnen und schob sich an der Hauswand entlang näher heran. Atmen, Luft anhalten, horchen. Mit der Fußspitze drückte er die Tür weiter auf. Nichts zu hören außer dem Ticken der Uhr im Wohnzimmer. Den Lauf der Waffe auf den Boden vor sich gerichtet, mach­te er den ersten Schritt über die Schwelle. »Fuck!«, zischte er halblaut. Hier war keiner mehr. Er ließ den Schlaghahn zurückschnappen, steckte die Pistole weg. Da hatte einer richtig Spaß gehabt und ganze Arbeit geleistet. Nichts mehr im Regal, nichts in irgendeiner Schublade. Rasch durchquerte Frank den Raum, warf einen Blick auf die Kü­chenzeile, ins Bad, lief zurück ins Wohnzimmer. Der Bass lag mit dem Rücken nach oben hinter dem Sofa. Wenn der kaputt war … Schnell drehte er ihn um: alle Saiten intakt, kein Bruch, nicht einmal ein Kratzer. Zärtlich strich er über das Instrument und stellte es aufatmend zurück in den Halter. Im Schlafzimmer bot sich Frank ein ähnlich chaotisches Bild wie in der restlichen Wohnung. Doch wie es schien, fehlte nichts. Stattdessen zierte eine tote Ratte sein Kopfkissen. Eine Ratte. Aber nichts gestohlen. Frank raffte seine Haare zur Seite und klemmte sie sich hinter die Ohren. Es gab keine weiteren Anzeichen von Vandalismus. Keine mutwillige Zer­störung, keine Farbe an der Wand, keine stinkende Hinterlas­senschaft. Nur Unordnung und eine tote, blutige Ratte. War das eine Warnung der deftigen Art, für den Mann, der selbst die Ordnung störte?  
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