Ein himmlischer Linz-Krimi

Die Finanzkrise hat auch Linz erreicht. Alexander Wallner hat seinen Job beim Bauriesen BAGAÖS verloren, die Bank stellt die Kredite fällig und er bringt es nicht übers Herz, seiner hochschwangeren Frau die Wahrheit zu sagen. Das Mitgefühl von Freunden und Bekannten kann ihn nur kurz aus seiner Verzweiflung reißen. Als er zufällig erfährt, dass die Konzernspitze der BAGAÖS zwar massenweise Leute entlassen hat, gleichzeitig aber Rekordgewinne und riesige Boni feiert, rastet Wallner aus und greift zur Waffe, vor den Augen eines Kamerateams vom Stadtfernsehen. Chefinspektor Neuhorn ist ja einiges gewohnt, aber dass ihm himmlische Heerscharen den Weg zum Tatort weisen wollen, ist ihm neu. Unversehens steht er im Zentrum eines dramatischen Ringens um das Leben von 10 Menschen – während sich höhere Mächte am Pokertisch vergnügen ... ................................................................................................................................................................................ Eva Reichl, geboren 1970 in Kirchdorf an der Krems, lebt mit ihrem Mann Franz und ihren beiden Töchtern Lisa und Sarah am Rande von Ried in der Riedmark, einem kleinen Ort in Oberösterreich. Neben einer durchgängig kaufmännischen Ausbildung und Tätigkeit als Controllerin in einem mittelständischen Unternehmen wurde die Liebe zum Erzählen von Geschichten so manifest, dass diese sie bis heute in ihrem Bann hält. Im Jahr 2007 erschien ihr erster Krimi „Hitlers Sohn“ und 2009 folgte der Krimi „Rattenmörder“ im Verlag federfrei. Im Mai 2012 erschien der erste Teil einer himmlischen Krimitrilogie unter dem Titel „Kasparows Züge“ im Sutton Verlag. http://members.aon.at/eva.reichl ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Eva Reichl

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden? Der Spannung wegen. Dieser Nervenkitzel, ob man sofort durchschaut wird oder die Tarnung bis zum Schluss aufrecht erhalten kann, lässt einem solange am Geschehen feilen, bis man damit zufrieden ist. Und Zufriedenheit ist ein sehr angenehmes Gefühl. Was ist Ihre Lieblingstatwaffe? Gift, eindeutig Gift. Blüht mancherorts wunderschön und ist doch so tödlich. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich war's nicht!! Es ist doch immer der Nachbar ... oder der Gärtner. Aber ich war's bestimmt nicht! Hab ja nicht mal eine Ahnung, wo man das Gift herbekommt, außer aus dem Speichel der Schwiegermutter ... ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

1. Kapitel Gott war damit beschäftigt, seine Gedanken im Zaum zu halten. Er saß auf Zeus’ wahrlich göttlichem Thron und las ein Buch, das seine Aufmerksamkeit aber nicht allzu lange zu beanspruchen vermochte. Immer wieder driftete sie ab, bekam Flügel, Engelsflügel, wie Gott zu sagen pflegte. Deshalb las er dieselbe Seite ständig aufs Neue und behielt trotzdem nur die Hälfte des Inhaltes im Gedächtnis. Als er dessen gewahr wurde, stieß der Erzengel Gabriel die Tür zu seinen Gemächern auf und schwirrte herein. »Herr …«, sprach Gabriel mit einem leichten Zittern in der Stimme. »Der Teufel ist hier!« »Und, was will er?«, fragte Gott und blickte erleichtert auf, weil ihm die neuerliche Lektüre besagter Seite auf diese Weise erspart blieb, auch wenn der Preis dafür die Gegenwart des Teufels war. Nun ja, nicht einmal Gott konnte sich selbst jeden Wunsch erfüllen; auch er war zu einem nicht unwesentlichen Teil fremdbestimmt. Nur wusste das keiner. »Das hat er mir nicht gesagt … und ich habe nicht gefragt. Mein Gott, schließlich ist er der Teufel!« Gabriel brachte allein die Vorstellung, den Teufel nach seinem Anliegen zu befragen, zum Schwitzen. »Na und? Auch den Teufel kann man nach seinem Begehr fragen.« Der Herr klappte sein Buch nun doch ein wenig pikiert zu und legte es auf die Kommode aus König Artus’ Schloss, ein Meisterwerk antiker Einlegearbeit aus Elfenbein und edlem Hartgehölz. König Artus musste dieses kunstvolle häusliche Gebrauchsgut von einer seiner unzähligen Reisen ins Morgenland mitgebracht haben. »Führ ihn herein!«, befahl Gott seinem Erzengel. »Ja, Herr!«, erwiderte dieser gehorsam und entschwand. Auf dem Rückweg eilte er dem Hüter der Hölle voran und hielt ihm die Pforte zu Gottes Gemächern auf. Der Teufel überschritt die Schwelle, ohne sich bei Gabriel zu bedanken, humpelte auf den Allmächtigen zu und setzte das widerwärtigste Grinsen auf, das er zustande brachte. Dem Erzengel wurde ganz kalt ums Herz.

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