In der Idylle von Haus Waldesruh soll sich Maja von den Folgen eines Unfalls erholen. Doch schon bald häufen sich mysteriöse Sterbefälle, Wertsachen verschwinden spurlos und das Personal geht auch nicht gerade zimperlich mit den Bewohnern um. Maja befürchtet Schlimmes: Werden hier alte Leute systematisch zu Tode gepflegt? ................................................................................................................................................................................ Lisa Lercher , geb. in der Steiermark, hat in Graz Erziehungswissenschaften studiert, lebt seit 1989 in Wien und ist in der Bundesverwaltung tätig. Nach der Veröffentlichung einiger Fachbücher zu ihrem Arbeitsschwerpunkt „Gewalt gegen Frauen und Kinder“, schreibt sie seit 2001 Kriminalromane und Kurzgeschichten. Bislang erschienen sind im Wiener Milena-Verlag die Kriminalromane: „Der letzte Akt“ (2001), „Der Tote im Stall“ (2002), „Ausgedient“ (2004), „Die Mutprobe“ (2006), die Kurzkrimi-Anthologie „Besser tot als nie“ (2008) und "Zornige Väter" (2010). Der Roman "Die Mutprobe" wurde 2009 in einer Gemeinschaftsproduktion des ORF und MDR mit Fernsehstars wie Heio von Stetten, Elisabeth Lanz, Peter Weck, Simon Schwarz, Cornelius Obonya und Max Schmiedl verfilmt. 2013 ist ihr jüngster Krimi "Mord im besten Alter" im Haymonverlag erschienen. Mehr zur Autorin auf www.krimiautoren.at. ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Lisa Lercher

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? früh genug Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? schön langsam verliere ich selber die Übersicht Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? die anderen wollen, dass ich es immer wieder tue! ................................................................................................................................................................................

Leserstimmen:

"sehr spannend, sehr authentisch, mit Humor und auch sehr ergreifend; ein Krimi in dem alte Menschen nicht am Rande erwähnt werden, sondern im Mittelpunkt stehen. - macht nachdenklich …" Sabine Poglitsch, Buchhandlung ORLANDO, Wien ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Prolog Bleierne Schwere zieht sie hinab in das Dunkel erlösenden Schlafs. Etwas in ihr wehrt sich, kämpft dagegen an. Warum lässt man sie nicht endlich in Ruhe? Ganz am Rand ihres Bewusstseins spürt sie die Berührung. Ein Lufthauch, der kühl über ihre Beine, die Scham, dann den Bauch streicht. Sie sehnt sich nach Wärme und Schutz. Ist gefangen im Taumel der Medikamente, zu betäubt, um ihren Willen kundzutun. Schemen schleichen um ihr Bett, wispern beschwörende Formeln. Sie stöhnt in ihrer Not. Lichtblitze zucken über ihr Gesicht. Eine warme Hand legt sich auf ihren Bauch. Sie will sie wegschieben, hat genug, will nicht … ja was? Jemand streichelt beruhigend über ihr Gesicht. Ihr Arm flattert hilflos wie ein aus dem Nest gefallener Vogel. Das traumlose Dunkel lässt nicht von ihr ab. Umfängt sie endlich – weich, tröstend und still. Das Ächzen kam aus Zimmer drei. Moser blieb unschlüssig stehen. Eigentlich hatte er es eilig. Er war spät dran, Ferdl wartete seit dem Mittagessen auf ihn. Zum Ächzen gesellte sich ein Winseln, wie von einem geprügelten Hund. Moser drückte die Tür auf und betrat das Zimmer. Das rechte Bett war belegt. Auf dem mittleren stapelten sich Decken und ganz links, neben dem Fenster, versuchte eine Greisin verzweifelt aus dem Bett zu kommen. Ihr Gesicht war vor Anstrengung hochrot. Ein Bein hatte sie bereits auf das grüne Linoleum gestellt, nun mühte sie sich, auch das zweite Bein auf den Boden zu bekommen. Ihr Oberkörper schwankte, sie drohte, jeden Augenblick vornüberzukippen. Moser machte einen Satz auf die Frau zu und drückte sie an den Schultern zurück in Richtung Polster. Die Greisin plumpste wie ein Sack Mehl auf das Leintuch. Ihrem Unmut machte sie mit langgezogenen, hohen Lauten Luft, die Moser durch Mark und Bein gingen. Nervös schaute er sich um. Die Beine der alten Frau hingen noch über die Bettkante. Ihr Nachthemd war bis zur Unterhose hochgerutscht. Durch die schlaffe Haut der Oberschenkel zogen sich blaue Äderchen. Moser bückte sich und fasste nach dem Saum des Hemds. „Passiert ja nichts“, murmelte er. „Was ist da los?“ Der herrische Tonfall ließ Moser herumfahren. „Was haben Sie da bei der Haberlander zu suchen?“ Der Blick der Schwester streifte Mosers Hand, die immer noch auf dem Schenkel der Frau lag. Er zog sie weg und setzte zu einer Erklärung an. „Man wird doch ...“ „Saubartl, verschwind, aber dalli“, unterbrach ihn Schwester Erika mit dem barschen Tonfall eines Feldwebels. Sie war dafür bekannt, in gewissen Situationen keinen Widerspruch zu dulden. Besonders dann, wenn sie unter Zeitdruck stand. Moser hatte im Grund nichts gegen die aparte Krankenschwester, die, wenn sie nicht gerade ihre Schwesterntracht trug, immer modisch gekleidet war. Ihr Tonfall gefiel ihm jedoch gar nicht. Er sah, wie sie sich der Greisin zuwandte. „Und wir hören zu schreien auf“, sagte Schwester Erika zu ihr. Die alte Frau ließ sich nicht so einfach beruhigen. „Aus jetzt!“ Schwester Erika packte die Beine der Frau und hob sie geschickt ins Bett. Dann deckte sie die Alte zu. Die Protestlaute wurden schwächer, waren schließlich nur noch ein leises Wimmern.

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