Revolution in Bayern

Im November 1918 taucht in München ein geheimnisvoller junger Mann auf, der sich mit einigen gerade aus dem Krieg heimgekehrten Soldaten der Roten Garde anschließt. Zusammen mit ihnen erlebt er den Kampf um Giesing, mit ihnen flieht er vor der Verfolgung durch die siegreichen Regierungstruppen auf einen Einödhof in den Schlierseer Bergen. Dort verliebt er sich in eine Bauerntochter und will mit ihr eine Zukunft aufbauen. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein: Mehrfach versucht man ihn zu töten. Drahtzieher dieser Anschläge ist der Mann, den Josef Kübler für den Mörder seiner Familie hält und an dem er sich zu rächen gedenkt. Ob er dieser Rache sein Lebensglück opfern will, vor diese Entscheidung wird Josef nun vom Schicksal gestellt. Die dramatische Geschichte spielt vor dem Hintergrund der Wirren in der unmittelbaren Zeit nach dem Ersten Weltkrieg; einer Zeit der Straßenkämpfe, des Hungers und des Erstarkens reaktionärer Kräfte. Den harten Lebensbedingungen von damals angemessen ist die knappe und schnörkellose Sprache des Autors. Ohne Sentimentalität bringt er dem Leser einen bedeutsamen Ausschnitt der bayerischen Historie nahe. ................................................................................................................................................................................ Leonhard Michael Seidl, geb. in München; verh., eine Tochter, ein Sohn, drei Enkelkinder; pensionierter EDV-Beamter; Theater- und Buch-Autor; ehem. Gitarrenlehrer + ehem. VHS-Dozent für bairische Sprache. Mitglied bei GEMA, Verdi (VS) und VGWort. Träger des Walter-Serner-Preises des SFB Berlin. Stipendium am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. http://www.dreamcompany.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Leonhard Michael Seidl

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Meine kriminelle Laufbahn begann mit der Abfassung des Theaterstückes "Schorsch" im Jahre des Herrn 1987. Es ist ein grauslicher Monolog über das Abfackeln eines unerwünschten Asylbewerberheimes in einem kleinen Ort im dunkelschwarzen Bayern. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Die Verbrechen, die auf mein Konto gehen, übersteigen jedes Maß. Am schlimmsten war es wohl in dem Thriller "Der Tod trägt Federn", worin die Münchner Fußgängerzone unter den Beschuss eines Irren geriet ... Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Zu meiner Verteidigung sage ich: Ich bin unschuldig und mein Gewissen ist rein - ich habs noch nie benützt. ;-) ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Gerade taucht Josef ein Stück Brot in den dünnen Kaffee, den die Kameraden Gelberübenbrühe schimpfen, da stürmt Robert herein. Der Epp* kommt! Feldwebel Lukas springt auf, schlüpft in die Joppe, prüft die Koppel und den Patronengurt. Die Pistole, eine Mauser C96, ist geladen. Alles geht fließend ineinander. Wo ist er? Auf der Wittelsbacherbrücke. Wie viel Mann? Hundert. Bewaffnung? Drei Straßenkampfwagen mit aufgesetztem Maschinengewehr. Totenkopf drauf? Jawohl, Herr Feldwebel. Das ist er, der Saukerl. Sprich weiter. Zweiundsiebzig berittene Soldaten mit Bajonetten auf dem Gewehr. Die Hälfte haben Stielhandgranaten M15. Eine Feldhaubitze 98/09. Die schießt bis zu uns herauf, sagt Otto entsetzt. Ein Lanz-Minenwerfer 9.15. Ist das alles? Jawohl, Herr Feldwebel. Eine Pause tritt ein. Der Tag, auf den die Männer gewartet haben, ist da. Ausgerechnet das gefürchtete Freikorps Epp rückt auf die rote Hochburg Giesing vor. Einen schlimmeren Feind kann man sich kaum vorstellen. Seis drum, sagt Feldwebel Lukas und greift nach seinem Gewehr. Kameraden, ihr wisst, was zu tun ist. Wir haben es lange geübt. Jeder geht an seinen Platz. Wir sind zwar nicht viele, aber unser Kampfesmut ist unerschütterlich. Aus rauen Kehlen ertönt nun die Reverenz an die Waffe der Rotgardisten: Beginnt euren Marsch Burschen von Bord - Schluss mit dem Zank und Gezauder! Still da ihr Redner - Du hast das Wort, rede, Genosse Mauser!

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