Es ist ein schmaler Grat zwischen Gut und Böse, zwischen Normalität und Wahnsinn …

In der Hamburger Universitätspsychiatrie wird eine Patientin erhängt aufgefunden. Die zuständige Therapeutin Tessa Ravens kann nicht glauben, dass es sich um Selbstmord handelt. Als eine weitere Patientin brutal ermordet wird, scheint sich ihre Befürchtung zu bestätigen. Und auch Hauptkommissar Torben Koster merkt schnell, dass er hier mit gewöhnlichen Ermittlungsmethoden nicht weit kommt. An Verdächtigen mangelt es nicht, doch welchen Aussagen kann man wirklich trauen und was davon ist paranoide Wahnvorstellung? Er ist auf Tessas Unterstützung angewiesen, doch die Suche nach dem Mörder wird für beide zur Zerreißprobe … ................................................................................................................................................................................ Angélique Mundt, wurde 1966 geboren. Sie lebt in Hamburg. Nach ihrem Studium der Psychologie arbeitete sie lange in der Psychiatrie, bevor sie sich 2005 als Psychotherapeutin mit einer eigenen Praxis selbstständig machte. Sie arbeitet ehrenamtlich im Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes, das Menschen bei potentiell traumatisierenden Ereignissen "Erste Hilfe für die Seele" leistet. "Nacht ohne Angst" ist ihr erster Roman und Start einer Serie um die Psychotherapeutin Tessa Ravens und Hauptkommissar Torben Koster. http://www.angelique-mundt.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Angélique Mundt

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Meine kriminelle Laufbahn ist noch sehr jung. Ich hab‘ es als artiges Mädchen probiert. Aber das war schrecklich langweilig. So geriet ich 2007/2008 auf mörderische Gedanken. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Da ist die kleinen Straftaten gleich weggelassen habe, geht bislang nur eine größere Sünde auf mein Konto. Die zweite Schandtat ist bereits durch den polizeilichen Erkennungsdienst gelaufen und wurde dort nicht beanstandet. Umsetzung folgt im nächsten Jahr. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Verteidigung? Ich dachte die bösen Mädchen kommen überall hin? ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen:

Ihr Debüt hebt sich wohltuend vom Krimi-Einerlei ab: Lebensnahe Figuren agieren in einem Fall, der es bei aller Geradlinigkeit nie an Spannung vermissen lässt. Eine Entdeckung! 20. Juni 2013, Buchhandlung stories! Lieblingskrimi der Woche, Frank Menden Ein ruhiger Hamburg-Krimi, der mit authentisch geschilderten Figuren und einem geschickt konstruierten Plot überzeugt 27. Juni 2013, Dorit Wiebke (Media-Mania) AMAZON ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

ERSTER TAG Eine Nacht ohne Angst wäre schön, dachte Mathilde. Alles schien ruhig. Nur ein Neonlicht am Ende des Flurs flackerte. Sie schlürfte bereits ihren dritten Becher Kaffee, um gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Im Dienstzimmer der Station brannte eine von Weihnachten übrig gebliebene Lichterkette. Der Blick durch das große Fenster in die Finsternis war unverstellt. Regen prasselte gegen das Glas und lieferte leise Zwischentöne zu Debussys Klaviermusik von Klassik-Radio. Ihr Gespräch mit Kiana Chavari, dem schwer traumatisierten Mädchen aus Afghanistan, hatte sie bereits in der Patientenakte dokumentiert. Die Medikamente für den kommenden Morgen waren auf einem Tablett bereitgestellt. Jetzt eine Runde durch die Zimmer, und sie konnte sich ein Nickerchen gestatten. Es herrschte nächtliche, einsame Stille. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen mochte Mathilde die langen Nachtdienste. Meistens konnte sie in Ruhe mit dem einen oder anderen Patienten eine Tasse Tee trinken, zuhören, trösten, einfach Zeit haben. Da machte sie ihr eigenes Ding. Tagsüber standen alle unter Strom, hetzten von Termin zu Termin und machten sich gegenseitig das Leben schwer. Ihr 60. Geburtstag stand vor der Tür und sie hatte sich vorgenommen, sich höchstens noch von ihren Enkeln aus der Ruhe bringen zu lassen. Aus den Augenwinkeln nahm sie eine Bewegung auf dem Flur wahr. Sie erkannte Kurt Mager. Er huschte mit einem Arm voller Handtücher über den Gang. Er kam aus der Dusche. Komisch, sie hatte das Wasser gar nicht rauschen hören. Jede Nacht das gleiche Spiel. Mager wusch sich stundenlang. Tagsüber schrubbte er sich rund zweihundert Mal die Hände. Und nachts benutzte er das Bad auf dem Flur, um seinen Bettnachbarn nicht zu stören. Er hatte es geschafft, sich an ihr vorbeizuschleichen. Sie schaute auf die Uhr. Zeit für ihren Rundgang. Sie raffte sich auf und stellte ihren Becher in die Spüle. Mager tat ihr leid. Er versuchte, sich den Ekel von seinem Körper zu waschen. Er hatte die Kurve nicht gekriegt. Seit er mit seinen 52 Jahren gefeuert worden war, onanierte er in Sex-Kinos, hatte einen extremen Waschzwang entwickelt und musste sich seiner verkorksten Ehe stellen. Die arme Wurst, dachte sie und zog die Tür des Dienstzimmers hinter sich zu. Sie hielt sich rechts den Gang entlang, zuerst die hinteren Zimmer. Vorsichtig öffnete sie die Tür zu Zimmer 206 und hörte die beiden jungen Frauen, Kiana und ihre Bettnachbarin Katharina Waag, leise schnarchen. Ein Nachtlicht brannte. In den nächsten Zimmern war ebenfalls alles ruhig. In Zimmer 204 schlief Eva Kernt, die gerade einen amüsanten Liebeswahn auf den jungen Assistenzarzt der Station entwickelt hatte. Mathilde musste unwillkürlich grinsen. Doktor Meißner hingegen konnte über die glühenden Liebesbriefe nicht mehr lachen. Nun das Zimmer des charmanten David Brömme und Kurt Mager. Sollte sie reinschauen? Mager war sicher wach, und dann müsste sie ihn zurechtweisen. Und was sollte das bringen? Lieber gleich zum Zimmer von Isabell Drost und Gabriele Henke. Dank des neuen Studienmedikaments schliefen sie in letzter Zeit ruhig die Nächte durch. Sie öffnete die Tür und sah Gabriele Henke im schwachen Licht, das vom Flur her schien, mit angezogenen Beinen auf dem Boden kauernd. Barfuß. Die Fäuste an den Mund gepresst. »Was ist denn hier los?« Ein unverständliches Schluchzen kam von der Patientin. Mathilde hockte sich neben sie und berührte sie sanft an der Schulter. Gabriele Henke starrte auf den Boden. Ein zitterndes Häufchen Elend. »Sie … aufgewacht«, stammelte sie. So verstört hatte Mathilde die Frau noch nie erlebt. Sie trug nur ein dünnes Nachthemd, und das Fenster stand offen. Kein Wunder, dass sie zitterte. Ihre knallrot lackierten Fußnägel bildeten einen irritierenden Farbkontrast zum hellgrauen Linoleumboden. Mathilde richtete sich mühsam auf. Ihr lädiertes Knie knirschte. Die Patientin hob langsam eine Hand vom Mund und deutete mit einem Finger vage auf die Badezimmertür. »Was macht Ihnen Angst? Da ist nichts.« Zum Beweis machte Mathilde zwei Schritte auf die Badezimmertür zu und drückte den Lichtschalter. * * * Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>