Nominierte für den GLAUSER-Preis 2026 in der Kategorie "Debütroman"

Der Preis in der Kategorie "Debütroman" ist mit 2.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.
Der oder die PreisträgerIn 2026 wird am Samstag, den 9. Mai 2026, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verkündet und geehrt.
Nominierte für den GLAUSER-Preis 2026 in der Kategorie "Debütroman":
(in alphabetischer Reihenfolge)
Peter Friedrich: Kafkarabesken oder Die Ermittlungen (duotincta)
Susanne Kaiser: Riot Girl (Wunderlich)
Robert Lackner: Seidenstrasse (Kremayr &Scheriau)
Tim Sünderhauf: Die Wölfe unter uns (dtv)
Chris Warnat: 15 Sekunden (Penguin)


Peter Friedrich
Kafkarabesken oder Die Ermittlungen (duotincta)
Foto © Ulrich Simon
Ein gewisser Franz K. ist spurlos verschwunden. Die Akte wird einem namenlosen Ermittler zugewiesen, von dem die Behörde schnelle Ergebnisse erwartet. Schon bald sieht sich der Ermittler mit dem mysteriösesten Fall seines Lebens konfrontiert.
Immer mehr bizarre Geschichten kommen ans Tageslicht – jede für sich ohne rechten Sinn und doch scheinen sie auf seltsame Weise miteinander verwoben. Wo ist Franz K.? Was ist mit ihm passiert? Was ist Realität, was bloße Fantasie? Peter Friedrich gelingt ein raffiniertes Verwirrspiel im Geiste Franz Kafkas. Mit den Mitteln eines Spannungsromans erzählt er in einem kaleidoskopartigen Gefüge von menschlichen Abgründen – von Wütenden und Wehrlosen, und von einem Ermittler, der von Scham und Schuld geprägt ist.
Kafkarabesken ist ein irritierender und verstörender Roman, der sich bewusst gängigen Genreerwartungen entzieht – literarisch anspruchsvoll und sprachlich präzise.


Susanne Kaiser
Riot Girl (Wunderlich)
Foto © Sima Deghani
Eine Protestbewegung junger Frauen rückt mit radikalen Aktionen in den Fokus der Öffentlichkeit. Um die Gruppierung und ihre Ziele zu durchleuchten, wird LKA-Ermittlerin Obalski undercover in ein Münchner Jugendamt eingeschleust. Mit präziser Beobachtungsgabe und analytischer Schärfe nähert sie sich der Gruppe – doch die Zeit arbeitet gegen sie.
Eindrücklich zeigt Susanne Kaiser mit Riot Girl, wie verletzliche junge Menschen in extremistische Dynamiken geraten: nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern aus Ohnmacht und dem Wunsch, gehört zu werden und Zuspruch zu finden. Mit wenigen Sätzen zeichnet Kaiser Mitarbeitende des Jugendamts, Polizisten, überforderte Eltern und wütende Jugendliche. Beim Lesen entsteht ein Sog, man fragt sich atemlos, in welcher Katastrophe diese Geschichte enden wird, ein Roman, der wehtut.
Der Blick der Autorin bleibt Empathisch, ohne Gewalt zu relativieren. Riot Girl stellt nicht den Anspruch, Lösungen aufzuzeigen. Doch dieses Debüt wirft wichtige Fragen auf, denen wir uns als Gesellschaft stellen müssen.


Robert Lackner
Seidenstrasse (Kremayr &Scheriau)
Foto © privat
Ein Handelsabkommen mit China steht kurz vor dem Abschluss, doch wütende Proteste im Hamburger Hafen und eine brutal ermordete chinesische Unternehmensberaterin gefährden die Verhandlungen. Der Sicherheitschef des Hamburger Hafens, Max Oster, der kurz zuvor mit der Toten in der Oper war, steht schnell als Hauptverdächtiger fest. Gemeinsam mit der Investigativ-Journalistin Laura Schneider macht er sich auf die Suche nach den wahren Tätern und stößt dabei auf ein Dickicht aus Machtspielen, Intrigen und persönlichen Animositäten, in dem Werte wie Moral und Demokratie zu hohlen Phrasen verkommen. Politiker, Unternehmer, Geheimdienste, Presse und Polizei verfolgen ihre eigenen Interessen und sind nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel.
Robert Lackner erzählt vor dem Hintergrund der weltweiten chinesischen Wirtschaftsexpansion, die als „Neue Seidenstraße“ firmiert, und dem eskalierenden Konflikt im südchinesischen Meer diese komplexe Gemengelage gekonnt als rasanten, spannenden und aktuellen Politthriller.


Tim Sünderhauf
Die Wölfe unter uns (dtv)
Foto © SIMOarts
Der 30-jährige Krieg tobt in Europa. Johann und seine Familie fliehen mit dem Schutz des Markgrafen in einen abgelegenen protestantischen Ort im Fichtelgebirge. Sie werden als Reformierte kalt empfangen, außerdem wundert sich Johann, dass es in dem Ort keine Kinder gibt. Dies will der Markgraf erkunden und schickt den hünenhaften, wortkargen Wildhüter Hildner mit Musketieren ins Dorf. Die Erwachsenen machen schicksalsergeben den „Wilden Jäger“ für das Verschwinden verantwortlich. Anstatt die Kinder zu suchen, widmen sie sich dem blutig werdenden Krieg gegen die Häretiker, Johanns Familie. Der Bub forscht alleine, befreundet sich mit Hildner. Sie entdecken Unglaubliches. Tim Sünderhauf schafft es, die Zeit der Religionskriege geradezu zu malen. Man taucht tief in die Ängste, Hoffnungen, Glaubensvorstellungen, Sehnsüchte, kurzum in die Lebensumstände der Figuren ein. Der Spannungsbogen gleicht einer Spirale, die sich immer enger windet und mit jedem Kapitel atemloser die Seiten umblättern lässt.
15 Sekunden (Penguin)
Foto © Dominik Roessler
„15 Sekunden“ schafft etwas, das an die Werke von Jussi Adler-Olsen denken lässt, nämlich, beides gleichzeitig zu sein: ein Thriller, der von der ersten Seite an packt, und ein Ermittlungsroman mit glaubwürdiger Darstellung der Polizeiarbeit.
Geschickt baut die Autorin ihr Rätsel rund um einen Unfall im nächtlichen Wald und eine verborgene Waldhütte voller geronnenen Blutes. Wir verfolgen die Protagonistin tiefer und tiefer hinein in Schuldgefühle und eine persönliche Betroffenheit die weit zurückreicht in Kindheitserinnerungen. Hierbei beweist die Autorin ein für ein Debüt erstaunliches Gespür für die Konstruktion eines Thrillers, in dem – wie es sich für einen modernen Roman dieses Genres gehört – am Ende die Vergangenheit ihre Klauen nach der Protagonistin ausstreckt.
Nicht zuletzt erschafft die Autorin mit der Rechtsmedizinerin Farah Rosendahl und dem Kriminalhauptkommissar Wase Rahimi ein Figurenduo, deren Beziehung mit den üblichen Klischees bricht und allein dadurch überrascht.
Für den GLAUSER-Preis 2026 konnten bis zum 30. November 2025 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2024 und November 2025 lag (Originalausgaben).
Jury:
Sabina Naber, Jürgen Heimbach, Kathrin Lange, Caroline Seibt, Daniele Palu und Elke Pistor (Jury-Organisation)
(Die Aussschreibungen für das Jahr 2027 finden Sie hier)
Preisträgerin des GLAUSER 2025 in der Kategorie "Debütroman"

Der GLAUSER-Preis 2025 in der Kategorie "Debütroman" geht an Ana Wetherall-Grujić. Die Auszeichnung wurde am Samstag, den 12. April 2025, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Schwetzingen verliehen. Der Preis ist mit 2.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.
PREISTRÄGERIN DES GLAUSER 2025 in der Kategorie "Debütroman":
Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)


Ana Wetherall-Grujić
Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)
Foto © Minitta Kandlbauer
Was ist ein Krimi? Mit Blutsschwestern prämieren wir einen hochspannenden Roman, dessen Handlung sich durchgehend um Verbrechen unterschiedlicher Art dreht – einen Kriminalroman im besten Sinn. „Er hat seinen Bauch gehalten. Ich das Messer. Dann habe ich ihm die Kehle durchgeschnitten.“ (S. 92)
Ana Wetherall-Grujić, kurz vor Kriegsbeginn geboren in Jugoslawien und aufgewachsen in Tirol, nimmt uns mit in die Welt zweier seit langem entfremdeter Schwestern, die in existentieller Not wieder zusammenfinden. Nach der gewaltsamen Befreiung aus einer Missbrauchsbeziehung suchen sie Rettung ausgerechnet an dem Ort, an dem die familiären Verletzungen ihren Ausgang genommen haben – in der serbischen Heimat ihrer Eltern, wo die Versehrungen der Kriege, die zur Auflösung einer Nation geführt haben, immer noch nachwirken.
Im Zentrum der Handlung stehen zwei Schwesternpaare. Auf der einen Seite die stets wütende Unternehmensberaterin Sanja, die ihre Schwester Ljiljana vor einer Verurteilung wegen des Mordes an ihrem Partner bewahren will. Auf der anderen Seite die serbischen Mafia-Patinnen, die Jovanović und die Perić, die sich seit dem erzwungenen Suizid ihrer Schwester in einem erbitterten Nachbarschaftskonflikt aufreiben. Zwischen den Frauen entsteht eine äußerst unterhaltsame Dynamik, geprägt von ruppiger Warmherzigkeit und gegenseitigen Verpflichtungen, die nicht nur zu weiterem Blutvergießen führt, sondern Sanja und Ljiljana auch verblüffende Perspektiven eröffnet.
Ein großartiges Debüt einer jungen Autorin. Mit krassen Sprachbildern und zornigem Witz gelingt es ihr, brachiale Gewalt ebenso unentrinnbar zu schildern wie alltägliche Ausbeutung und weibliche Wut. Ein Rohdiamant? Ja! Aber einer, den die Autorin dir mit voller Wucht durch das geschlossene Fenster vor die Füße schmettert.
Außerdem nominiert waren:
Stefan Grebe: Die Übermacht ( Bastei Lübbe)
Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)
Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)
Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)
Jury:
Lucie Flebbe, H. Dieter Neumann, Gudrun Lerchbaum, Claudia Schmid, Rudi Müllenbach und Elke Pistor (Jury-Organisation)
Die PreisträgerInnen der Vorjahre finden Sie hier.
Nominierte für den GLAUSER-Preis 2025 in der Kategorie "Debütroman"

Der Preis in der Kategorie "Debütroman" ist mit 2.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.
Der oder die PreisträgerIn 2025 wird am Samstag, den 12. April 2025, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Schwetzingen verkündet und geehrt.
Nominierte für den GLAUSER-Preis 2025 in der Kategorie "Debütroman":
(in alphabetischer Reihenfolge)
Stefan Grebe: Die Übermacht ( Bastei Lübbe)
Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)
Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)
Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)
Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)


Stefan Grebe
Die Übermacht ( Bastei Lübbe)
Foto © Philipp von Ostau
Stefan Grebe legt mit seinem Debütroman einen hochaktuellen Polit-Thriller vor, der die Jury durch rasantes Tempo, atemberaubende Spannung und eine beängstigende Aktualität überzeugt hat.
„Die Übermacht“ erzählt die Geschichte der jungen chinesischen DJane Maria Lin, die nach dem aufsehenerregenden Tod ihrer Tante brisante Informationen über „das größte Geheimnis Chinas“ zugespielt bekommt.
Damit gerät Maria ins Visier der staatlichen Überwachung. Eindrucksvoll beleuchtet Stefan Grebe die Möglichkeiten der technischen und digitalen Kontrolle und schafft die beklemmende Atmosphäre eines Überwachungsstaates. Keiner von Marias Schritten bleibt unbemerkt.
Gleichzeitig kommt der ehemalige BND-Mitarbeiter Robert Förster dem Grund für den Tod von Marias Tante auf die Spur – doch lebend mit den Informationen zu entkommen, scheint für Maria unmöglich.
Eine rasante Verfolgungsjagd, die kaum Zeit zum Atemholen lässt.
Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)
Foto © Reinhard Simon
Auf seiner Dienststelle im dänischen Aarhus ist Kommissar John Kaunak in Ungnade gefallen. Daher wird er nach Grönland geschickt, um dort – getarnt als Sicherheitschef eines Unternehmens, das seltene Erden abbaut – zwei Morde aufzuklären. Kaum angekommen, findet er sich mitten im gnadenlosen Kampf zwischen den internationalen Playern im Geschäft mit dem wertvollen Material wieder. Nur mit Hilfe einer Inuk und ihrer Familie gelingt es ihm, zu überleben und seinen Auftrag zu erfüllen.
Mit fundiertem Wissen um die Geschichte Grönlands und die komplexe Rolle, die Dänemark darin spielt, voller Empathie für Grönlands Ureinwohner, und vor dem Hintergrund des längst entbrannten Kampfes der Weltmächte um die Bodenschätze der größten Insel der Welt ist Roland Muller ein großartiges Buch gelungen. Fesselnd in Sprache und Stil, ist „Eisrausch“ ein harter, aber niemals effekthascherischer Thriller, eine bemerkenswerte Entdeckung unter den diesjährigen Debüts der Spannungsliteratur.
Im Schatten der Insel (Piper)
Foto © Torge Niemann
Turid Müllers Roman „Im Schatten der Insel“ ist eine spannende Geschichte, die vor allem von verschiedenen Erzählperspektiven lebt und den Leser in eine Zeit eintauchen lässt, die Entsetzen auslöst. So werden im Laufe der Geschichte nach und nach die Zusammenhänge sichtbar, die zu einem überraschenden, aber durchaus fulminanten Ende führen. Eigentlich geht es der Protagonistin Lale darum, mit einer gemeinsamen Reise nach Amrum die Beziehung zu ihrer, an Demenz erkrankten, Mutter wieder positiver zu gestalten. Doch bevor es dazu kommt, verstricken sich die Frauen in einen Mordfall, der mit der Vergangenheit der Mutter, zu tun hat. Voller emotionaler Erinnerungen geraten Mutter und Tochter in den Strudel eines Verbrechens, dessen Spuren in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte führen. Turid Müller gelingt es in ihrem Roman, unterschiedliche Handlungsstränge bis zum Ende der Geschichte hervorragend zu verweben und lässt dabei den Leser in eine Zeit eintauchen, die Entsetzen auslöst.


Susanne Tägder
Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)
Foto © Maximilian Gödecke Photography
Kommissar Groth kehrt nach der Wende an den Ort seiner Kindheit zurück. Bei den Ermittlungen um einen Toten im See stößt er auf eine Mauer des Schweigens.
Susanne Tägder überzeugt in ihrem Debütroman „Das Schweigen des Wassers“ durch brillantes sprachliches Geschick und einen ausgefeilten Erzählstil. Es gelingt ihr meisterhaft die wahre Bedeutung der Geschichte zwischen den Zeilen entstehen zu lassen.
Die Autorin schafft authentische Charaktere mit durch die Teilung Deutschlands gebrochenen Biografien. Einfühlsam und spannungsgeladen schildert sie das allgegenwärtige Misstrauen in einer ostdeutschen Kleinstadt nach der Wende.
Tägders Figuren sind darauf bedacht, Distanz zu wahren – sowohl den Lesenden gegenüber als auch Kriminalkommissar Groth, der nach der Wende an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt. Diese Distanz macht Tägder mit subtilen Mitteln spürbar – und schafft gleichzeitig die behutsame Annährung.
Ein spannungsgeladener Roman, der auch nach dem Zuklappen des Buches noch lange nachhallt.


Ana Wetherall-Grujić
Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)
Foto © Minitta Kandlbauer
Dieser Kriminalroman erzählt uns von Tinderdates und Kriegswirren, von serbischen Flüchen und rivalisierender Schwesternschaft, von weiblichen Mafiabossen und Resilienz und über die innige Verflechtung von Liebe und Hass. Und all das auf nur 190 Seiten.
Ohne sprachliche Redundanzen schickt uns Ana Wetherall-Grujić mit den Schwestern Sanja und Ljiljana auf eine Flucht, die uns mit den Nachwirkungen der Jugoslawienkriege vertraut macht, mit den Wunden, die der Zerfall einer Nation in Familien und Nachbarschaften schlägt. Doch mitten zwischen ungeschönter Brutalität und organisiertem Verbrechen bleibt nicht nur der Mut und der Lebenswillen der Frauen stets spürbar, sondern sie erfahren auch Hilfe und Solidarität von unwahrscheinlicher Seite.
Trotz aller Ernsthaftigkeit des Settings zugleich eine skurrile Gaunerkomödie, deren Tempo und trockener Witz uns kaum eine Atempause gegönnt hat.
Für den GLAUSER-Preis 2025 konnten bis zum 30. November 2024 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2023 und November 2024 lag (Originalausgaben).
Jury:
Lucie Flebbe, H. Dieter Neumann, Gudrun Lerchbaum, Claudia Schmid, Rudi Müllenbach und Elke Pistor (Jury-Organisation)
(Die Aussschreibungen für das Jahr 2026 finden Sie hier)
Die PreisträgerInnen der Vorjahre finden Sie hier.
Preisträgerin des GLAUSER 2024 in der Kategorie "Debütroman"

Der GLAUSER-Preis 2024 in der Kategorie "Debütroman" geht an Caroline Seibt. Die Auszeichnung wurde am Samstag, den 18. Mai 2024, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Hannover verliehen. Der Preis ist mit 2.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.
PREISTRÄGERIN DES GLAUSER 2024 in der Kategorie "Debütroman":
Caroline Seibt: Gestohlenes Kind (dp Digital Publishers)


Caroline Seibt
Gestohlenes Kind (dp Digital Publishers)
Foto © dp Digital Publishers
Caroline Seibt legt mit „Gestohlenes Kind“ einen Debütroman vor, der die Jury durch seine Spannung, Struktur und Sprache überzeugt hat. Thematisch geht es um Vergeltung, aber auch um Familie. „Gestohlenes Kind“ erzählt eine Geschichte, die zwischen den Jahren 1985 und 2008 spielt – dem Leser wird schnell klar, dass die Lösung des Falls in der Vergangenheit liegen muss. Schon am Ende des ersten, sehr kurzen Kapitels liegt Jakob Heins alkoholkranke Mutter halbtot geschlagen in ihrer Wohnung, der Zehnjährige selbst ist in den Fängen dubioser Männer.
23 Jahre später verbrennt sich am Berliner Hauptbahnhof ein Mann, und Kommissar Theo Weiland übernimmt die Ermittlungen – auch weil der Tote eine alte Visitenkarte Weilands bei sich trägt. Caroline Seibts kurze, prägnante Sätze erzeugen Tempo und Spannung. Jakob landet im Heim, eine Aufbewahrungsanstalt, in der Kinder gequält und misshandelt werden. Ohne Chance, dieser Hölle zu entgehen. Geschickt verbindet die Autorin aktuelle Ermittlungen mit Rückblenden.
Der Stoff, den Caroline Seibt sich für ihren Debütroman ausgesucht hat, ist aktuell und berührend, weil es um Kinder geht, denen Unrecht geschieht und die ein Leben an einem Ort führen müssen, an dem sie niemand schützt. Die andere Erzählebene zeigt auf beeindruckende Weise, was es mit Menschen macht, die psychische und physische Gewalt erfahren.
Viele Einreichungen in diesem Jahr waren wie der Anzug von der Stange: solide genäht, passgenau gefertigt. Caroline Seibts Krimi ist eher wie das handgemachte Kleidungsstück, manche Naht nicht ganz exakt, aber ein Unikat. Auch deswegen erhält sie den Glauser-Preis für den Debütroman. Wir erkennen ihr großes Potential und wünschen nicht nur ihr, sondern allen Debütanten mehr Aufmerksamkeit und sorgsame Begleitung durch Lektorat und Verlag.
Außerdem nominiert waren:
Andrea Bonetto: Abschied auf Italienisch (Droemer)
Oliver Juli: Das Gebot des Bösen (Emons)
Jury:
Ivonne Keller, Stefan Keller, Erwin Kohl, Eberhard Michaely, Kirsten Püttjer und Elke Pistor (Jury-Organisation)
Die PreisträgerInnen der Vorjahre finden Sie hier.





