Nebel über dem Wendland
Kriminalroman
Klaas Kroon
Gmeiner-Verlag
Taschenbuch

© Bernd Obermann
Klaas Kroon
Geboren 1960 in Düsseldorf, aufgewachsen im Rheinland. Nach Studium Germanistik/Anglistik Journalist. Als leitender Redakteur bei Magazinen in Düsseldorf und Hamburg. Seit 2002 in der Unternehmenskommunikation tätig. Erste Sachbücher (Skilanglauf, Triathlon, Radsport) bei Delius Klasing. Seit 2017 Krimis unter dem Pseudonym Klaas Kroon. Nach vier Romanen im Selfpublishing erschien 2020 der erste Lüneburg-Krimi im Emons-Verlag: Heidehexen. Im Herbst 2021 folgte ein Wendland-Krimi bei Gmeiner. Klaas Koon lebt in Hamburg und arbeitet als Geschäftsführer einer Kommunikationsagentur in Kassel. Er ist seit 2020 Mitglied beim Syndikat und wird durch die Literaturagentur Keil & Keil vertreten.
Unter dem Klarnamen Christoph Elbern erscheint im Februar 2022 im Aufbau-Verlag "Hafenmörder".
Leseprobe
PROLOG
Maria ist jetzt schon ein ganzes Stück weg vom Camper. Sie geht zügig auf die Stelle zu, die sie sich für diese Nacht berechnet hat. »Bring den großen Spaten mit«, hat sie beim Weggehen noch gerufen. Wenn das Gerät anschlägt, will sie sofort nachsehen können, was da ist. Sie hat nur den kleinen Klappspaten bei sich. Sie meinte, von Gregor ein »Okay« gehört zu haben. Vielleicht war das aber nur eines der zahlreichen Geräusche des Waldes. Sicher schläft Gregor schon wieder.
Es macht Maria nichts aus, hier alleine auf der Suche zu sein. Ganz im Gegenteil. So kann sie sich besser fokussieren. Sie kann spüren, was da vor ihr im Boden ist. Wie dieses Gerät – vielleicht sogar noch besser. Es gibt so viel Energie hier. Diese Energie geht von den Dingen aus, die sie sucht, da ist Maria ganz sicher. Noch 50 Meter, dort, wo der Boden sich etwas anhebt und der Wald nicht mehr so dicht ist, wird sie anfangen.
Es ist kalt, acht Grad vielleicht, und etwas Nieselregen findet aus dem leichten Nebel seinen Weg durch die ersten Blätter der Bäume. Aber Maria friert nicht. Langsam führt sie das Gerät über den Boden. Sie arbeitet mit diesem Modell zum ersten Mal, aber sie hat sich das Manual genau durchgelesen. Maria weiß, wie das Ding funktioniert. Jetzt sind Konzentration und Geduld gefragt –vor allem Geduld.
Sie weiß nicht, wie lange sie den Sucher über den Boden geführt hat, als plötzlich etwas im Display blinkt. Sie hat die Anzeige auf die dunkelste Stufe gestellt, bemerkt aber das schwache Signal. Das Objekt liegt also ziemlich tief. Und an der Target-ID erkennt sie, dass es sich um Eisen handelt, wenn sie sich das richtig gemerkt hat. Das ist unglaublich aufregend. Es ist ihre dritte Nacht hier, aber die erste, in der sich etwas tut. Nun muss sie konzentriert bleiben. Sie ist nah dran.
Knack. Was war das? Hinter ihr ein Geräusch. Noch ein Geräusch. Ganz nah. Schleicht sich Gregor an? Er weiß doch, dass sie solche Scherze hasst. Noch ein Knacken – direkt über ihr.
Plötzlich spürt sie einen starken Schmerz im Nacken. Ein Ast? Hat der stärker werdende Wind einen Ast von einem Baum geweht?
Es tut verdammt weh. Sie fasst mit der Hand an die Stelle. Es fühlt sich warm und feucht an. Der Regen? Sie betrachtet ihre Fingerspitzen. Blut. Verdammt, sie blutet. Und ihr ist irgendwie schwindelig.
Und wo ist das Gerät? Es muss ihr aus der Hand gefallen sein. Sie schaut auf den Boden. Nichts. Es müsste doch noch piepen und blinken. Sie muss zurück zum Camper. In welche Richtung steht der noch? Sie stolpert durch die Dunkelheit, erkennt die Umgebung nur unscharf. Die Stirnlampe hat sie nicht mitgenommen, weil das Ding einen grellen Strahl durch die Dunkelheit schießt, wie ein Leuchtturm. Wenn sie jemand hier entdeckt, ist sie geliefert. Scheint der Mond? Nein, durch die Wolken hat er keine Chance. Es muss doch Licht am Camper sein? Das Notlicht. Regnet es noch?
»Pomoc!«, ruft sie. Viel zu leise. Das versteht hier auch niemand. »Help. Hilfe.« Dann ruft sie: »Gregor!« Aber Gregor hat sich nicht angeschlichen. Er schläft. Gregor schläft fast immer.
Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Klaas Kroon
Warum ausgerechnet das Wendland?
Fernab jeder Großstadt ist das Wendland alles andere als provinziell. In seiner bewegten Geschichte (von Steinzeitkultur über Karl den Großen bis Anti-AKW-Bewegung und Grenzöffnung) hat es sich zu einem Schmelztiegel unterschiedlichster Temperamente und Lifestyles entwickelt. Das bietet Stoff für vielfältige Geschichten.
Warum Krimis und Thriller?
Wenn Menschen kriminell werden, treten alle Unzulänglichkeiten und Konflikte am deutlichsten zutage.
Deine Inspiration?
Im Wendland bin ich gerne mit Motorrad und Fahrrad unterwegs. Ansonsten schaue ich Serien, jobbe gelegentlich als Stadtführer auf der Reeperbahn und gehe auch anstrengenden Menschen nicht aus dem Weg. Die sind besonders inspirierend.
Warum bist du im SYNDIKAT?
Kontakte, Erfahrungen austauschen, CRIMINALE.
Dein Sehnsuchtsort?
Fast alles mit Meerblick.
Deine persönlich meist gehasste Frage?
Kannst du vom Schreiben leben? Meine Standardantwort: Ich kann nicht ohne Schreiben leben.
