Juwelenraub im Schneepalast
Gabriela Kasperski

Dörlemann

Taschenbuch

ISBN 978-3-0382-0181-6
1. Auflage, November 2025

19,90 € [D], SFr. 22,90 [CH], 20,50 € [A]









Rentnerin Libby Andersch wird mit dem Krimiklub – einem Verein für True-Crime-Fans – nach Gstaad in das glamouröse Hotel Palace eingeladen. Dort finden die «Britischen Wochen» statt, eine Schmuckkollektion des britischen Königshauses soll im Hotel ausgestellt werden. Hinter verschlossenen Türen ist gleichzeitig ein geheimes Diplomatentreffen mit dem britischen Premierminister geplant. Und der Krimiklub darf einen ungelösten Fall aus den achtziger Jahren aufklären, den Raubmord an Schmuckliebhaberin und Künstlerwitwe Nina Kandinsky.


Doch aus dem unterhaltsamen Detektivspiel wird schnell bitterer Ernst, als Libby Andersch Zeugin eines geheimen Gesprächs wird. Jemand hat die Absicht, das berühmte Victoria-Collier zu stehlen. Noch wäre das Unglück zu verhindern, wenn die lokale Polizei die Rentnerin nicht bloß müde belächeln würde. Doch die scharfsinnige Libby Andersch lässt sich nicht entmutigen und heftet sich im Alleingang an die Fersen des unbekannten Diebes.


Gabriela Kasperski

Gabriela Kasperski

 Gabriela Kasperski absolvierte ein Studium der Anglistik, war als Radio- und TV-Moderatorin und Schauspielerin tätig. Heute schreibt sie Krimis, Kinderromane und Drehbücher, Adaptionen für Film und Fernsehen,und arbeitet als Sprecherin, Regisseurin und Expertin. Sie lebt mir ihrer Familie in Zürich.
 

Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Gabriela Kasperski

Wo schreibst du am liebsten?

Chuchitisch

Welcher ist dein Lieblingskrimi?

The woman in black (zurzeit, kann ändern)

Dein Lieblingskollege/Lieblingskollegin?

Petra Ivanov          

Warum bist du im SYNDIKAT?

Solidarität, Information, Spass

Dein Lieblingswort?

Genau

Dein Sehnsuchtsort?

London und Crozon (sind Schauplätze, what else?)        

Dein Lieblingsgetränk?

English Breakfast Tea

Dein Lieblingsmord?

Kein Mord

Wo findest du Ruhe?

Am Meer          

Wo Aufregung?

Im Laptop

Deine persönlich meist gehasste Frage?

Woher kommst du? (Frage an meine Schwarze Adoptivtochter)

Leseprobe

Ist Nina tot?«, fragte Noah, nachdem das Schlusssignet verstummt war, und verschluckte sich fast am letzten Bissen seines Käsebrots.

»Das wussten wir ja von Anfang an«, erklärte Libby, während ihre Stricknadeln unermüdlich klapperten. »Es handelt sich um ein echtes Verbrechen, das nie aufgeklärt wurde. Schon vergessen?«

Mit Mitte siebzig war Libby die älteste Teilnehmerin des Krimiklub-Wettbewerbs, ihr Nachbarsbub Noah mit seinen zwölf Jahren der Jüngste. Und der Ungedul­digste.

»Und ihr ganzer Bling ist von diesem Gauner geklaut worden?«, fragte er. »Aller Schmuck weg, nicht nur der Ring?« Er blickte zur Moderatorin Esme Matic, die bei ihnen im Wagen saß und auch als Reiseleitung fungierte.

»Esme, kannst du den Schluss noch mal erklären?«

Esme war dabei, den Lautsprecher in ihren Ruck­sack zu packen. Sie war eine quirlige St. Gallerin mit wippenden Locken, schweren Lederstiefeln, einem rosa-schwarz karierten Kostüm und mit ihren kaum dreißig Jahren eine Vertreterin dieser jungen Frauengeneration, die früh gewusst hatte, was sie wollte, und ihre Ziele umgesetzt hatte. Dass sie beim nationalen Sender das be­liebte Krimiklub-Format verantwortete, war der beste Beweis dafür.

»Also«, antwortete sie nun, »im Hörspiel, das heute Abend im Radio ausgestrahlt wird, wurde der letzte Tag im Leben von Nina Kandinsky beschrieben. So wie er gewesen sein könnte, bevor sie von einem unbekannten Einbrecher ausgeraubt und ermordet wurde.«

Damit gab sich Noah nicht zufrieden. »Irgendwas ist komisch. Wer ist schon so blöd, den Gärtnerlehrling, den sie nicht kennt, in ihr eigenes Haus zu lassen und sich mit ihm einzuschließen?«

Libby schmunzelte, genau das war ihr auch aufgefallen.

»Ihr sollt die Ungereimtheiten nicht kommentieren, sondern interpretieren.«

»Eine Challenge, Noah«, ergänzte Libby.

Eine Challenge brachte Noah zu Höchstleistungen, das hatte sie schon mehrmals erlebt. Schon kam er mit einer neuen Frage um die Ecke: »Und warum wollte dieser Luigi wissen, wo Nina das Armband ge­kauft hat? Er war doch nur der Chauffeur vom Hotel Palace?«

Esme wippte auf den Stiefelspitzen. »Luigi ist keine reale Person … «

»Was macht er dann im Hörspiel?«

» … es könnte ihn gegeben haben. Wie gesagt, ihr sollt Schlüsse ziehen, das gibt Punkte, und wer die meisten Punkte hat, gewinnt.«

»Aber wie soll ich das machen, wenn ich nicht mal weiß, wie genau Nina gestorben ist.«

Esme musterte Noah von Kopf bis Fuß. »Nina wurde mit ihrer eigenen Perlenkette gewürgt, bis sie tot war.«