Stille Wasser
Angelique Mundt

Stille Wasser

Kriminalroman
Oktober 2017
sofort lieferbar
ISBN 9783442715787
10,– € [D], 10,30 € [A] , SFr. 14,50 [CH]
Sonderpreis 0,– €
     
Eine schöne Unbekannte wird tot auf einem Schiff gefunden, ein junger Mann kämpft verzweifelt um die Liebe seines Lebens, und im Hamburger Hafen droht eine Bombe zu explodieren: Psychotherapeutin Tessa Ravens ist in einen neuen Fall involviert, der in die dunkelsten Tiefen der menschlichen Seele führt, sie immer weiter hinab zieht in einen Strudel aus Zweifel, Angst und Wahnsinn. Als es auch für Tessa um Leben und Tod geht, muss sie sich die Frage stellen: Wie weit geht ein Mensch, um seine Liebe zu retten?



Angelique Mundt

Angelique Mundt

Angélique Mundt wurde 1966 geboren. Nach ihrem Studium der Psychologie arbeitete sie lange in der Psychiatrie, bevor sie sich 2005 als Psychotherapeutin mit einer eigenen Praxis selbstständig machte. Sie arbeitet ehrenamtlich im Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes, das Menschen bei potentiell traumatisierenden Ereignissen "Erste Hilfe für die Seele" leistet.
"Nicht ohne Angst" und "Denn es wird kein Morgen geben" sind ihre ersten Romane und Start einer Serie um die Psychotherapeutin Tessa Ravens und Hauptkommissar Torben Koster.

Angélique Mundt lebt mit ihrem Ehemann, dem Wasserschutzpolizisten Andreas Kästner, in Hamburg.

Empfehlung der Woche

Stille Wasser ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 17. Dezember 2017.

Kritikerstimmen

Stille Wasser ist ein hervorragend geplotteter Krimi mit einer sehr sympathischen Protagonistin. Eine Empfehlung für alle Krimifans.
AmyJBrown auf Lovely Books

Die Vielfältigkeit ihrer Charaktere, die bildhafte Beschreibung des ganzen Umfeldes und der fesselnde Schreibstil sorgen dafür, dass diese Geschichte zu einem besonderen Leseerlebnis wird.
Ladybella911 auf Lovely Books

Ein besonderer Krimi, der sich durch den zusätzlichen psychologischen Blickwinkel abhebt.
Nati 51 auf Lovely Books

Der Schreibstil war fesselnd und konnte mich regelrecht in die Geschichte, die Geschehnisse und die Personen hineinziehen und festhalten. Die Story war sehr gut durchdacht und bis zum Ende nicht durchschaubar. Die Beschreibungen, auch von den Schauplätzen, waren sehr detailliert und dadurch sehr authentisch.
Nellsche auf Lovely Books

Drei Fragen an Angélique Mundt

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Ich brauche Licht und Schatten – sonst wird es mir zu langweilig.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Die Neugier – ich mische mich überall ein. Gefährlich.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich kann nichts dafür, Neugier ist genetisch bedingt.

Leseprobe

Es machte ihm nichts aus, zu sterben.
Im Gegenteil. Der Gedanke auf der luxuriösen Ocean Queen in Hamburgs Hafen seinen letzten Atemzug zu tun, weckte die tiefe Sehnsucht nach Frieden in ihm.
Sein Wunsch nach Ruhe war stärker als die Angst vor dem letzten Atemzug. Er starrte auf die Decksplanken. Durfte er Christa zurücklassen?
"Lauf, Walter, beeil dich", hörte er sie rufen.
Vermutlich sollte er genauso viel Angst haben wie der Rest der Passagiere. Sollte um sein Leben rennen. Aber ihm gefiel der Gedanke, an Bord eines Kreuzfahrtschiffes abzudanken.
Von weit her hörte er das Schiffshorn eines Container-Riesen tönen. Musik in seinen Ohren. Die Dieselmotoren der Schiffe, das leise Piepen der Van-Carrier und das Schreien der Möwen: die ganz spezielle Melodie des Hafens, seines Hafens. Der Geruch von Schiffsdiesel und Elbwasser, die vertraute Umgebung, die er kannte wie seine Westentasche. Das würde er vermissen, wenn er ... plötzlich stieß ihn jemand von hinten an und er stolperte vorwärts gegen die Reling. Um nicht auf das Deck zu stürzen, klammerte er sich an den hölzernen Handlauf und rappelte sich langsam wieder hoch. Die Menschen hasteten an ihm vorbei. Sie pressen Kinder, Handtaschen oder Rucksäcke an den Leib. Panik im Blick. Sie wollen nur runter von dem Schiff.
"Oh Gott, Walter, nun komm schon..." Ihre Stimme klang hysterisch, so kannte er sie sonst gar nicht, und schien sich immer weiter zu entfernten. Angst verändert uns, dachte er.
Eine Frau rempelte ihn an, weil sie mit ihren beiden Kindern an der Hand sonst nicht durch den engen Gang gepasst hätte. Die Kinder weinten. Sie murmelte eine Entschuldigung und er bemühte sich, ihr Platz zu machen. Der Schweiß lief ihm über die Stirn. Er merkte seine zweiundsechzig Jahre jetzt deutlicher denn je. Ja, er wollte sterben, aber er wollte doch nicht totgetrampelt werden. Er lehnte sich zurück, gegen die Brüstung. An seinen Beinen spürte er den Rettungsring, der am Geländer befestigt war.
Sein Blick flackerte erneut über die fliehenden Passagiere. Ein Junge mit Akne im Gesicht filmte mit dem Handy die Evakuierung. Er schwenkte über die flüchtenden, verängstigten Menschenmassen. Walter seufzte. Wie viele Klicks wohl ein Video bekäme, auf dem zu sehen war, wie Walter bei einer Explosion in tausend Stücke zerfetzt würde?
Das wäre wahrlich ein heldenhafter Tod. Oder er würde über Bord geschleudert? Taucher würden nach ihm suchen, aber die Elbe gäbe ihn nicht frei.
Und das alles, weil er eine Schiffsbesichtigung für sich und Christa arrangiert hatte. Wie war er nur auf die Schnapsidee gekommen, auch nur daran zu denken, eine Kreuzfahrt für sie beide zu planen? Er wollte Christa mit einem, von der Reederei angebotenen, Besuch auf dem Luxusliner überraschen. Sie davon überzeugen, dass eine kleine Reise gut für sie beide wäre. Mal wieder unter Menschen kommen. Etwas Schönes erleben.
Stattdessen stand er nun in diesem Chaos.
Auf der anderen Seite gab es kaum etwas Besseres, als an einem heißen Sommertag im Hamburger Hafen zu sterben. Sollten die anderen um ihr Leben rennen, er entschied sich, zu bleiben. Er stemmte die Beine in die Holzplanken des Decks und presste den Bauch gegen die Reling.
Die Lautsprecherdurchsage des Schiffs plärrte. Alle Passagiere sollten sich an den Sammelplätzen bei den Rettungsbuchten einfinden, um von dort evakuiert zu werden. Doch es gingen Gerüchte um, dass eine Bombe an Bord sei und explodieren könnte. Natürlich hielt sich keiner mehr daran, zu einem Sammelplatz zu gehen. Der Fluchtinstinkt siegte. Jeder war sich plötzlich selbst der Nächste.
Er wischte sich den Schweiß aus den Augen. Die Sonne brannte vom Himmel und die Hitze war unerträglich. Oder hatte das Schiff Feuer gefangen?
Schräg unter sich sah er auf die Pier. Das Cruise Center Altona. Er kannte das Terminal. Nicht so gut wie den restlichen Hafen, aber doch sehr gut. Sein Hafen. Seine große Liebe. Dann erst kam Christa. Oder?
Wie sollte es jetzt weitergehen? Er atmete noch einmal tief durch und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen, aber seine Gedanken wirbelten durcheinander, wie Blätter in einem Herbststurm.
Vielleicht war es wirklich das Beste, wenn das Schiff jetzt explodierte. Dann könnte Christa um ihren Helden trauern und er hätte seine Ruhe. Kein feiger Suizid. Und feige war er, das hatte er heute begriffen.
Er vermochte die Gesichter der Menschen, die die Gangway runterstürzten, nicht zu erkennen. Er stand zu weit weg. Unten angekommen, liefen sie entlang der Sperrgitter und von Security Männern geleitet in das Terminal. In eine andere Welt. Die Welt der Überlebenden.
Es kamen immer noch mehr Streifenwagen. Polizisten liefen durcheinander.
"Sammelt euch, Schäfchen, sammelt euch", murmelte er.
"What are you doing? Hurry up."
Ein kleiner Mann in weißer Schiffsuniform schrie ihn an. Er war doch nicht taub. Er wollte sich nicht beeilen. Er versuchte, die Hand vom Arm abzuschütteln, aber der Kerl krallte sich fest wie ein Terrier in der Wade eines Einbrechers. Es tat weh. "Leave me alone!", maulte er.
Der Mann aber zog immer weiter an ihm. Immer weiter Richtung Gangway. Dahin wollte er nicht. Er wollte das Schicksal entscheiden lassen. Nicht irgendein Sicherheitsmenschlein, das seine Arbeit zu ernst nahm. Der sprach noch immer auf ihn ein, aber die Worte verwehten.
Das Letzte, was er wahrnahm, war der Geruch der Elbe. Ein wenig moderig und wunderbar vertraut.
Er hörte eine Möwe kreischen. Schillernd und schnell jauchzte sie ihre Töne.
Dann blendete er alles aus und ließ sich treiben.