Ausstieg rechts
Sybille Baecker

Ausstieg rechts

Ein Baden-Württemberg-Krimi

Silberburg-Verlag, Tübingen

Kommissar Brander [7]

448 Seiten, Taschenbuch
ISBN 9783842520578
14,90 € [D], 15,40 € [A]
Sonderpreis 0,– €
     
In einer Esslinger Wohnung offenbart sich Kommissar Brander und seiner Kollegin Peppi ein grausiges Bild: Im Badezimmer liegt ein totes Mädchen. Ihre Leiche ist halb verwest, die Wohnung verwüstet, die Wände sind mit Hakenkreuzen und Zahlen beschmiert. Vom Wohnungsmieter, Marcel Schweikhard, fehlt jede Spur. Es stellt sich heraus: Er gehört zur rechten Szene und ist für die Polizei kein Unbekannter. Seine braunen Kameraden distanzieren sich jedoch von ihm.
Ein verzwickter Fall für Andreas Brander und sein Team und eine extreme Herausforderung für Peppi, die griechische Wurzeln hat und sich daher mit Anfeindungen der Neonazis konfrontiert sieht. Aber auch Brander hat mit seiner Glatze keinen leichten Stand – Vorurteile gibt es auf allen Seiten!
Die Ermittlungen führen die Kommissare schließlich zu einem türkischen Paar, das ein paar Monate zuvor von einer Gruppe brutaler Schläger überfallen wurde. Die junge Frau, so scheint es, verbirgt etwas vor den Beamten. Bald ist der Fall so verzwickt, dass die Kommissare fürchten, noch nach einem weiteren Opfer suchen zu müssen …
Sybille Baecker
© Foto: G. Below

Sybille Baecker

... ist gebürtige Niedersächsin und Wahlschwäbin. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster und Neu-Ulm war sie viele Jahre als IT-Prozessingenieurin in einem internationalen Unternehmen tätig. Später wechselte sie das Fach und arbeitete mehrere Jahre als Pressereferentin eines Sportfachverbandes in Stuttgart. Baecker lebt heute nahe der Universitätsstadt Tübingen. Sie schreibt Kriminalromane und Krimi-Kurzgeschichten. Durch ihre Krimiserie mit ihrem Kommissar und Whiskyfreund Andreas Brander wurde sie zur Fachfrau für "Whisky & Crime".

Empfehlung der Woche

Ausstieg rechts ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 6. November 2017.

Kritikerstimmen

Die Erzählweise ist spannend und flüssig, und die unterhaltsamen Dialoge zwischen den Figuren sind mit einer Prise bissigem Humor gewürzt, besonders, wenn die Ermittler unter sich sind.
Whiskymagazin "The Highland Herold", #33 (Winter 2016) zu "Mordsangst" (Branders 6. Fall)

Ein spannender Plot mit psychologisch interessantem Hintergrund.
Staatsanzeiger, 11.11. 2009 zu "Körperstrafen"(Branders 2. Fall)

Drei Fragen an Sybille Baecker

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Meine kriminelle Laufbahn begann im jugendlichen Alter von sechzehn Jahren, als meine Bewerbung bei der Polizei bedauerlicherweise abgelehnt wurde. Somit musste ich einen anderen Weg finden, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich sammelte einige Jahre Lebenserfahrung. 2005 beschloss ich, Ermittlungen auf eigene Faust durchzuführen. Daraus entstand die erste Kriminalakte Irrwege – Kommissar Branders 1. Fall. Es folgte eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit Polizei, Rechtsmedizin und Staatsanwaltschaft, und so konnten weitere Fälle gelöst werden.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Ich glaube, hier besteht ein kleines Missverständnis – ich begehe keine Verbrechen, ich kläre sie auf. Mittlerweile sind es neun Verbrechen, bei deren Aufklärung ich erfolgreich mitwirken konnte (wenn wir von den kleineren Nebenschauplätzen in diversen Kurzkrimis absehen). Sieben Mal stand ich Kommissar Brander und seinem Team zur Seite, zwei Mal half ich Kirstin Schwarz bei der Aufdeckung von kriminellen Machenschaften. Und so, wie es aussieht, wird meine Hilfe weiter benötigt. Brander und ich stecken bereits mitten in den Ermittlungen zu einem neuen Fall, ein tragisches Verbrechen. Aber, Sie verstehen das sicher, ich darf über laufende Ermittlungen nicht reden. Wir werden wie gewohnt, wenn es an der Zeit ist, mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit gehen.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Das Wort, begleitet von einem hintergründigen Lächeln ...

Leseprobe

»Worum geht es?«, fragte Schweikhard.
Es war still in dem Haus. Viel zu still, fand Brander. Er saß dem Mann gegenüber und suchte nach den richtigen Worten. Wo sollten sie ansetzen? Nach dem Chaos in Marcel Schweikhards Wohnung passte diese nüchterne Welt nicht in das Bild, das sich Brander von der Familie des Mannes gemacht hatte.
»Wir sind auf der Suche nach Ihrem Sohn.«
»Er ist nicht hier. Er wohnt in Esslingen.« Schweikhard sah von Peppi zu Brander. »Sie hätten anrufen und fragen können. Warum kommen Sie hierher?«
»Wann haben Sie Ihren Sohn zuletzt gesehen?«
»Das … Das ist schon eine Weile her.«
Der Begriff war dehnbar – eine Woche, ein Monat, ein Jahr? »Was bedeutet eine Weile?«
Hermann Schweikhard sah zu seiner Frau, die ihnen den Rücken zugewandt hatte, als ginge sie dieser Besuch nichts an. Er seufzte unentschlossen. »An Weihnachten vielleicht. Annegret, war es nicht so? War er nicht Weihnachten zuletzt hier?«
»Zwölfter Januar.« Sie wandte sich um, ihr Gesicht war verschlossen, die Augen hart. »Er war am zwölften Januar hier, um Denise abzuholen.«
Zwölfter Januar, das waren fast zehn Monate.
»Denise?«, fragte Brander.
»Unsere Tochter.«
»Warum können Sie sich so genau an das Datum erinnern?«
»Es war Denises achtzehnter Geburtstag.«
»Und Denise lebt seitdem bei ihrem Bruder?«
»Nein!« Annegret Schweikhard schüttelte energisch den Kopf. »Sie lebt bei uns. Sie geht noch zur Schule.«
»Ist sie zu Hause?«
»Was wollen Sie denn jetzt von Denise?«, fuhr sie Brander an. Zorn im Blick. Und Angst.
»Das heißt, Ihre Tochter ist nicht zu Hause?«, fragte Peppi.
Die Frau sah flüchtig zu ihrem Mann, eine Antwort gab keiner von beiden.
»Wo ist Ihre Tochter?«
Auch darauf gab es keine Antwort.
Peppi sah zu Brander. Was sollten sie von diesem Schweigen halten? Er ahnte, was in Peppis Kopf vor sich ging.
»Wann haben Sie Denise zuletzt gesehen?«, hakte sie nach.
Schweigen.
Das Schweigen in diesem gänzlich geräuschlosen Haus war erdrückend. Peppi nickte Brander zu. Mach du weiter. Sag du ihnen, worum es geht.
»Wir suchen Ihren Sohn«, erklärte Brander erneut. Er drängte sämtliche Emotionen zurück. Es war eine simple, sachliche Auskunft. Noch war ihr Verdacht nur eine vage Vermutung. Noch stand nicht fest, was tatsächlich in Esslingen geschehen war. »In seiner Wohnung wurde heute die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie konnte noch nicht identifiziert werden.«
Noch während er die Worte aussprach, wich sämtliche Farbe aus Annegret Schweikhards Gesicht. Sie wandte sich ab, stakste wortlos aus dem Zimmer, den Rücken aufrecht, den Blick geradeaus, mechanische Bewegungen, wie ein Roboter.
»Frau Schweikhard?«
Sie ging weiter, hatte kaum den Raum verlassen, da stürzte sie auf alle Viere und erbrach sich auf die Fliesen.