Duo mit Beretta
Ella Theiss

Duo mit Beretta

Ein Kriminalroman aus Darmstadt

Prolibris Verlag, Kassel

November 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783954751358
12,– € [D], 12,40 € [A]
Sonderpreis 0,– €
     
Für die menschenscheue Isabell kommt es knüppeldick. Erst der Tod der Mutter, dann der Auszug aus der vertrauten Wohnung und schließlich der Überfall durch eine Bande Jugendlicher. Nun hat Isabell eine posttraumatische Belastungsstörung namens Billie. Die klopft 68er Sprüche und will partout als Streetworkerin die Welt retten.
Prompt erhält Billie die schwierige Aufgabe, zwei in Darmstadt gestrandete junge Menschen vor dem Zugriff einer Zuhältermafia zu bewahren: einen amnesiekranken Schleuserhelfer und eine geflohene Zwangsprostituierte. Dass beide Heimkinder waren, scheint ein Zufall, bis plötzlich zwei Darmstädter Kinder auf Initiative von Behörden in einem dubiosen ungarischen Waisenhaus verschwinden. Billie nimmt den ungleichen Kampf mit den Menschenhändlern auf. Und unversehens hängt Isabell mit drin.
Ein turbulenter Krimi mit Tiefgang und bissigem Humor zum Thema Geschäftemacherei mit Heimkindern.
Ella Theiss

Ella Theiss

Ella Theiss lebt in der Nähe von Darmstadt. Sie hat Germanistik und Sozialwissenschaften studiert, anschließend rund zwanzig Jahre unter ihrem Klarnamen Elke Achtner-Theiss als Redakteurin und Texterin gearbeitet, insbesondere im Themenbereich Bio-Lebensmittel. Sie war unter anderem Chefredakteurin der Bio-Zeitschriften Schrot&Korn und ReformhausKurier. Seit 2008 schreibt sie auch Romane und Erzählungen. Sie erhielt viele  Preise und Auszeichnungen, unter anderem den QuoVadis-Kurzgeschichtenpreis 2013 für ihren historischen Kurzkrimi "Das Hurenkind". Mit ihrer Erzählung "Sehnsucht" war sie 2017 für den Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie Kurzgeschichten nominiert.

Empfehlung der Woche

Duo mit Beretta ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 23. Oktober 2017.

Kritikerstimmen

Ein großartiges Lesevergnügen, mit außergewöhnlichen Charakteren, einer interessanten und beängstigend realitätsnahen Handlung und einem starken Spannungsbogen.
Susanne Langer in "Klusi liest"

Ein Buch voller Emotionen, ein Tanz der Gefühle. Man wird von Angst, Wut, Schrecken, Trauer, Glück und Lachen überflutet. [...] Eine steile Achterbahnfahrt der Spannung.
Günter-Christian Möller bei lovelybooks

Drei Fragen an Ella Theiss

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Sehr früh. Mit drei habe ich im Kindergarten eine Puppe mitgehen lassen, mit zwölf habe ich einem Kerl, der mich Bohnenstange genannt hat, vors Schienbein getreten, mit zwanzig habe ich bei einer Klausur (Althochdeutsch) geschummelt … Puh, jetzt ist alles raus.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Es ist immer gerade die, die meine Figuren favorisieren. Diesmal eine Beretta Jetfire. Ich hatte noch nie eine in der Hand, hab sie mir von einem Waffennarr beschreiben lassen. Und mich prompt verliebt. In die Waffe natürlich.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Wie meine Hauptfigur hab ich ein ziemlich verrücktes Alter Ego. Immer wenn ich am Schreibtisch sitze, geht es mit mir durch. Zum Glück nur dann.

Leseprobe

„Na, gib’s mal her, dein Geschenk, Fotze.“ Der Feiste rappelte sich von der Mauer weg, machte zwei Schritte auf mich zu. Er hatte ein tiefes Grübchen im Kinn, was seinem Gesicht etwas unpassend Kindliches gab. „Mach schon.“ Er ließ die Klinge seines Klappmessers aufschnappen, drehte sie hin und her, sodass sie trotz des matten Abendlichts aufblinkte.
Andere Frauen besuchen Selbstverteidigungskurse, lernen tief in den Bauch zu atmen, sich zu straffen und ihre Körpermitte zu finden, um den Opferlook zu vermeiden. Sie üben sich darin, ihre Zähne in Schweineschwarten zu hauen und mit Handkantenschlägen und Fußtritten zentimeterdicke Holzbretter zu zertrümmern. Ich kann nicht beurteilen, ob mir derlei Fertigkeiten in meiner Lage geholfen hätten. Mir fiel nur eine einzige Methode der Selbstwehr ein, ich hob die Flasche und schleuderte sie dem Dicken an den Kopf. Das heißt, ich zielte auf seinen Kopf. Tatsächlich flog sie seinen Oberbauch an. Er fing sie wie einen Ball.
Nicht mal einen Sprung hatte sie bekommen. Aber der Verschluss war aufgebrochen und eine hellschimmernde Flüssigkeit sprudelte wie ein Brünnlein heraus, besudelte seine Jacke, seine Hose …
„Huach!“ Er hielt die Flasche von sich, ließ sie fallen. Sie zerbrach, und auch der Rest lief aus, sammelte sich vor seinen Boots, wo die Zigarette, die ihm zeitgleich aus dem Mundwinkel gerutscht war, zaghaft vor sich hin qualmte.
Ich betrachtete die Bescherung. Der Champagner war dahin. Und ich keineswegs gerettet. Ich wagte nicht, dem fluchenden Dicken ins Gesicht zu sehen, blickte weiter zu Boden, beobachtete staunend, wie die brennende Kippe nicht etwa in der Pfütze erlosch, sondern im Gegenteil aufglimmte, aufstob, aufloderte. Und ein paar Sekunden später – die ich brauchte, um zu glauben, was ich sah, und um den sich ausbreitenden Geruch von Reinigungsbenzin zu bestimmen – stand der Kerl in einer Suppe aus Flammen, die beide Hosenbeine erfassten. Er fluchte, keuchte, bückte sich, schlug mit bloßen Händen nach dem Feuer, umsonst, es kroch an ihm hinauf, bis zum Knie, bis zum Schritt. Er schrie, jaulte, taumelte, stolperte, fiel zu Boden. Da erst kamen seine Freunde auf die Idee, ihr restliches Bier über ihn auszukippen, ihre Jacken auszuziehen und die Flammen damit zu ersticken.