Erste Hilfe für die Seele – Einsatz im Kriseninterventionsteam
Angelique Mundt

Erste Hilfe für die Seele – Einsatz im Kriseninterventionsteam

Einsatz im Kriseninterventionsteam
Oktober 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783442714742
12,99 € [D], 13,40 € [A] , SFr. 18,90 [CH]
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Wer hilft, wenn das Leben plötzlich auseinanderbricht? Wenn man gerade den liebsten Menschen verloren hat? Oder bei einem Unfall Schreckliches mitansehen musste? Angélique Mundt ist Psychologin und arbeitet für das Kriseninterventionsteam Hamburg. Sie steht Menschen unmittelbar nach einer Katastrophe zur Seite, spendet Ruhe, Kraft und Orientierung. Sie leistet erste Hilfe für die Seele. In diesem Buch erzählt sie von tragischen Unglücken und Schicksalsschlägen, von erschütternden Erfahrungen und Menschen, die größtes Leid erfahren haben. Und vor allem macht sie vor, wie Hilfe in den schlimmsten Momenten unseres Lebens möglich ist. Sie plädiert für ein aufmerksames und kraftvolles Leben. Sie zeigt, wie man sich Trauer und den eigenen Ängsten stellen und wie man schöne und besondere Momente intensiv erleben kann.

Angelique Mundt

Angelique Mundt

Angélique Mundt wurde 1966 geboren. Nach ihrem Studium der Psychologie arbeitete sie lange in der Psychiatrie, bevor sie sich 2005 als Psychotherapeutin mit einer eigenen Praxis selbstständig machte. Sie arbeitet ehrenamtlich im Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes, das Menschen bei potentiell traumatisierenden Ereignissen "Erste Hilfe für die Seele" leistet.
"Nicht ohne Angst" und "Denn es wird kein Morgen geben" sind ihre ersten Romane und Start einer Serie um die Psychotherapeutin Tessa Ravens und Hauptkommissar Torben Koster.

Angélique Mundt lebt mit ihrem Lebensgefährten, dem Wasserschutzpolizisten Andreas Kästner, in Hamburg.

Empfehlung der Woche

Erste Hilfe für die Seele – Einsatz im Kriseninterventionsteam ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 6. Februar 2017.

Kritikerstimmen

Das Buch ist rundum gelungen und kann etwas leisten, das selten geworden ist in der medialen Übermacht von Kriegs- und Krisenbildern.
Meike Dannenberg, Bücher

Keine leichte Kost – und doch voller Hoffnung. Denn es zeigt, dass das Wichtigste ist, füreinander da zu sein und zuzuhören.
Vital

Bücher von und über Menschen, die über ihre beruflichen Erlebnisse in Buchform berichten, sind seit einigen Jahren aus der Leselandschaft nicht mehr wegzudenken. Und was es da so alles gibt: vom Profiler über den Tatortreiniger, von der Polizistin über den Notarzt, alle berichten authentisch, doch nicht unbedingt immer gelungen von den Fällen und den Menschen, mit denen sie es während ihres Jobs zu tun bekommen.
Zunächst scheint sich Angélique Mundts Buch Erste Hilfe für die Seele hier nahtlos einzureihen – aber eben nur fast. Bis auf eine Ausnahme zuvor haben mich derartige Memoiren selten berührt, man liest sie eher aus Sensationslust, um sich hinterher zu schütteln und sich beruhigt zurückzulehnen, weil es einem selbst ja doch gut geht. Denn sie schildern normalerweise eher Fälle, die skurril, aufsehenerregend und publikumswirksam sind. Das ist in diesem Buch anders. Es sind eigentlich ganz normale, wenn auch tragische Begebenheiten, bei denen ein Mensch ums Leben kommt. Und Frau Mundt, die ehrenamtlich bei einem Kriseninterventionsteam arbeitet, hat zusammen mit ihren Kollegen die Aufgabe, den Menschen nach Mitteilung der Todesnachricht beizustehen. Ein wichtiger, ein lebensnotwendiger Job, denn oft sind die Angehörigen danach begreiflicherweise mehr als verzweifelt.
Einige der Geschichten sind fast ganz alltägliche Tragödien. Der Familienvater, der beim Einkaufen im Supermarkt am Herzinfarkt verstirbt, das Baby, das den plötzlichen Kindstod erleidet – aber das Buch beinhaltet auch Geschichten, die fassungslos machen. Suizid etwa – oder Gewaltverbrechen. Und fast jede einzelne wird so behutsam und doch mitfühlend erzählt, dass einem danach der Kloß ganz tief im Hals sitzt. Und genau das ist hier der Unterschied zu den anderen Büchern dieser Couleur – es gelingt Angélique Mundt, die Familien und Menschen hinter diesen Tragödien lebendig zu machen, ihren Schmerz, ihre meist unberechtigte Hoffnung, ihre Verzweiflung und ihre Strategien, mit dem Unfassbaren zurechtzukommen. Sie schafft es perfekt, diese Gefühle direkt zum Leser zu transportieren. Und durch die den Kapiteln nachgestellten fachlichen Ergänzungen kommt man ihrer Arbeit beim Kriseninterventionsteam noch einen Schritt näher und kann vieles besser verstehen.
Hut ab vor den Menschen, die eine derartige Arbeit tun (können), vor den Menschen aus diesem Buch und ganz besonders vor der Autorin, die diese wichtigen Geschichten in einer Art und Weise erzählt, die wohl kaum einen Leser kalt lassen wird.
Queenelyza auf Lovely Books

Drei Fragen an Angélique Mundt

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Schon im Kindesalter habe ich auf Biene Maja zugunsten von Stahlnetz, Edgar Wallace, Derrick und Der Alte verzichtet. Meine Mutter war machtlos. Eigene Geschichten zu Papier zu bringen, hat dann nicht nur gedauert, bis ich endlich schreiben konnte, sondern bis ich auch noch genügend Selbstbewusstsein entwickelt hatte, mich an ein Buch zu wagen.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Drei Verbrechen wurden bereits aufgedeckt und entsprechend bestraft. Mit dem vierten Verbrechen bin ich bislang unerkannt geblieben, aber ich befürchte, im November 2017 wird sich das schlagartig ändern.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Offensichtlich nicht genug, denn ich werde weiter morden ... trotz der gesellschaftlichen Ächtung.

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort 5

KAPITEL 1 Überbringen einer Todesnachricht 9

Wie erstarrt ... 12

Markus 25

Haltlos 35

Seemannsbraut 62

Exkurs: Todesnachrichten überbringen 72

KAPITEL 2 Abschiednehmen von den Toten 80

Septemberkälte 82

Bloß die Hüfte? 93

Die Angst fährt immer mit 107

Zu jung ... 112

Exkurs: Abschiednehmen von den Verstorbenen 124

KAPITEL 3 Einsätze mit Kindern 134

Maries Mittagsschlaf 137

Dein Freund und Helfer 150

Lächelnde Tränen 158

Die zerrissene Familie 174

Exkurs: Kinder und der Tod 186

KAPITEL 4 Betreuung von Angehörigen nach Suizid 194

Diesel 196

Wut 213

Die Hundeleine 223

Exkurs: Suizid – Die individuelle Katastrophe 233

KAPITEL 5 240

Wie haben mich die KIT-Erfahrungen verändert? 240

ANHANG 253

Glossar 271

Zitate 275

Dank 276


Markus

Anders als bei dem jungen Zeugen Marcel, überbringen wir die meisten Todesnachrichten in Familien, die bis zu dem Moment, an dem die Polizei und das KIT an die Tür klingeln, nicht die geringste Ahnung haben, dass gleich eine Katastrophe über sie hereinbrechen wird.
Diese Situationen fallen mir wirklich schwer.
Ich erinnere mich da zum Beispiel an die Familie von Markus. Markus war fünf Tage vorher einundzwanzig Jahre alt geworden.
Er hatte seine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker abgeschlossen, aber in diesem Beruf wollte er nicht arbeiten. Deshalb hatte er sich eine Auszeit genommen, solange bis er wissen würde, was er wirklich wollte.
Nur sollte er das nicht mehr herausfinden können.
Montagmorgen, acht Uhr dreißig. Als Markus sich am Frühstückstisch im Haus seiner Eltern verabschiedete, hatte er noch dreizehn Minuten zu leben. Wahrscheinlich war alles wie immer: Die kleinen Geschwister beachteten ihn nicht, sie stritten sich gerade um die Corn Pops. Seine Mutter nahm ihn am Arm und drückte ihm noch einen Kuss auf die Wange. Möglicherweise machte er ein Gesicht, als wäre es ihm peinlich. Doch er wartete vielleicht einen Moment zu lange, bevor er sie wegschob.
Er wollte zu einem Freund nach Rahlstedt. An diesem strahlenden Sommertag nahm er für die vier Kilometer seine geliebte Honda.
Eine Weile fuhr er hinter dem Sattelschlepper her, bis der immer langsamer wurde, links blinkte und stehenblieb. Warum Markus in diesem Moment zum Überholen ansetzte, wird man im Nachhinein nicht verstehen. Seine Honda prallte auf die großen Vorderreifen der Zugmaschine, die gerade wieder anfuhr, um abzubiegen. Die Honda wurde herumgerissen. Markus flog über den Lenker und wurde auf den Asphalt geschleudert. Er schlidderte über die Straße. Immer weiter. Dabei verlor er seinen Helm. Dann traf sein Kopf die Borsteinkante und sein Körper kam zur Ruhe.
Es war genau acht Uhr und dreiundvierzig Minuten.