Quo vadis, Herr Petermann?
Michael Böhm

Quo vadis, Herr Petermann?

Bookspot Verlag

Juni 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783956690662
14,80 € [D], 15,30 € [A]
Sonderpreis 0,– €
     
Leo Petermann, Privatier und kultivierter Genussmensch, nimmt jeden Tag in seinem Haus über dem See als Geschenk. Er verbringt viel Zeit mit seiner Geliebten Magdalena, sitzt mit seinen Nachbarn zusammen, ist auf der Suche nach Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend.
Da geschieht auf dem Gornergrat über Zermatt ein Mord, der dem berühmten Maler Paul Tulipan zur Last gelegt wird, und der auch Petermann tangiert. Etwa zur gleichen Zeit wird er von einem jungen Fotografen verfolgt, der ihn bedroht und mit angedeutetem Wissen über dunkle Flecken auf Petermanns weißer Weste erpresst. Fatales Wissen, das zu einem Menetekel für ihn wird.
So beschäftigt Leo sich mit den Spuren des Erpressers, jenen von Tulipan und seinen eigenen aus der Vergangenheit. Sie führen ihn unausweichlich zu der Frage: Quo vadis, Herr Petermann?
Michael Böhm
© Foto: Gerhard Born

Michael Böhm

Michael Böhm wurde 1947 im Taunus geboren und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend. Als Schriftsetzer-Meister war er als Ausbilder tätig, bevor er in die Datenverarbeitung wechselte. Er lebt in der Nähe von München. Michael Böhm schreibt seit seiner Jugendzeit. Nach ersten Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien erschienen Erzählungen und zwei Kiminalromane rund um den eigenwilligen Detektiv Homer. Der erste Teil seiner Petermann-Trilogie Herrn Petermanns unbedingter Wunsch nach Ruhe wurde 2014 für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. In 2016 erhielt er die begehrte Auszeichnung für den zweiten Band Herr Petermann und das Triptychon des Todes. Mit Quo vadis, Herr Petermann? schließt die Reihe ab.

Im Herbst 2018 erschien DINNER MIT ELCH. 

Empfehlung der Woche

Quo vadis, Herr Petermann? ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 10. Oktober 2016.

Kritikerstimmen

Zu Band 1, Herrn Petermanns unbedingter Wunsch nach Ruhe:

[…] eine herrlich böse, im wahrsten Sinne des Wortes abgründige Geschichte, die zu lesen es in jedem Fall lohnt. Ein ganz besonders Buch!“
Eva Hüppen, www.leser-welt.de

[…] sehr unterhaltsam und genussvoll zu lesen.
Leo Speidel, ekz.bibliotheksservice

Der Leser wird unaufhaltsam zur Marionette von Petermanns Tun und Handeln und seinen Gedanken. Nach und nach entwickelt sich Sympathie und volles Verständnis mit der Tat und dem Täter… gruselig und verstörend. […] Ein sehr sonderbarer Krimi fern vom Mainstream mit einzigartiger Note und Tiefgang! Großartig!
Nadine Schomakers auf Lovelybooks.de

Zu Band 2, Herr Petermann und das Triptychon des Todes:

Herr Petermann mordet endlich wieder. Wer ihn noch nicht kennt, sollte das dringend ändern!
Eva Wüppen, www.leser-welt.de

Kann es einen adäquaten Nachfolger zu Herrn Petermanns unbedingter Wunsch nach Ruhe geben? Jawohl! Obwohl ich mir keiner Schuld bewusst bin, werde ich nun immer vorsichtig sein, wenn mir Kirschen angeboten werden! Ein eisiger Schauer läuft mir den Rücken herunter, wenn ich lese, wie Versicherungen, windige noch dazu, aufgebaut sind… Möge Petermann nie bei seinem Tun erwischt werden! Ich werde beide Titel z. B. für ein Weihnachtsgeschenk wärmstens empfehlen!
Simone Klement, Der Buchladen, Niedernberg

Ich werde immer mehr zu einem Fan von Leo Petermann; ich liebe sein ruhiges, unaufgeregtes Wesen, seine Art, Probleme zu beseitigen, seine Lebenseinstellung und wünsche ihm, dass sein Leben in diesem Stil weitergeht und ich noch mehr über ihn zu Lesen bekomme!
Christa Peters, u. a. Marler Zeitung

Michael Böhm verfügt über großes Erzähltalent, kann gut mit Sprache arbeiten und schafft es so, Spannung aufzubauen, Spannung zu halten, obwohl der Leser eigentlich ja alles von Anfang an weiß. […] Eine Spannung weniger des Mitfieberns oder des Mitknobelns, mehr eine Spannung des Mit- und vor allem des Nachdenkens. Und so darf der Leser sich für recht bald einen neuen Fall für Herrn Dr. Leo Petermann wünschen dürfen. Möge dieser so bald nicht zur Ruhe kommen. Herr Böhm, bitte übernehmen!
Siegfried R. Krebs, www.freigeist-weimar.de

[…] geschliffen […] wie ein feiner Edelstein, ergibt sich ein Roman, der seine Größe nicht durch seine Seitenzahl, sondern durch seine klug ausgearbeitete Handlung, seinen ungewöhnlichen Protagonisten und seinen feinen Stil gewinnt. Dieses wunderbare Buch ist ungewöhnlich und gut, ohne modernen Maßstäben Rechnung zu tragen. Es wirkt jedoch auch nicht antiquiert, sondern durch und durch zeitlos … und es ist definitiv sehr zu empfehlen.
Redaktion Leserkanone.de

Souverän und pointiert bricht Michael Böhm mit den Klischees des aktionsreichen Kriminalromans. Gewohnte Krimi-Elemente werden auf sehr ungewöhnliche Weise bis zum Äußersten ausgereizt. […] Subtil, dezent, ironisch, amüsant. […] Die Geschichte kommt völlig anders daher als ein herkömmlicher Krimi oder Thriller, sozusagen auf leisen Pfoten, und sie ist souverän erzählt.
Friedrich-Glauser-Preis 2016  ("Bester Kriminalroman") – Auszug aus der Jury-Begründung

Zu Band 3, Quo vadis, Herr Petermann?:

[Es ist die] feinsinnige[n] Sprachmächtigkeit des Schriftstellers Michael Böhm, die seine Kriminalromane so lesenswert machen. Der Rezensent wird Herrn Dr. Leo Petermann und dessen unbedingten Wunsch nach Ruhe sehr vermissen ...
Siegfried R. Krebs, www.freigeist-weimar.de

Fünf Fragen an Michael Böhm

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Es war Mitte der 90er Jahre, ich war beruflich sehr eingespannt und dachte mir zur Entspannung meinen ersten Krimi aus: Homer und der Tote vom Schlossberg.

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Ich wollte versuchen, schreibend ungewöhnlichen dunklen Vorgängen nachzuspüren. 

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Genau habe ich nicht nachgezählt. Aber es mögen gut und gerne mehr als ein Dutzend sein.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Habe ich nicht. Meine Tatwaffen müssen ungewöhnlich sein. Sie zu finden, ist nicht immer leicht.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Mit dem Bleistift zu morden macht einfach Spaß. So einfach ist das.

Leseprobe

Was mir an dem jungen Teufelsbraten gefiel, der das für ihn unkalkulierbare Wagnis einging, meine geheiligten Kreise zu stören, war allein sein Name. Nur darum sah ich zunächst ziemlich locker, sogar leicht amüsiert, seinem Treiben zu.
Er war allenfalls gerade mal halb so alt wie ich, drohte mir törichterweise unverhohlen, versuchte sogar seine hinterlistige Schlinge immer enger zu ziehen. Als er mir schließlich deutlich zu verstehen gab, demnächst kein Pardon mehr zu kennen, überschritt er damit die unsichtbare Grenze, da war für mich der gewisse Punkt erreicht, ab dem ich sein heimtückisches Spiel nicht länger dulden durfte.
An diesem feuchtschwülen Morgen – schon einem der Hundstage? – stand ich im Gebüsch am Fuß des bewaldeten Hanges unterhalb meines Hauses. Die Halbinsel und die Weite des Sees lagen vor mir. Zu der Halbinsel möchte ich erwähnen: Etwa die Hälfte meines Gartens darf schon dazugerechnet werden. Gleich hinter dem Zaun und der Buchenhecke, die mein Grundstück begrenzen, fängt der Wald an, der sich schon nach wenigen Metern den steilen Hang hinunterzieht, um etwa dreißig Schritte vom Ufer entfernt, am Panoramaweg, zu enden.
Ich wartete auf den jungen Mann, der in den nächsten Minuten auftauchen würde, um vom Steg aus ins Wasser zu springen und wild kraulend seinem Frühsport zu frönen. Auf einem Ast, nur wenige Meter schräg vor mir, saß eine Amsel, ließ sich durch mich nicht stören, ruckte nur mit ihrem Kopf zwischen mir und dem See hin und her. Solch einen Zeugen durfte ich mir gerne gefallen lassen.
Später dann, noch bewegte ich mich außerhalb der Zeit, als ich zwischen den Bäumen den Hang wieder hinaufstieg, fragte ich mich, ob sich die Zwickmühle auch auf eine andere Weise hätte auflösen lassen, als auf diese so endgültige, so unwiderrufliche Art? Nun war es eben so, dass keine hundert Meter hinter mir an diesem hellen Sommermorgen ein Toter mit dem Gesicht nach unten im noch kühlen Wasser des Sees trieb. Für den Schwimmer, dachte ich, ein schöner Augenblick zum Sterben.
Diesen radikalen Schlussstrich zu ziehen war längst überfällig geworden. Er war nicht der Mann, mit dem man ungestraft seinen Schabernack treiben durfte, hatte er sich doch ohnehin großzügig, viel zu lange, in Geduld geübt. Nein, er hatte keine Bedenken, den Störenfried, der ihm den Fehdehandschuh hingeworfen, ihn über Gebühr herausgefordert hatte, auf dem direkten Weg in die ewigen Jagdgründe zu schicken.
In wenigen Tagen würde es so weit sein, dass der Architekt mit den Männern der Baufirma anrückte. Wir, Magdalena und ich, werden dann für einige Zeit verreisen, zunächst nach London, später, so hatten wir vor, weiter auf die Hebriden.
An den toten Schwimmer dachte ich schon nicht mehr, als ich durch den Garten, unter den Ästen der Obstbäume, auf mein Haus zuging.
[…]
Draußen verliert sich die sprechende Stille sakraler Nähe nicht. Vom Ort her ist hier oben nichts zu hören. Langsam schlendere ich den breiten Mittelweg entlang. Im Vorbeigehen betrachte ich die Gräber, lese Namen und Daten, habe vor allem ein Augenmerk auf den Zeitraum, seitdem ich in Kimmling lebe. Den einen oder anderen Namen kenne ich nicht nur, ich kann mich sogar an Gesichter erinnern, was mir bewusst macht, ich bin kein ganz Fremder mehr in dem kleinen Ort über dem See.
Mir kommt ein Mann entgegen, und gleich sehe ich, er ist nicht einmal in seinen mittleren Jahren. Er ist bereits so nahe heran, dass ich sein Gesicht erkennen kann. Kann das wirklich ein Zufall sein? Ist es tatsächlich möglich, dass er mir gerade auf dem Friedhof begegnet, wusste ich selbst noch vor Minuten nicht, dass ich diesen Weg einschlage?
Er lächelt verhalten, irgendwie merkwürdig, ja, mir fällt sogar die Vokabel verschlagen ein, als er ohne jeden Gruß an mir vorübergeht. Ich wende mich nicht um, sehe ihm nicht nach, will er mich doch vermutlich gerade dazu herausfordern. Nein, ich tue ihm diesen Gefallen nicht, setze meinen Weg fort, als sei nichts gewesen.