Strandgut
Benjamin Cors

Strandgut

DTV Premium

Juni 2015
sofort lieferbar
ISBN 9783423260596
16,90 € [D]
     
Die Filmfestspiele in Cannes: Dem jungen, aufstrebenden Personenschützer Nicolas Guerlain passiert ein unverzeihlicher Fehler. Durch eine ruckartige Bewegung stößt er versehentlich seinen Schützling, einen namhaften Minister, vor den Augen der Öffentlichkeit zu Boden. Seine Karriere ist ruiniert – er wird in seine alte Heimat, den idyllischen Badeort Deauville in der Normandie, strafversetzt. Mit der Ruhe am Meer ist es jedoch bald vorbei, als eine abgetrennte Hand an den Strand gespült wird. Nicolas beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Und deckt einen Fall auf, der Jahrzehnte zurückreicht.
Benjamin Cors
© Markus Kirchgessner

Benjamin Cors

Preisträger des Friedrich-Glauser-Preises 2016

Strandgut erhielt den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte "Debütroman". Alle Nominierten dieser Kategorie finden Sie hier. 

Der Preis ist mit 1.500 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert. Der Preisträger wurde am Samstag, dem 23. April 2016 während der 30. CRIMINALE, des Jahrestreffens des SYNDIKATs, in Marburg verkündet und geehrt.

Begründung der Jury

Benjamin Cors erzählt abwechslungsreich und spielt gekonnt mit der Erwartungshaltung des Lesers.
Auf den ersten Blick könnte man Strandgut mit einem üblichen Frankreich-Krimi verwechseln: Ein pittoresker Schauplatz, regionale Eigenheiten, und das Ganze gewürzt mit Mord. Doch trotz oder gerade wegen dieser Zutaten ist Strandgut kein üblicher Regionalkrimi. Der Hauptteil der Handlung findet zwar im Küstenort Deauville statt, doch beschreibt Benjamin Cors kein verklärtes Idealbild.
Das geschichtsträchtige Kasino hat schon bessere Tage gesehen. Der Himmel ist nicht blau, sondern eher ockergelb und die Sonne lässt sich nur selten blicken. Die Fassaden der großen Villen bröckeln bereits, und der sandverwehte Strand lädt keineswegs zum Baden ein, denn die Meereswogen sind bitterkalt. Die ortsansässigen Fischer haben es schwer, angesichts des überfischten Atlantiks über die Runden zu kommen. Das viel beschworene süße Nichtstun oder andere, vermeintlich regionale Charakteristika, die bei Regionalkrimis gerne bedient werden, und nicht selten dabei zu Klischees erstarren, sind hier nicht anzutreffen. Trotzdem spürt man das Salz des Meeres auf der Haut und riecht den Geruch von Tang.
Sprachlich überzeugend schafft es Cors, den Leser auf zwei Zeitebenen in die Geschichte hineinzuziehen. Ab der ersten Seite verführt er ihn mit überaus angenehmer Erzählerstimme. In atmosphärischen Schilderungen und rasanten Actionszenen offenbart sich Cors sprachliche Bandbreite. Diese Arbeit mit der Sprache wirkt nicht selbstverliebt, ist keine inhaltsleere Stilübung, l'art pour l'art, denn selbst sperrige Passagen besitzen eine dramaturgische Funktion. Immer unterstützt die Form den Inhalt.
Die Verästelung der Handlung ist überzeugend konstruiert. Ein literarisches Genre ist nur überlebensfähig, wenn es ständig weiterentwickelt wird.
Autoren fällt dabei die Aufgabe zu, die gängigen Erzählmuster und Standardsituationen zu bedienen, und sie gleichzeitig gegen den Strich zu bürsten, damit es zu neuen, unerwarteten Variationen kommt. Das gelingt Benjamin Cors in seinem Debütroman. 
Mit seinem melancholischen Helden Nicolas Guerlain schafft Cors eine Figur, die zwischen toughem Personenschützer und empathischem Ermittler changiert. Guerlain, an dessen unbeweglicher Miene jegliche Emotion abzuperlen scheint, leidet insgeheim an der Trennung von seiner großen Liebe Julie. Diese Melancholie nimmt geradezu obsessive Formen an, die Nicolas nur mit pharmazeutischen Mitteln in Schach halten kann. Und selbst dann bleibt er erratisch, lässt sich durch Trugbilder ablenken. In einer Schlüsselszene führt es dazu, dass er seinem Schützling, dem unsympathischen Minister Faure, aus Versehen den sogenannten Kevlar, einen zum Koffer gefalteten Schutzschild, in die Weichteile rammt.
Abgesehen davon, weist er unerwartete Stärken auf: Dass Nicolas eine präzise Beobachtungsgabe besitzt, ist zum Teil auch seiner Schulung als Personenschützer zuzuschreiben, doch er zieht aus diesen Beobachtungen erstaunliche Schlüsse, was nicht zuletzt an seiner überraschenden Feinfühligkeit liegt. Nicolas ist kein Gerechtigkeitsfanatiker, er versucht lediglich, verhängnisvolle Taten zu verhindern. Zusammen mit der nassforschen Polizei-Praktikantin Claire bildet er ein Ermittlerteam, das ungleicher nicht sein könnte und sich doch geradezu symbiotisch ergänzt. Von beiden trennt man sich am Ende des Buches nur ungern.

Über den Autor

Benjamin Cors ist politischer Fernsehjournalist und hat viele Jahre für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtet. Heute arbeitet er als landespolitischer Korrespondent für den SWR. Er ist Deutsch-Franzose und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht.