Todesrauscher
Uli Aechtner

Todesrauscher

Emons Verlag

Taschenbuch
März 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783954517893
10,90 € [D], 11,30 € [A]
Sonderpreis 0,– €
     
Hauptkommissar Christian Bär steht vor einem Rätsel. In einer Apfelweinkelterei ist ein Arbeiter im Most ertrunken. Was hat ihn bewogen, kurz vor dem Abfüllen in den Tank zu kriechen – und wer hat hinter ihm die Luke verschlossen? In seine Ermittlungen pfuscht die dralle rothaarige Reporterin Roberta Hennig hinein. Bär weiß nicht, ob er sie lieben oder umbringen soll. Noch bevor er das herausfinden kann, geschieht der nächste Apfelweinmord.
Uli Aechtner

Uli Aechtner

Uli Aechtner ist TV-Journalistin, nebenbei schreibt sie Krimis und Kurzgeschichten. Erste Kriminalromane von ihr erschienen bei Rotbuch, die S. Fischer Verlage legten frühe Aechtner-Krimis 2015 als E-Books neu auf. Die Autorin lebt in der Wetterau, einem schönen Flecken, der sie zu mythischen Morden inspirierte.

Empfehlung der Woche

Todesrauscher ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 23. Mai 2016.

Kritikerstimmen

Zwar sind dem Essen und Trinken mit Äpfeln keine Grenzen gesetzt und der Kultur des "Schoppe petzen" wird in den Traditionslokalen Sachsenhausens und den urigen Straußenwirtschaften der Wetterau in geselligen Runden gefrönt, doch die Opfer in Uli Aechtners Roman lernen die andere, dunkle Seite des klassischen Kultgetränkes sowie brachiale Methoden von Konkurrenten kennen.
Frankfurter Neue Presse

Neben der Aufklärung des Verbrechens hat Uli Aechtner so etwas wie einen zweiten Roten Faden geschaffen: Die Geschichte des Apfelweins und allerlei höchst Wissenswertes. Dabei hat es die Autorin geschickt vermieden, einen klischeebeladenen "Apfelweinkrimi" zu schreiben. (...) Todesrauscher ist ein spannend geschriebener Krimi, den nicht nur Kenner der Region und Freunde des Apfelweins lesen sollten.
meine-kommissare.de

Drei Fragen an Uli Aechtner

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Ich brauche einfach ein bisschen Aufregung in meinem Leben. Und beim virtuellen Morden kann man das haben, ohne gleich mit einem Fuß im Knast zu stehen. Außerdem macht mir das Recherchieren Spaß, dabei kann ich meine grenzenlose Neugierde stillen.
  
Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Da habe ich inzwischen den Überblick verloren. Aber es war viel Schönes dabei. Vom Ertränken im Apfelwein über Hinrichtungen nach keltischen Brauch bis hin zum Erstickungstod durch Versilbern der nackten Haut. Ach ja, das Erdrosseln mit einem Dior-Body war auch nicht schlecht.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich werde es das nächste Mal noch geschickter anstellen.

Leseprobe

Herman Rabe liebte die Tanks. Still und behäbig lagen die Riesen nebeneinander im Keller, wo sie den ganzen Raum ausfüllten. Wie drei helle, gestrandete Wale. Elegant und futuristisch sahen sie aus, obwohl sie über ein halbes Jahrhundert alt waren. Es waren U-Boot-Druckkörper aus dem Zweiten Weltkrieg, zweckentfremdet für höchst friedliche Zwecke. Seit vielen Jahren kam der Süße hinein, der frisch gepresste Saft, aus dem später der Apfelwein werden sollte.
Liebevoll tätschelte Rabe das rechte Monstrum, bevor er sein Ohr an die Wandung legte. Arbeiter hatten in den vergangenen Tagen immer wieder Geräusche gemeldet, die aus dem Tank zu kommen schienen. Ein unregelmäßiges Klopfen. Als würde im Inneren jemand gegen den Stahl treten.
»Der Geist des U-Boot-Kapitäns«, hatte Rabe anfangs geunkt. »Er findet selbst im Most keine Ruhe.«
Ein kleiner Scherz, nichts weiter. Die Druckkörper waren nie im Einsatz gewesen, die Firma hatte sie quasi jungfräulich erstanden. Und an Geister glaubte Herman Rabe schon gar nicht. Doch je öfter ihm seine Arbeiter von den seltsamen Morsezeichen berichtet hatten, desto unruhiger war er geworden. Jetzt war er fest entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Gelegenheit war günstig. Der Saft hatte sich nun in Wein verwandelt, und das Meiste war schon abgefüllt. Nur noch hüfthoch stand der Rest in dem riesigen Tank.
Rabe öffnete die seitliche Luke. Dazu musste er ein großes Kreuz aufdrehen und die Tür nach innen schieben. Sofort stieg ihm der fruchtig-säuerliche Geruch des Apfelweins in die Nase, und er atmete instinktiv flacher. Andächtig lauschte er in den dunklen Bauch des Tanks. Ein leises Gluckern war zu hören, letzte feine Bläschen stiegen hier und da knisternd an die Oberfläche. Und dann vernahm auch er es. Ein dumpfes Klopfen, als würde im Inneren des Tanks etwas gegen die Wand treiben.
Rabe reckte seine Lampe in die Luke und sah in den Tankkörper. Ein ovaler See breitete sich vor ihm aus. Still und undurchdringlich lag er da. Nur dort, wo der Lichtschein entlangglitt, leuchtete er wie pures Gold.
Doch halt, was war das?
Sein Herz setzte einen Schlag lang aus, der Atem stockte ihm, und für einen Moment wurde ihm flau. Direkt unter der Luke, ganz dicht vor ihm und zum Greifen nah, waberte ein Gesicht knapp unter der Oberfläche.
»Tu mir das nicht an, Kapitän«, flüsterte Rabe erstickt.