Die Farben der Welt

Die Farben der Welt

Historischer Roman

Gmeiner Verlag

442 Seiten, Premiumklappenbroschur
1.. Auflage, Juli 2022
ISBN 9783839202500
16,– € [D]
     

Nürnberg, 1591. Als die 10-jährige Ida zur Vollwaise wird, nimmt ihr Onkel, Apotheker Basilius Besler, sie bei sich auf und schickt sie zur Schule, wo sie sich mit der reichen Kaufmannstochter Luisa Imhoff anfreundet. Doch Ida erfährt auch Ablehnung und Missgunst von anderen Mitschülerinnen. Während Ida die Liebe zur Malerei entdeckt, bleiben zwei junge Männer von ihrem Herzen nicht unbemerkt. Doch sie kann sich zwischen den beiden nicht entscheiden. Schließlich befolgt Ida den Rat ihres Lehrmeisters, Maler Wenzel Straub, Nürnberg zu verlassen und in Florenz an der Accademia delle Arti del Disengo zu studieren, wo sie die berühmte Malerin Artemisia Gentileschi kennenlernt. Als Ida nach Jahren zurückkehrt, erhält sie vom Eichstätter Fürstbischof den Auftrag, Zeichnungen für den Prachtband »Hortus Eystettensis« anzufertigen – eine große Ehre. Doch die früheren Mitschülerinnen machen ihr erneut das Leben schwer. Eifersucht, Neid und Lügen sind die Kettenglieder einer bösen Intrige, die Ida zu Fall bringt und den Bruch mit Luisa heraufbeschwört. Ida landet nicht nur im Lochgefängnis, sondern schwebt auch in Lebensgefahr.

Biggi Rist

Biggi Rist

Johanna von Wild ist das Pseudonym von Biggi Rist, geb. in Reutlingen. Schon 7-jährig schrieb sie eigene Geschichten auf der Schreibmaschine, eine wurde veröffentlicht. Nach Besuch des Gymnasiums Ausbildung zur PTA an der Naturwissenschaftlich-Technischen Akademie in Isny/Allgäu. 15 Jahre tätig in der medizinischen Labordiagnostik, sowie in der Forschung, und Co-Autorin wissenschaftlicher Publikationen. Von 1993-1995 lebte sie in Melbourne/Australien. Seit 2005 wohnt die Baden-Württembergerin in Niedersachsen. 2007 Zusatzausbildung zur Pferdephysiotherapeutin. Familie: ein Mann, ein Pferd und keine Kinder. ´Schwanensterben` war ihr Debutroman, den sie gemeinsam mit Liliane Skalecki unter ihrem Realnamen im Gmeiner Verlag 2012 veröffentlichte. Danach erschienen 6 weitere Krimis und zahlreiche Kurzgeschichten, bevor sie zum Genre des historischen Romans wechselte. Seither schreibt die Autorin unter dem Pseudonym Johanna von Wild. Bereits ihr 2. Roman "Der Getreue des Herzogs" wurde für den Goldenen Homer 2021 nominiert, ebenso wie Nummer 3, Der Pfeiler der Gerechtigkeit", der aktuell auf der Shortlist steht.

Gewinnspiel

Zu gewinnen gibt es zweimal je eine signierte Ausgabe von Die Farben der Welt.

Gewinnfrage:

Welcher italienische Maler des Frühbarocks beeinflusste die Künstlerin Artemisia Gentileschi sehr?

Antwort bitte bis spätestens 18. August 2022 über das Kontaktformular meiner website www.johanna-von-wild.de

Interview der Autorin mit der SYNDIKATS-Redaktion

Warum bist du im SYNDIKAT?

Weil man hier immer gute Antworten auf alle möglichen Fragen rund um das Schreibhandwerk bekommt.           

Dein Lieblingswort?

hurtig           

Dein Sehnsuchtsort?

Australien           

Dein Lieblingsgetränk?

Primitivo di Manduria           

Deine Lieblingszeit der Geschichte

Renaissance/Frühbarock      

Was möchtest du in der Welt gerne ändern?

Frieden und Freiheit für alle Menschen      

Was soll so bleiben wie es ist?

Mein Leben und das derer, die ich liebe        

Wen würdest du am allerliebsten ermorden?
Mache mir die Hände nicht schmutzig, aber ich wüsste einige…

Deine persönlich meist gehasste Frage?
Ist Schreiben ein Hobby von Ihnen?

Leseprobe

Beschwingt ging Ida nach St. Egidien, das Überkleid gerafft, damit es nicht im Straßendreck schleifte. Eine Kutsche hielt vor der Kirche, und Alfred half Luisa heraus. Das Pferd äpfelte, und der Kotgeruch stieg Ida in die Nase, als sie sich näherte. 

„Luisa, Luisa“, rief sie aufgeregt und lief schneller. Ihre honigblonden Zöpfe mit den eingeflochtenen grünen Bändern wippten wie Peitschen auf ihren Schultern. Die Kutsche rollte davon, und Luisa drehte den Kopf in Idas Richtung. 

„Oh, wie hübsch du bist, das Kleid ist wunderschön“, freute sie sich und klatschte begeistert in die Hände. 

„Grün, wie der Frühling“, vernahm Ida Paula Nützels Stimme hinter sich. 

„Oder wie das Gras, das die Pferde fressen, nur kommt es hinten braun raus.“ Wo Paula war, war Elisabeth Welser nicht weit. 

„Und hier steckt der braune Dreck im grünen Kleid.“ Paula und Elisabeth wollten sich vor Lachen ausschütten. 

 „Lass sie reden“, raunte Luisa und fasste warnend nach Idas Hand. 

„Aber, du kennst das, nicht wahr, Gersterin? Dein Vater hat sicher immer nach verbranntem Hufhorn und Pferdemist gestunken. Vielleicht hat das Ross, das ihn totgetreten hat, ihn deswegen für einen anderen Hengst gehalten“, spottete Paula verächtlich, woraufhin Elisabeth erneut losprustete. Blitzschnell riss Ida sich wutentbrannt von Luisa los, bückte sich nach den Pferdeäpfeln und warf. Eine Handvoll traf Paula ins Gesicht, die andere landete auf Elisabeths Brust. Wenige Augenblicke später rangelten sich die drei Mädchen auf dem Boden, kreischten und zogen sich an den Haaren. 

„Hört auf, so hört doch auf“, schrie Luisa entsetzt, aber keines hörte auf sie. Um sie herum scharten sich immer mehr Kinder, feuerten die Streithähne an. Luisa packte Ida am Ärmel, der hörbar zerriss, und versuchte, sie von den anderen zu trennen, als plötzlich Neudörffers Stimme donnerte: „Auseinander! Auf der Stelle!“ 

Die drei ließen voneinander ab, tauschten hasserfüllte Blicke. Ida sah an sich hinunter, das neue Kleid war ruiniert. 

 

Florenz – Jahre später

 „Ich kann Euch führen, wenn Ihr wollt.“ Er zeigte auf sich, dann auf Ida und deutete nach Südwesten. Einen Augenblick zögerte sie, doch dann stimmte sie zu. Ohne ihn würde sie weiter herumirren und vielleicht bis zum Einbruch der Dunkelheit noch keine Kammer gefunden haben. Der Mann führte sie durch immer enger werdende Gassen, bog mal links, mal rechts ab, und bald hätte Ida nicht mehr sagen können, wo sich der Dom befand. Schließlich blieb er vor einem heruntergekommenen Haus stehen, öffnete die Tür und ließ sie an sich vorbei ins Innere treten. Eine einsame Öllampe versuchte die darin herrschende Düsternis zu durchdringen. Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss.  

„Salire, salire“, hörte sie ihn hustend sagen. Dann drängte er sich an ihr vorbei, hob die Lampe, die er von der Wand genommen hatte, damit ihr Schein auf eine Treppe fiel. „Salire, salire“, wiederholte er und zeigte zu den Stufen. Ida begann sich unwohl zu fühlen. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, einem Wildfremden zu folgen? Ihre Müdigkeit und der Wunsch nach einem Bett hatten sie sorglos werden lassen.

„Nein, ich möchte wieder gehen“, antwortete sie mit fester Stimme und strebte der Tür zu. Mit einer Behändigkeit, die sie ihm nicht zugetraut hätte, fuhr er herum, fasste grob nach ihrer Hand und riss sie zurück. 

„Was fällt dir ein?“, rief Ida schrill und versuchte sich aus seinem eisernen Griff herauszuwinden. Hart schlug er sie ins Gesicht. Ida schrie vor Schmerz auf, und im selben Moment kam jemand die Treppe heruntergepoltert. 

„Was zum Teufel tust du da, Salvatore?“, drang eine tiefe Stimme an ihre Ohren. „Nimm deine verdammten Finger von ihr.“ 

Abrupt ließ Salvatore ihre Hand los und wich vor dem Neuankömmling zurück. Ein großgewachsener Mann, dessen Füße in teuren Stiefeln steckten, wie Ida im faden Lichtschein erkennen konnte. Es entspann sich ein kurzes Wortgefecht zwischen ihm und Salvatore, währenddessen Ida die Chance nutzte und sich unauffällig der Tür näherte. Gerade als sie diese öffnen wollte, wurde sie von draußen aufgestoßen, sodass Ida zurückweichen musste. Grelles Gelächter ertönte, gefolgt von seiner Besitzerin, einer auffällig gekleideten Frau, an deren Arm ein angetrunkener Mann hing. 

„Gleich kannst du aus deinen Hosen raus“, gurrte die Frau mit dem tiefausgeschnittenen Kleid und fasste ihrem Begleiter in den Schritt. Ida schoss die Röte ins Gesicht, und entsetzt dämmerte es ihr, wo sie gelandet war. In einem Hurenhaus. Salvatore war wohl der Mädchenfänger und der Stiefelmann der Hurenwirt. In dem engen Gang herrschte nun Gedränge.  

„Uhh, was haben wir denn hier für ein hübsches Ding?“, säuselte die Hure, die Ida erst jetzt wahrnahm. „Jung und zart und bestimmt noch Vergine.“ 

Leseprobe:

Florenz.

da kehrte um und schlug den Weg zurück zum Dom ein. Während sie dahinschritt, musterten ihre Augen die angrenzenden Gebäude, hofften, das Schild eines Wirthauses zu erhaschen, doch ohne Erfolg. Sie beschloss, rechts in eine Gasse abzubiegen, bestimmt würde ihr das Glück abseits des großen Domplatzes eher beschieden sein. Ein langgestrecktes Gebäude mit einer Bogenreihe und einer mehrstufigen Treppe erweckte ihre Aufmerksamkeit. Ida blieb stehen, sah nach oben zu den Bogenzwickeln und entdeckte zwischen jeden von ihnen aufgebrachte blau-weiße Medaillons, die kleine, gewickelte Kinder zeigten. Sie erkannte, dass sie vor einem Findelhaus stand. Einem prachtvollen, wohlgemerkt.
„Kann ich Euch helfen?“, sprach sie ein schäbig gekleideter Mann lächelnd an. Sein unangenehmer Geruch ließ sie ein wenig von ihm abrücken.
„Ich bin auf der Suche nach einer Herberge“, brachte sie stockend hervor.
Er deutete nach oben zu den Medaillons und lachte meckernd: „Dort könnt Ihr nicht unterkommen. Aber ich kann Euch führen, wenn Ihr wollt.“ Er zeigte auf sich, dann auf Ida und deutete nach Südwesten.
Einen Augenblick zögerte sie, doch dann stimmte sie zu. Ohne ihn würde sie weiter herumirren und vielleicht bis zum Einbruch der Dunkelheit noch keine Kammer gefunden haben. Der Mann führte sie durch immer enger werdende Gassen, bog mal links, mal rechts ab, und bald hätte Ida nicht mehr sagen können, wo sich der Dom befand. Schließlich blieb er vor einem heruntergekommenen Haus stehen, öffnete die Tür und ließ sie an sich vorbei ins Innere treten. Eine einsame Öllampe versuchte die darin herrschende Düsternis zu durchdringen. Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss.
„Salire, salire“, hörte sie ihn hustend sagen. Dann drängte er sich an ihr vorbei, hob die Lampe, die er von der Wand genommen hatte, damit ihr Schein auf eine Treppe fiel. „Salire, salire“, wiederholte er und zeigte zu den Stufen.
Ida begann sich unwohl zu fühlen. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, einem Wildfremden zu folgen? Ihre Müdigkeit und der Wunsch nach einem Bett hatten sie sorglos werden lassen.
„Nein, ich möchte wieder gehen“, antwortete sie mit fester Stimme und strebte der Tür zu. Mit einer Behändigkeit, die sie ihm nicht zugetraut hätte, fuhr er herum, fasste grob nach ihrer Hand und riss sie zurück.
„Was fällt dir ein?“, rief Ida schrill und versuchte sich aus seinem eisernen Griff herauszuwinden.
Hart schlug er sie ins Gesicht. Ida schrie vor Schmerz auf, und im selben Moment kam jemand die Treppe heruntergepoltert.
„Was zum Teufel tust du da, Salvatore?“, drang eine tiefe Stimme an ihre Ohren. „Nimm deine verdammten Finger von ihr.“
Abrupt ließ Salvatore ihre Hand los und wich vor dem Neuankömmling zurück. Ein großgewachsener Mann, dessen Füße in teuren Stiefeln steckten, wie Ida im faden Lichtschein erkennen konnte. Es entspann sich ein kurzes Wortgefecht zwischen ihm und Salvatore, währenddessen Ida die Chance nutzte und sich unauffällig der Tür näherte. Gerade als sie diese öffnen wollte, wurde sie von draußen aufgestoßen, sodass Ida zurückweichen musste. Grelles Gelächter ertönte, gefolgt von seiner Besitzerin, einer auffällig gekleideten Frau, an deren Arm ein angetrunkener Mann hing.
„Gleich kannst du aus deinen Hosen raus“, gurrte die Frau mit dem tiefausgeschnittenen Kleid und fasste ihrem Begleiter in den Schritt.
Ida schoss die Röte ins Gesicht, und entsetzt dämmerte es ihr, wo sie gelandet war. In einem Hurenhaus. Salvatore war wohl der Mädchenfänger und der Stiefelmann der Hurenwirt. In dem engen Gang herrschte nun Gedränge.
„Uhh, was haben wir denn hier für ein hübsches Ding?“, säuselte die Hure, die Ida erst jetzt wahrnahm. „Jung und zart und bestimmt noch Vergine.“