Der Pfeiler der Gerechtigkeit

Der Pfeiler der Gerechtigkeit

Historischer Roman aus dem Würzburg des 16. Jahrhunderts

Gmeiner Verlag

474 Seiten, Premienklappenbroschur
1. Auflage, Juli 2021
sofort lieferbar
EAN 3839200121
16,– € [D], 16,50 € [A]
     

Würzburg 1574: Durch Zufall landet das Rosinenbrot des Bäckerlehrlings Simon, das eigentlich für das Mädchen seines Herzens, die Apothekertochter Julia, bestimmt war, auf dem Teller des mächtigen Fürstbischofs Julius Echter.  Dieser hat nur eine einzige Schwäche, die er sich zudem äußerst selten zugesteht: Süßgebäck.

Simon hat es schwer bei seinem gewalttätigen Stiefvater und dessen gehässigen Sohn Wulf. Als die Streitigkeiten eskalieren, muss er Würzburg verlassen und erlernt im fernen Venedig die Kunst der Zuckerbäckerei. Jahre später kehrt er zurück, übernimmt die Backstube des Juliusspitals und gewinnt die Zuneigung des unnahbaren Fürstbischofs. Doch Wulf setzt alles daran, ihm zu schaden. Als durch Zufall das Testament von Simons leiblichem Vater auftaucht, erfährt der junge Bäcker, dass er um sein Erbe betrogen wurde. Vor Gericht kämpft er um das Vermächtnis seines Vaters und löst damit eine Lawine des Unheils aus, die alle, die ihm lieb und teuer sind, zu verschlingen droht...

 

Biggi Rist

Biggi Rist

Johanna von Wild ist das Pseudonym von Biggi Rist, geb. in Reutlingen. Schon 7-jährig schrieb sie eigene Geschichten auf der Schreibmaschine, eine wurde veröffentlicht. Nach Besuch des Gymnasiums Ausbildung zur PTA an der Naturwissenschaftlich-Technischen Akademie in Isny/Allgäu. 15 Jahre tätig in der medizinischen Labordiagnostik, sowie in der Forschung, und Co-Autorin wissenschaftlicher Publikationen. Von 1993-1995 lebte sie in Melbourne/Australien. Seit 2005 wohnt die Baden-Württembergerin in Niedersachsen. 2007 Zusatzausbildung zur Pferdephysiotherapeutin. Familie: ein Mann, ein Pferd und keine Kinder. ´Schwanensterben` war ihr Debutroman, den sie gemeinsam mit Liliane Skalecki unter ihrem Realnamen im Gmeiner Verlag 2012 veröffentlichte. Danach erschienen 6 weitere Krimis und zahlreiche Kurzgeschichten, bevor sie zum Genre des historischen Romans wechselte. Seither schreibt die Autorin unter dem Pseudonym Johanna von Wild.

2019 erschien "Die Erleuchtung der Welt", ein Jahr später "Der Getreue des Herzogs", der für den Goldenen Homer 2021 nominiert wurde. Im Juli 2021 ist "Der Pfeiler der Gerechtigkeit" erschienen, ein viertes Manuskript ist fertiggestellt.

Gewinnspiel in der Woche vom 11.10.21 bis 17.10.21

Auf meiner website könnt ihr am Gewinnspiel teilnehmen, bei dem ihr 1 signiertes Exemplar von "Der Pfeiler der Gerechtigkeit" ergattern könnt. www.johanna-von-wild.de

Interview mit der Redaktion des SYNDIKATS

Wo schreibst du am liebsten?

Antwort:     zuhause      

Dein Sehnsuchtsort?

Antwort:    Australien       

Wo findest du Ruhe?

Antwort:    zuhause       

Wo Aufregung

Antwort:    unterwegs durch Deutschlands schöne Städte und Landschaften    

Deine persönlich meist gehasste Frage?

Antwort:   Ist Schreiben nur ein Hobby?       

Leseprobe

„Simon, dein Vater …“

„Mein Stiefvater.“

Anna wischte den Einwand mit einer Handbewegung unwirsch beiseite. „… ist außer sich. Du beschämst ihn als Meister, sagt er, wenn du den Zunftmeister um Anstellgut bitten musst, weil du nicht aufgepasst hast.“

„Wer nicht aufgepasst hat, ist Wulf. Er hat den Sauerteigansatz aufgebraucht, nicht ich“, erwiderte Simon und schlang den Brei hinunter.

„Wulf ist kein Lehrling“, entgegnete seine Mutter, „er weiß, dass das nicht geschehen darf.“

„Ach, ist das so? Nur weil ich in die Lehre gehe, bin ich an allem schuld, was dieser Taugenichts falsch macht? Melchior sollte ihm mal die Ohren lang ziehen. Es vergeht kein Tag, an dem Wulf nicht irgendeinen Fehler macht. Zudem ist er faul und hochfahrend“, schleuderte Simon ihr wütend entgegen.

„Das glaube ich nicht. Wulf ist höflich und fleißig und bei der Zunft sehr beliebt. Du solltest dankbar sein, dass du solch eine Familie hast.“

Simon war fassungslos. War seine Mutter so blind, oder wollte sie die Wahrheit nicht wissen?

„Glaub, was du willst, Mutter, ich weiß es besser. Und wenn Melchior sich weniger in den Wirtshäusern und mehr in der Backstube aufhalten würde, wüsste er es auch.“ Mit diesen Worten ließ er sie stehen und ging zurück in die Backstube, wo Wulf gerade dabei war, Laibe zu formen. Wie immer gab er sich nicht sonderlich Mühe, gleichmäßige Laibe zustande zu bringen.

„Los, sieh nach der Glut und rühr sie durcheinander, damit der Ofen eine gleichmäßige Hitze bekommt“, blaffte Wulf ihn an.

„Sieh doch selbst nach.“

Wulf trat drohend auf ihn zu. „Willst du Prügel? Kannst du haben.“ Er hatte kaum ausgesprochen, als seine Faust Simon am Kinn traf und ihn an die Wand schleuderte.

Simon schüttelte sich und ging mit gesenktem Kopf auf Wulf los, rammte ihm seinen Schädel in die Magengrube und schlug ihm mit der geballten Rechten in die Nierengegend. Sein Stiefbruder sackte zusammen und krümmte sich vor Pein. Just in diesem Augenblick erschien Meister Bernbeck. Mit einem Wutschrei packte er Simon am Kragen und prügelte auf ihn ein. Simon riss die Hände nach oben, um seinen Kopf zu schützen. Erst als er mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden lag, ließ Bernbeck von ihm ab, jedoch nicht ohne ihm zuvor noch einen Tritt zu verpassen.

„Verfluchter Bengel! Totschlagen sollte ich dich wie einen räudigen Hund!“, spie Bernbeck aus. „Wulf, mein guter Junge, ist alles in Ordnung mit dir?“

„Mein Bauch schmerzt. Wie gut, dass du rechtzeitig gekommen bist. Wer weiß, ob er mich nicht umgebracht hätte.“

„Weswegen seid ihr in Streit geraten?“

„Ich habe ihn gebeten, nach der Glut im Ofen zu sehen, weiter nichts. Und plötzlich hat er auf mich eingeschlagen.“

Melchior Bernbeck schüttelte den Kopf. „Geh ins Haus und ruh dich etwas aus. Ich werde Simon die Flausen schon austreiben.“

Als Wulf verschwunden war, schnappte Bernbeck seinen Stiefsohn am Arm und riss ihn in die Höhe.

„Du wirst heute und morgen allein arbeiten. Die Maifeier der Zünfte kannst du vergessen, du bleibst hier. Und wehe dir, die Brote für den Fürstbischof sind nicht von allerhöchster Güte. Hast du mich verstanden?“

Simon nickte schwach, sein Kopf dröhnte, und ihm wurde speiübel. Nur mit Mühe unterdrückte er den Brechreiz. Bernbeck warf ihm noch einen warnenden Blick zu, bevor er mit zorngerötetem Gesicht die Backstube verließ.

Morgen würde Simons Körper mit blauen Flecken übersät sein und ihm noch mehr Schmerzen bereiten als jetzt. Es war nicht das erste Mal, dass sein Stiefvater ihn windelweich prügelte. Mehr denn je wünschte sich Simon, die Lehrzeit ginge endlich zu Ende. Doch davon war er noch weit entfernt.

Spät in der Nacht wurde Simon plötzlich aus dem Schlaf gerissen. Melchior packte ihn an den Haaren und schleuderte ihn gegen die Wand. Bevor Simon sich aufrappeln konnte, war der Bäckermeister über ihm und schlug ihm die Faust ins Gesicht. Er hörte seine Nase krachen, Blut schoss heraus. Ein Schlag in den Bauch ließ ihn sich zusammenkrümmen, gefolgt von einem Tritt in die Nieren. Ein lauter Schrei entfuhr ihm, und die Esel begannen, unruhig zu wiehern. Weitere Schläge und Tritte hagelten auf ihn ein. Melchior Bernbeck war rasend vor Zorn.

„Merk dir ein für alle Mal: Nie wieder wirst du dich in meinem Haus so benehmen!“

Er schlägt mich tot, fuhr es Simon durch Kopf.

Der nächste Hieb ließ alles schwarz werden.

 

Leseprobe:

1550 Schloss Mespelbrunn, Spessart

Der sechsjährige Julius stand mit gesenktem Kopf vor seinem Vater im Jagdzimmer des Schlosses und weinte. die ausgestopften Köpfe der erlegten Hirsche, Böcke und Keiler an den Wänden schienen anklagend auf ihn herunterzustarrten.

"Hör auf zu weinen. Du entäuschst mich, mein Sohn. Es war dir verboten, Arkan mit in den Wald zu nehmen, und trotzdem hast du es getan. Wenn er stirbt, ist es deine Schuld, nicht die des Keilers. Dem Herrn sei Dank, dass unser Forstmeister auch heilkundig ist und weiß, wie man verletzte Tiere behandelt. Doch trotzt seiner Kunst liegt es allein in Gottes Hand, ob Arkan überlebt."

Nachdem sein Vater ihn entlassen hatte, ging Julius zur Kapelle, die sich im kleineren der beiden Schlosstürme befand. Julius kniete sich in eine der Gebetbänke, auf deren hölzerner Front das  Echterwappen prangte. Das durch die Glasfenster fallende Sonnenlicht erleuchtete die winzige Kapelle und tauchte die farbigen Heiligenbilder an der Gewölbedecke in warmes Licht. Stumm betete der Junge zum Allmächtigen, er möge ihm vergeben und Arkan wieder gesund werden lassen. Gelobte, sich fortan um Schwächere und weniger Begünstigte zu kümmern. Zeit seines Lebens.  Sein Vater hatte ihm mehr als deutlich  gemacht, was er von ihm erwartete. Er, Julius, sei der Kirche versprochen und solle ein würdiger Diener Gottes werden. Ein Pfeiler des Glaubens auf dem Fundament der Nächstenliebe - das waren sein Worte gewesen.

Irgendwann erhob sich Julius und verließ die Kapelle. Traurig und mit hängenden Schultern schlich er durch die Gänge. "Julius, was ist mit dir?" Plötzlich stand er vor Christina Alberdinen. Die zwergenhafte Magd mit ihrer verwachsenen Schulter war die gute Seele auf Mespelbrunn und wurde von allen geliebt. Julius begann zu schluchzen und stürzte sich in Christinas Arme. Sie drückte ihn an ihren üppigen Busen und führte ihn, nachdem er sich beruhigt hatte, in die Schlossküche. Von einem duftenden frisch gebackenen Brot, gefüllt mit Nüssen und Rosinen, schnitt sie zwei dicke Scheiben ab, setzte sich an den Tisch und nahm Julius auf den Schoß. Während der Junge von seinem Ungehorsam, den Geschehnissen im Wald und von seiner Angst um den jungen Hund berichtete, brach Christina immer wieder ein kleines Stückchen Brot ab und schob es ihm in den Mund, wenn er ins Stocken kam. Am Ende war das himmlisch schmeckende Brot aufgegessen und Julius voller Zuversicht, Arkan werde wieder gesunden. Schläfrig legte er seinen Kopf an Christinas Schulter und murmelte: "Wie nennt man dieses Brot?"

"Ich nenne es Seelenbrot", antwortete die Magd und strich ihm sanft über den blonden Schopf. "Es ist mit Liebe gebacken."