Kalter Strand
Anette Strohmeyer

Kalter Strand

Tom Skagens erster Fall

Gmeiner Verlag

Tom Skagens erster Fall [1]

473 Seiten, Taschenbuch, Klappenbroschur
1.. Auflage, März 2019
sofort lieferbar
ISBN 9783839224250
16,– € [D]
     

Ringkøbing Fjord an der dänischen Westküste - ein Psychopath hat es auf deutsche Urlauber abgesehen und treibt ein mörderisches Spiel mit ihnen. Der erste Fall für Tom Skagen von der Sondereinheit Skanpol für grenzübergreifende Fälle.

Hinter dem Pseudonym Anne Nørdby verbirgtr sich die Krimi-Autorin Anette Strohmeyer.

Anette Strohmeyer

Die Autorin Anette Strohmeyer ist 1975 in Göttingen geboren und lebt und arbeitet seit 2018 in Kopenhagen. Sie schreibt Krimis, Thriller und Hörspiele. Viele Jahre verbrachte sie in Skandinavien, Neuseeland und den USA. Ihre Erfahrungen verarbeitet sie in den internationalen Settings ihrer Romane. Auch nahm die Autorin an verschiedenen Writers‘ Rooms teil, in denen sie gemeinsam mit anderen Autoren Serienstoffe und -konzepte entwickelte.

Anette Strohmeyer schreibt auch unter den Pseudonymen:

Anne Nørdby (Skandinavien-Krimi)

A.P. Sterling (Dark-Fantasy)

Noah Alexander ( Action-Thriller - zusammen mit Martin Conrath, Sabine Klewe, Ralf Pingel und Markus Stromiedel)

Kalter Strand ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 22. Juli 2019.

Drei Fragen an Autorin Anne Nordy

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?

Es ist so, es gibt zweierlei Typen von Menschen. Die einen blicken auf eine schöne Landschaft und denken: "Oh, wo kann sich das Liebespaar küssen in dieser wundervollen Kulisse?" Und dann gibt es die, die denken: "Oh, wo kann ich da die Leiche deponieren?" - Ich gehöre defintiv zur letzteren Gruppe.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?

Hm, ehrlich gesagt, habe ich da keine Präferenzen. Es wird immer mit dem Utensil gemordet, das am besten zur Geschichte passt. Das geht dann vom Messer über die bloßen Hände bis hin zur Bombe. Ich persönlich würde aber eine Pistole bevorzugen, die macht irgendwie Eindruck. Bei uns in Deutschland zumindest.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?

Wie oben schon erwähnt, kann ich nicht anders. Das Morden liegt mir einfach im Hirn, äh, Blut.

Rezensionen

"Kalter Strand ist mit verschiedenen Handlungssträngen und zahlreichen Personen gehaltvoller Lesestoff, dabei gut verknüpft, spannend und logisch erzählt, bis zum überraschendem Ende. Kriminfans, was wollt Ihr mehr."
Lokalkompass.de

Leseprobe:

Freitag, 21. Oktober

Markus sieht auf die Uhr. Zum wievielten Mal weiß er nicht. Und eigentlich ist es auch egal, wie spät es ist. Jetzt zählt nur das Eine.
Er blickt zum dunklen Fenster des Ferienhauses hinüber, das aussieht, als würde es vom herabhängenden Reetdach verschluckt werden. Die Lichter dahinter sind vor gut einer Stunde erloschen, die Familie ist längst zu Bett gegangen. Vater, Mutter und drei Kinder. Das Auto, ein schwarzer VW-Bus, steht vor dem Haus. Deutsches Kennzeichen, Aufkleber mit den Namen der Kinder auf dem Heck. Hannes, Maja und Celine.
Markus fröstelt. Aber nicht nur wegen des Windes, der erneut auffrischt. Der dünne Danebrog am Fahnenmast neben dem Haus beginnt im Dunkeln zu flattern. Ablandiger Wind, denkt Markus abwesend. Sein Griff verkrampft sich um die Signalfackel in seiner Hand. Der Geruch von Benzin vermischt sich mit dem des Strandgrases und des Salzwassers vom Ringkøbing Fjord.
Wieder ein Blick auf die Uhr. Wieder ist es egal, was sie anzeigt. Der Zeitpunkt für das, was er tun muss, steht nicht auf dem Ziffernblatt. Den hat ein anderer bestimmt.
Markus betrachtet das Ferienhaus genauer. Ein weißes, langgestrecktes Gebäude mit wuchtigem Reetdach. In regelmäßigen Abständen streift der Lichtkegel des Leuchtturms das Haus, in der Ferne hört Markus ein Auto über den Holmsland Klitvej fahren. Das Rauschen nimmt zu und wieder ab und verstummt schließlich. Eine vage Erinnerung an eine Welt, die Markus längst verlassen hat. Eine Welt aus Straßen und Lichtern. Aus Städten und Häusern, in denen Menschen behaglich auf Sofas sitzen, in Räumen erfüllt vom bläulichen Leuchten der Fernsehgeräte, dem Duft des Abendessens und dem Knacken des Holzes im Kamin. Warmes Urvertrauen. Wie sehr er sich nach diesen unscheinbaren Alltäglichkeiten sehnt. Aber er steht draußen und sie sind da drinnen. Er harrt in der Kälte aus und sie schlafen in der Geborgenheit. Er wird sich nie mehr geborgen fühlen. Egal, wie dieser Tag ausgehen wird.
Markus hebt die Hand mit der Signalfackel. Bengalisches Feuer. Rot.
Er denkt an Fußballstadien, an Raketen zu Silvester. Kinderlachen.
Doch das hier ist anders. Das ist der Tod.
Er schraubt die Schutzkappe vom Anzündkopf der Fackel ab. Sein Herz schlägt kalt. Seine Finger zittern. Die Kappe fällt auf den Boden in die Lache aus Benzin. Vier Kanister hat er rund um das Haus und darüber ausgeschüttet. Es tröpfelt leise vom Dach, rinnt die Mauern hinab und sickert ins welke Gras.
Alles ist leicht und gleichzeitig so schwer.
Er muss nur die Fackel anzünden und fallen lassen. Nichts weiter. Das Benzin würde sein Übriges tun. Rasend schnell würde alles brennen. Das Reetdach. Das Haus. Die Familie darin.
So soll es sein.
Tod für Leben.
Keine Fragen nach dem Warum. Die sind ihm längst ausgegangen. Es gibt nur noch das Hier und das Jetzt. Das Drinnen und Draußen. Kalt und Warm. Feuer und Freiheit.
Markus zittert jetzt am ganzen Körper. Seine Kiefermuskeln verkrampfen sich, die Zähne knirschen. Der Benzindunst brennt in seinen Augen. Er widersteht dem Drang, erneut auf die Uhr zu sehen. Stattdessen blickt er sich ein letztes Mal um. Dunkle Ferienhäuser mit schlafenden Menschen darin, dahinter das ruhende Meer aus Dünen. Über ihm spannt sich der Sternenhimmel, von dem unzählige, kleine, mitleidslose Augen auf ihn herabsehen. Immer wieder wird die Nacht vom kreisenden Takt des Leuchtfeuers durchschnitten. Ein unermüdlicher Wegweiser für Seefahrer. Eine Warnung. Markus möchte loslaufen, selbst der Gefahr entkommen. Aber er weiß, dass es nichts nutzen würde. Es gibt kein Entkommen. Nicht für ihn.
Der Geschmack von Benzin legt sich auf seine Zunge. Er schluckt ihn herunter. Seine Kehle ist trocken, seine Muskeln in Armen und Beinen zucken unkontrolliert. Es wird schlimmer. Er muss es tun. Jetzt.
Rasch reißt er die Fackel an. Grell leuchtet sie auf. Qualm bildet sich und hüllt Markus in einen dichten Schleier, verdeckt für einen Moment die Sicht auf die Welt. Dann ist sie wieder da. Die Welt. Aber auch die Verzweiflung und der unbändige Wunsch nach Leben.
Der Wind treibt den Qualm in die Nacht hinaus. Markus beobachtet, wie er sich mit der Dunkelheit vereint.
Der Geschmack in seinem Mund ist jetzt ein anderer.
Es ist Angst.
Er muss es tun.
Bevor die Angst ihn wieder im Griff hat.
Er gibt seinen Fingern den Befehl, die glühende Fackel fallen zu lassen.