Am 30.04.2015 werden auf der großen Gala des Syndikats in Büsum die Preisträger für den Friedrich Glauser-Preis bekannt gegeben.

Hier schonmal zum Warmlesen die fünf Bücher mit den Geschichten, die für die Sparte "Kurzkrimi" 2015 nominiert wurden: Klaus Berndl Bad Herzenwerder (in: „Heute hier, morgen Mord“, S. Fischer Verlag) Ein Kriminalbeamter erholt sich auf Drängen seiner Frau in der Uckermark und kommt dabei einem Verbrechen auf die Spur, einer Verschwörung, der er letztlich zum Opfer fällt. Wie einzelne Puzzleteile legt Klaus Berndl verschiedene Dokumente und Briefe vor, aus denen sich langsam das Bild erschließt: von einem bedrückend-einsamen Kurort in der Nebensaison über die zwanghafte Persönlichkeit des Protagonisten bis zum überraschenden Ende. Die originelle Komposition und die teils sachliche, teils schmerzend pedantische Sprache, die den schwarzen Humor der Geschichte transportiert, machen diese Rachegeschichte so außergewöhnlich. .………………………………………………………………………………………………………………………………………… Roger M. Fiedler Killshot-App (in: „online ins jenseits“, Grafit Verlag) Ein Kurzkrimi über Facebook, das klingt auf den ersten Blick wenig originell. Mitnichten! Roger M. Fiedlers Protagonist ist ein krimineller Fiesling, der die Anonymität des Webs nutzt, um eine App zu konstruieren, die mittels massenhafter „Dislikes“ Kübel von Dreck über zuerst ahnungslose, dann verzweifelte User ausgießen kann. Ein Nerd, der ausschließlich in binären Codes denkt und seinen inneren Monolog in harter, mitleidloser Hackersprache führt. Bis seine destruktive App zurückschlägt und er selbst vom Peiniger zum Gepeinigten wird. „Anonymität ist der erste Schritt zum Hinterhalt!“ Mit dieser Warnung von Roger M. Fiedler ist eigentlich alles gesagt. Vorsicht ist geboten. .………………………………………………………………………………………………………………………………………… Christiane Geldmacher Fanpost (in: „online ins jenseits“, Grafit Verlag) Eine empfindsame Philosophenseele sucht eine andere – so scheint es jedenfalls am Anfang. Der Wittgenstein-Exeget Metz schreibt einen Fanbrief an den Journalisten Houbein. Doch der Tonfall des Briefs wird immer drängender, aufdringlicher, sein Inhalt immer distanzloser und unverschämter. Tatsächlich ist der Brief Beilage eines psychiatrischen Gutachtens, mit dem Houbein entlastet werden soll. Der hat eine nicht näher spezifizierte Bluttat an Metz begangen, dessen Annäherungsversuche quasi in einem Strudel des Irrsinns enden. Christiane Geldmacher thematisiert in „Fanpost“ nicht ohne Humor die fatalen Versuchungen einer kranken Seele im digitalen Zeitalter. Dabei erzählt sie in raffinierter Form und mit einigem intellektuellen Anspruch. .………………………………………………………………………………………………………………………………………… Elke Pistor Ziegengeschwister (in: "Ebbe, Flut und Todeszeiten", KBV Verlag Eine Frau auf der Reise in die eigene Vorgeschichte. Als Ermittlerin. Zu einem Gartenhaus, in dem in Tontöpfen säuberlich sortiert die Knochen von sechs Neugeborenen gefunden wurden. Das siebte Kind hat überlebt, wie das im Titel bereits angelegte wiederkehrende Märchenmotiv des siebten Geißleins suggeriert. Elke Pistor erzählt atmosphärisch dicht von der Annäherung an eine verdrängte Vergangenheit, dem Wiedereintauchen in ein trostloses Töwerland, in die Wortlosigkeit einer kaputten Kindheit, vom Ende einer vergeblichen Flucht. Die eindringliche Du-Erzählform unterstreicht die Zerrissenheit der Protagonistin zwischen Entfremdung und Bedrängung, Isolation und Empathie. .………………………………………………………………………………………………………………………………………… Horst Prosch Süß klangen die Glocken nie (in: „RauschGiftEngel“, Ars vivendi Verlag) Ein Mädchen im Beichtstuhl. Je deutlicher es über die erfahrene sexuelle Gewalt berichtet, umso gnadenloser kommen die Reueauflagen des Pfarrers daher. Erst die Rache des Mädchens an ihrem Peiniger verschlägt dem Mann Gottes die Sprache. Selten wird das Thema Kindesmissbrauch so subtil und unaufgeregt verhandelt wie in dieser Geschichte. Das Versagen der Familie zugunsten ihres Bestandes sowie die Rolle institutioneller Gewalt werden allmählich und in einer, die Erfahrungen der Ich-Erzählerin widerspiegelnden, regressiven Sprache entwickelt. Geschickt versteht es der Autor, Spannung im scheinbar Banalen zu erzielen. Die Qualität des Textes liegt gerade in der Beiläufigkeit, mit der das Ungeheuerliche erzählt wird.