Blutgrätsche - wörlich genommen

Am Höhepunkt der Herbstsaison fällt der Hauptsponsor des Fußballvereins AC Tröger Danube nach einem Autounfall ins Koma – eine Katastrophe für die Fans des Traditionsvereins, weil dadurch der Weg für einen superreichen Inder frei wird, der sich einkaufen und beliebte Stammspieler entsorgen will. Eine Woche davor ist bereits der ehemalige Zeugwart des Clubs unter mysteriösen Umständen gestorben. Gruppeninspektorin Daniela Mayer und Chefinspektor Karl Maria Katz nehmen den Klub unter die Lupe, entdecken Seilschaften, die bis in die Blütezeit des AC Danube in den Siebzigern zurückreichen, und auch eigenartige Geschäfte mit afrikanischen Nachwuchsspielern. Doch bevor sie sich noch einen Reim auf all das machen können, wird auch noch der Sportdirektor regelrecht hingerichtet – erstickt mit einem Handtuch aus dem Shop des Clubs. Steckt der Blatterer hinter allem, ein Fan, der sich selbst zum Säuberer der Fußballwelt hochgeschwungen hat? ................................................................................................................................................................................ Sabina Naber wurde 1965 geboren und ist Magistra der Theaterwissenschaft. Seit 1987 als Autorin und Regisseurin tätig (Theater und Film) sowie als Journalistin bei diversen Printmedien und beim ORF. Ihr erster Roman mit der Wiener Kommissarin Maria Kouba („Die Namensvetterin“, Rotbuch/Hamburg) erschien im März 2002, der mittlerweile sechste Band („Die Spielmacher“, Rotbuch/Berlin) im März 2011. Im Februar 2013 startete sie bei Gmeiner mit "Marathonduell" eine neue Serie rund um die Ermittler Mayer & Katz (nominiert für den LEO-PERUTZ-PREIS 2013 der Stadt Wien). Sie ist außerdem Herausgeberin von Kriminalanthologien und verfasst selbst Kurzgeschichten. Für die Geschichte "Peter in St. Paul", erschienen in "Mörderisch unterwegs", hrsg. v. Edith Kneifl, Milena/Wien 2006, erhielt sie im April 2007 den Friedrich-Glauser-Preis für die beste Kurzgeschichte. Sabina Naber ist Mitbegründerin der Plattform der österreichischen Krimiautoren (www.krimiautoren.at, Leitung von 2003 bis 2008) und war von 2010 bis 2013 Sprecherin des Syndikats. Mehr über Sabina Naber ................................................................................................................................................................................

Sabina Naber im Verhör

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Schon in der Pubertät. Nachdem ich einen Film über einen perfekten Diebstahl gesehen hatte, war ich wochenlang auf der Suche nach einem geeigneten Objekt zum Üben. Ich hab keins gefunden ... das kann man jetzt als Pech oder Glück betrachten :) Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Oh, meine "Speiskartn", wie wir in Wien sagen, ist schon so lange, dass sie den Rahmen hier sprengen würde. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich habe die Welt bereits von ein paar sehr unangenehmen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen befreit. ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Talib Ja, der kleine Junge, nennen wir ihn Talib, spielte gern mit dem Ball. Er fand es lustig, dass das runde Ding wie eine Antilope auf der Flucht in immer andere Richtungen sprang, dass es hoch aufsteigen konnte wie ein Marabu, dass es pfeilschnell wie ein Leopard dahinjagte. Doch er durfte sich mit dem Ball nur heimlich anfreunden, wenn die älteren Jungen alle bei Samir rechnen und schreiben lernten. Dann nahm er den Ball vom Lager von des Onkels ältestem Sohn und lief mit ihm weit hinaus in die Savanne zu dem großen Baobab, auf den er manchmal kletterte, um das Ende des Horizonts zu sehen. Denn bei diesem Baum war kein Napier. Er trat mit den Zehen gegen den Ball – der schlug einen Haken nach rechts. Er trat mit der Innenseite seines Fußes gegen ihn – der Ball vollzog eine gerade Linie. Er trat mit der Außenseite gegen ihn – der Ball flog in die Luft und beschrieb einen eigentümlichen Bogen. Er trieb mit der Innenseite des Fußes den Ball rund um den Baobab, er zielte mit ihm auf den Baum, er versuchte, ihn auf dem Kopf zu balancieren. Und er beobachtete die älteren Jungen, ihr Spiel mit dem Ball, und er versuchte, ihre Bewegungen nachzuahmen. Denn er hoffte, dass er bei ihnen mitspielen durfte, wenn er nur gut genug mit dem eigenwilligen Ding umgehen konnte, auch wenn er noch nicht alt genug war. Er wollte zu ihnen gehören und nicht mehr allein unter lauter Mädchen Mädchenarbeit machen müssen. Er wollte nicht mehr Wasser und Holz schleppen, er wollte die Herden betreuen und die Maschinen reparieren. Und deshalb musste er die Kugel beherrschen lernen, damit ihn die älteren Jungen ernst nahmen. Und so übte er und übte er. Und irgendwann stellte er sich an den Rand des Spielfeldes auf dem Dorfplatz und kickte den entkommenen Ball zurück. Er traf die anderen Jungen immer genauer, schon bald jedes Mal, doch sie bemerkten es nicht. Und als Talib es nach dem großen Regen wagte, mit dem Ball ins Feld zu laufen, verabreichte ihm des Onkels ältester Sohn eine schallende Ohrfeige. Da kickte Talib keinen Ball mehr ins Feld zurück. Und er ging auch nur mehr zum großen Baobab, um von ihm aus den Horizont zu sehen. Nur manchmal sah ihn der Ball vom Lager des ältesten Sohnes seines Onkels aus traurig an, und er sprach zu Talib: »Niemand sieht uns, solange du in der Hütte bleibst. Mir ist die Zeit lang, so wie dir. Komm, lass uns Spaß haben.« Und da nahm Talib den Ball, doch er konnte ihn nicht mit dem Fuß stoßen, denn da war kein Platz in der Hütte. Und so balancierte er ihn wieder auf dem Kopf. Dann legte er ihn auf einen Oberschenkel, auf den anderen, dann ließ er ihn von einem Bein auf das andere rollen, jonglierte ihn mit den Füßen. Und beide waren es zufrieden. Es war ihr großes Geheimnis.
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