Beichthotline mit mörderischer Wirkung

Keine Polizei - never ever. So lautet die unumstößliche Maxime der Beichthotline. Aber was tun, wenn eine Anruferin ankündigt, ihr neugeborenes Kind lebendig zu vergraben? Ein schlechter Scherz, konstatiert Chris, Initiator der Hotline, als seine Freunde und Kollegen statt einer Kinderleiche eine lebensgroße Puppe auf dem Friedhof ausgraben. Dann meldet sich die mysteriöse Anruferin erneut und verkündet, dies sei erst der Anfang ... Kritiken: Die Berlinerin Jutta Maria Herrmann hat ein gelungenes Debüt vorgelegt. (Rheinische Post) Meine absolute Empfehlung für ein mehr als gelungenes *Thriller-Debüt* mit überraschendem Ende. (Krimi-Kiosk)  
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Jutta Maria Herrmann ...

... ist gebürtige Saarländerin, gelernte Buchhändlerin, studierte Germanistin. Sie hat Rockkonzerte veranstaltet, Synchrondrehbücher geschrieben und arbeitet zurzeit für eine Tageszeitung. Ihre Kurzgeschichten wurden in verschiedenen Anthologien veröffentlicht. Beim MDR-Literaturwettbewerb 2010 kam ihr Beitrag in die Liste der Top 25. Seit 2003 lebt sie mit ihrem Mann, dem Autor Thomas Nommensen, im Berliner Speckgürtel im brandenburgischen Panketal. Sie ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und im Syndikat. Mehr über Jutta Maria Herrmann ................................................................................................................................................................................

Jutta Maria Herrmann

Wann begann ihre kriminelle Laufbahn? Kriminelle Laufbahn? Welche kriminelle Laufbahn? Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Ich war das nicht! Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ohne meinen Anwalt sage ich nichts. ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Erst als Blut auf das Zeitungspapier tropft, mitten hinein in das Gesicht der Frau, und ihr Lachen ertränkt, erreicht dich der Schmerz. Du lässt das Messer sinken, legst die halb geschälte Kartoffel beiseite und steckst den blutenden Daumen in den Mund. Deine Augen fixieren das grobkörnige Schwarz-Weiß-Foto. Saugen sich daran fest. Nur flüchtig nimmst du den metallischen, leicht süßlichen Blutgeschmack wahr. Bilder stürmen auf dich ein. Erinnerungsfetzen. Das vertraute Gesicht ist so nah, so lebendig, dass du fast der Versuchung erliegst, die Hand danach auszustrecken, um mit den Fingerspitzen die sanft geschwungene Linie der Oberlippe nachzuzeichnen. Du hörst das Lachen, die Stimme, die zärtlich deinen Namen flüstert, spürst die Hand, die dir sacht über die Wange streicht. Eine Gänsehaut kriecht über deinen Körper wie eine prickelnde Woge. Die Ahnung von purem Glück, für den winzigen Bruchteil einer Sekunde. Nur mühsam löst du dich aus der Erinnerung, öffnest die Augen. Blickst auf das Foto. Siehst nur das eine Gesicht. Die lächelnden Augen scheinen dich direkt anzusehen. Spöttisch. Wissend. Dir wird heiß, dann kalt. In den metallischen Geschmack des Blutes mischt sich ein anderer, ein erdiger. Du nimmst den Daumen aus dem Mund und betrachtest die Hand wie einen fremden Gegenstand. Deine Finger sind schmutzig, klebrig von den Kartoffeln. Du gehst zur Spüle, wäschst dir über dem Becken die Hände und trocknest sie sorgfältig ab. Hinter deinem Rücken zerhackt das laute Ticken der Uhr die Stille in Stücke. * * *Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>