Gut gewählter Zeitpunkt

Bestimmten Leuten kommt man besser gar nicht erst in die Quere – denn denen kommt man gerade richtig! Spätestens nach der Lektüre dieser ,mordsfidelen’ Geschichten ist man gewarnt vor windigen Werbeprofis, nachtragenden Stararchitekten und anderen manipulativen Zeitgenossen. Denn je charmanter, desto hinterhältiger, aber – dem Autor sei Dank – immer zum großen Vergnügen für den Leser. Am Ende obsiegt nicht das Gute über das Böse oder umgekehrt, sondern stets die Pointe über die Moral.
Kritikerstimme: “Schaurig schöne, bitterböse Kurzgeschichten, wunderbar geschrieben: Was blauäugig beginnt, wird schwarzhumorig gewandelt – und am Ende ist meist jemand tot!”
Birgit Kleffmann auf wir-besprechens.de (Okt 2014)
 
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Bernd Mannhardt... ... wurde 1961 in Berlin geboren und ist ebendort aufgewachsen. Er verfasste neben diversen Rezensionen für das Stadtmagazin “Zitty” auch Feature für “DeutschlandRadio” und Kurzkrimis für WDR und HR. Mannhardts erste Kriminalgeschichte, “Solowetz oder: Warte, warte nur ein Weilchen”, wurde 1991 vom WDR als Hörspiel produziert. 2013 erschien die Regio-Krimi-Anthologie “Mordskohl” im Schardt-Verlag, Oldenburg, mit Bernd Mannhardt als Herausgeber. Im selben Verlag erscheint im Herbst 2014 die eigene Textsammlung “Du kommst mir gerade richtig! – Mordsfidele Geschichten für quietschvergnügte Leser”. Ein Moabit-Krimi ist zum Frühjahr 2015 beim Be.Bra-Verlag, Berlin, geplant. Hauptberuflich ist Bernd Mannhardt seit vielen Jahren im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig. Bernd Mannhardt ist Mitglied im SYNDIKAT, der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur. Mehr über Bernd Mannhardt ................................................................................................................................................................................

Bernd Mannhardt

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
Lassen Sie mich mit Oscar Wilde antworten, der gesagt haben soll: "Wohlerzogen zu sein, ist heutzutage ein großer Nachteil. Es schließt einen von so vielem aus."  Also, kapitale Verbrechen oder zumindest doch hundsgemeine Vorgehensweisen sind für mich, sozusagen, immer auch ein Beitrag zur Pflege eigener sozialer Beziehungen - wenngleich, zugegeben, mit relativ kurzem Haltbarkeitsdatum. Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Schwer zu sagen - denn es ist immer das eine  o d e r  andere Wort. Anders formuliert: Mein Generalthema, Kommunikation, kann formal wie inhaltlich hübsch grausam sein!
Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Also, mein Anwalt sagt immer: "Der Kerl kann dafür nix, weil: Triebtäter - austherapiert." ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Sara entschied sich dann für etwas ganz anderes, nämlich für das Filet vom Angus-Rind mit Kräuter-Kruste sowie gestovtem Rosenkohl und Nebbiolo-Sauce. Köhler schloss sich dem der Einfachheit halber an, und nachdem das Essen verspeist und eine Flasche edlen Weines geleert war, klebte Köhlers Blick an Saras Lippen, und in Vorfreude auf das, was da noch kommen könnte, zitierte er in sich hinein den Titel der Autobiografie eines gewissen Klaus Günter Karl Nakszynski, bekannt als Klaus Kinski: „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.“ Köhler mochte Kinski. Ein Großmeister – der Manipulation, dachte er gerne. Seine, Kinskis, öffentlichen Wutausbrüche schienen ihm, Köhler, stets wohl kalkuliert gewesen zu sein – alles in allem mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erregen oder um Leute für sich einzunehmen oder um den Lauf der Dinge in eine ihm genehme Richtung zu wenden. Gott hab’ ihn selig! dachte Köhler – und: Ich bin so wild … Er gab sich redlich Mühe, Sara von sich zu beeindrucken. Anfangs präsentierte er sich als empathischer Zuhörer, später wechselte er dann in die Rolle des geistreichen Plauderers, und als die Stunde eine vorgerückte war, riskierte er einen ziemlich frechen Blick in Saras Dekolleté. Sara quittierte das mit einem verschmitzten Lächeln. „Also, wenn du mich fragen würdest: Ja, doch – ein Glas vertrage ich noch.“ „Gerne“, sagte Köhler und gab dem Kellner nervös ein entsprechendes Zeichen. Um 23 Uhr dachte Köhler dann: Jetzt oder nie! Er ging in die Offensive und sagte: „Und? Machen wir noch was?“ „Vorschlag?“ flötete Sara. Sie spielte gerne die Naive. Weibliche Rhetorik, analysierte Köhler. Er rieb sich das Kinn. „Ich könnt’ dir meine Werbespot-Sammlung zeigen“, sagte er und grinste frech. Originell ist anders, dachte Sara. Dennoch zwinkerte sie Köhler zu: „In 3D?“ „Zumindest Großbildleinwand.“ „Wie, wohnst du im Kino?“ „120-Quadratmeter-Loft.“ Köhler zahlte und ließ ein Taxi rufen.

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