Kriminelle Schweinerei

Rechtsanwalt Florian Lobowski steht vor der Herausforderung seines Lebens: Er soll seinen Freund Klaus Schmelzer verteidigen, dem zur Last gelegt wird, seinen Schwiegervater getötet und den Säuen zum Fraß vorgeworfen zu haben. Doch was geschah wirklich in der Nacht, als der alteingesessene Landwirt starb? Wie konnte es geschehen, dass ein ehrbarer Bürger zum kaltblütigen Mörder wurde? Nach und nach erfährt Lobowski die ganze Wahrheit - und muss erkennen, dass eine Sau nicht zwingend in einem Stall leben muss. Kritiken: "... Rudolf Jagusch ist mit diesem Buch eine Meisterleistung gelungen. Er spielt damit in Deutschlands oberster „Krimiliga“ und muss sich meiner Meinung nach auch international mit diesem Buch nicht verstecken."  Heike Richter, Rezension bei Buecher.de
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Rudolf Jagusch... ... Jahrgang 1967, studierte Verwaltungswirtschaft in Köln. 2006 erschien sein erster Krimi, weitere folgten im Jahreszyklus. Inzwischen ist er aus dem Literaturbetrieb nicht mehr wegzudenken. Heute lebt und arbeitet er als freier Schriftsteller mit seiner Familie im Vorgebirge am Rande der Eifel. Mehr über Rudolf Jagusch     ................................................................................................................................................................................

Rudolf Jagusch

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden? Ich stamme aus einer redlichen Familie. Irgendeiner musste ja mal ausbrechen und das schwarze Schaf darstellen. Alles andere wäre doch auf Dauer langweilig. Was ist Ihre Lieblingstatwaffe? Ein Rundfunk- bzw. Übertragungswagen. Wie das funktioniert, ohne das Opfer einfach nur zu überrollen? Steht in "Eifelteufel". Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Pah, Verteidigung. Ich stehe zu meinen Taten. ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Der Fahrer verlangsamte ebenfalls seine Fahrt und stoppte hinter mir. Der Boxermotor röchelte heiser, als ich ausstieg und auf den Porsche zuging. Mit dem Knöchel des Zeigefingers klopfte ich an die Scheibe. Surrend öffnete sich das Fenster. Ich erkannte den Fahrer auf Anhieb. Es war der in schwarz gekleidete Fremde, den ich an meinem Hochzeitstag gesehen hatte. Mir wurde flau im Magen. Das konnte nur Ärger bedeuten. »Sie haben einen teuren Fuhrpark«, scherzte ich halbherzig. Er grinste von Ohr zu Ohr. »Überraschung«, trällerte er. »Steigen Sie ein. Wir müssen uns unterhalten.« Ich zögerte. Sollte ich wirklich zu einem Wildfremden ins Auto steigen? Er bemerkte meine Zurückhaltung. »Jetzt machen Sie schon. Es ist wichtig. Für Sie, für Ihre Familie und selbstverständlich auch für meinen Boss.« Er lachte abgehackt. »Das will ich nicht verhehlen.« »Um was geht es denn? Wir können doch auch hier …« »Mamma mia«, unterbrach er mich und sah genervt zum Himmel. »Hast du keine Eier in der Hose? Wenn ich dir an den Kragen wollte, hätte ich dir schon längst eine Kugel durch den Kopf gejagt.« Er öffnete seinen Mantel und lenkte meinen Blick auf ein Holster, in dem eine silbrig glänzende Pistole steckte. »Ich will nur reden. Also zwing mich nicht zu drastischen Maßnahmen.« Mit weichen Knien ging ich zur Beifahrerseite und stieg ein. Sofort trat er auf das Gaspedal. Der Porsche sprang regelrecht vor, schoss um Haaresbreite an meinem Bus vorbei und raste über die Landstraße. Die Fahrt verlief schweigend. Keine zwanzig Minuten später saßen wir im »Landcafé Grube« in Plütscheid. Ich bestellte einen Kaffee, er einen Cappuccino. »Haben Sie auch einen Namen?«, fragte ich. »Andy Garcia.« Ich stutze. »Wie der Schauspieler?« »Ja.« »Echt?« »Für dich ist er echt, klar?« Ich musterte ihn. »Mit Verlaub, ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel. Aber für mich sehen Sie eher aus wie Wolfgang Holbein.« Die Bedienung brachte die Bestellung. Seelenruhig rührte er Zucker in seinen Cappuccino. »Wer ist das?« »Ein deutscher Schriftsteller.« »Schriftsteller sind uncool.« Er führte seine Tasse zum Mund und trank. »Ah! Der beste Cappuccino in der ganzen Eifel. Deswegen wollte ich mit Ihnen nicht am Straßenrand reden. Ist doch viel gemütlicher hier.« Dagegen konnte ich nichts einwenden. Die heimelige Atmosphäre im Landhausstil gefiel mir ebenfalls. Außerdem fühlte ich mich sicher. Hier würde dieser, äh … Andy garantiert nicht seine Pistole ziehen und mich vor Zeugen erledigen. Trotzdem wollte ich es hinter mich bringen. »Also?«, fragte ich daher und griff nach meiner Kaffeetasse. »Sie haben eine hübsche Frau.« Ich hielt inne. Mir schien plötzlich ein Eisklotz im Magen zu liegen. »Wäre schade, wenn ihr etwas zustoßen sollte, oder?« »Was wollen Sie damit andeuten?« Er lehnte sich vor. »Ts, ts, nicht den Unwissenden spielen. Sie geben mir zehntausend, quasi als Anzahlung, und allen Rechkemmers geht's weiterhin gut. Auch Ihrer bezaubernden Braut.« Empört sprang ich auf. »Jetzt machen Sie keine Szene, Mann.« Er zog mich zurück auf den Stuhl. Die Gäste vom Nebentisch sahen zu uns rüber. Andy Garcia hob die Hand. »Ich bitte um Entschuldigung. Alles in Ordnung.« Dann wandte er sich wieder mir zu. »Beherrschen Sie sich. Es geht hier nur ums Geschäft. Niemand will Ihnen was.« »Solange ich zahle?« »Richtig.« Er schlürfte den Milchschaum aus seiner Tasse. Ich legte die Hände flach auf den Tisch. »Also gut. Aber zuerst klären Sie mich auf. Um was geht es hier eigentlich?« Andy Garcias Augen verengten sich. »Hören Sie auf, den Ahnungslosen zu mimen.« »Ich habe wirklich keine Ahnung, was hier vor sich geht.« Er musterte mich einige Sekunden lang unverhohlen, dann stellte er seine Tasse ab und seufzte. »Okay, ich glaube Ihnen. Sie scheinen ein aufrichtiger Kerl zu sein.« »Danke«, stieß ich erleichtert aus. »Meine Erkenntnis entbindet Sie aber nicht von den Zehntausend. Als Anzahlung, dann gebe ich eine Weile Ruhe. Wenn nicht …« Er lüftete seinen Mantel und zeigte mir erneut seine Pistole.
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