Misstrauen, Schuld und Lügen

Eines Abends geht im Polizeirevier Martinsfehn ein Hinweis ein, dass sich jemand auf Claasens Hof herumtreibt. Zwei Beamte machen sich auf den Weg. Dunkelheit, Regen, ein verlassenes Gehöft, der unerfahrenen Polizeikommissarin Viktoria Engel gehen die Nerven durch und sie erschießt einen harmlosen Sechzehnjährigen, Rouven Kramer, den Sohn des Pastors. Vollkommen geschockt gelingt es Engel, den Kollegen zu überzeugen, eine Notwehrsituation zu konstruieren. Doch die Dorfgemeinde hegt starke Zweifel am angeblichen Tathergang und es kommt zu offenen Anfeindungen gegen die Polizei. Es stellt sich heraus, dass Rouven Kramer nicht allein bei Claasen war, aber die Zeugin meldet sich nicht. Dann geschieht ein Mord, bei dem jemand die Tatumstände auf Claasens Hof nachgestellt hat und Hauptkommissar Renke Nordmann, Leiter des Polizeireviers Martinsfehn, muss befürchten, dass seine Tochter Aleena darin verwickelt ist. In Martinsfehn breiten sich Misstrauen und Zweifel aus, bis niemand mehr dem anderen traut … Kritikerstimme: "Das 'Dorf der Lügen' ist ein hochspannender Kriminalroman. Es geht um Schuld, Misstrauen, Moral und Lügen. Krimifans kommen hier voll auf ihre Kosten!" Thrillertante, LovelyBooks ................................................................................................................................................................................ Barbara Wendelken, geboren 1955 in Schwanewede, entdeckte schon als Schülerin ihre Liebe zum Schreiben. Sie entschied sich zunächst aber für ein geregeltes Einkommen – und erlernte den Beruf der Kinderkrankenschwester. Erst Mitte der Neunziger schreib sie ihr erstes Buch. Seither diverse Buchveröffentlichungen für Erwachsene und Kinder sowie Hörspiele für den Rundfunk. Barbara Wendelken war zehn Jahre lang Jury-Sekretärin für den Hansjörg Martin Kinder- und Jugendkrimipreis. Mehr über Barbara Wendelken. ................................................................................................................................................................................

Barbara Wendelken im Verhör

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden? Vielleicht, weil ich im wahren Leben so überaus lieb und freundlich bin? Morden kann sehr befreiend sein. Wenn mich jemand im real life richtig ärgert, muss er damit rechnen, auf dem Papier gemeuchelt zu werden. Gerade plane ich eine Story über den Fotografen, der ein Portrait von mir machen sollte. Mehr kann ich noch nicht verraten. Fest steht, dass er den Tod verdient hat. Was ist Ihre Lieblingstatwaffe? Ich habe alles schon mal probiert, Schusswaffen, Messer, eine Stricknadel, Strom, sogar Pfeil und Bogen. Und natürlich Gift. Ich glaube, meine Opfer wurden am häufigsten vergiftet. Das macht keine Schweinerei, hinterlässt keine DNA Rückstände an der Leiche,  ideal für den kleinen Mord zwischendurch. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ohne Leiche ist ein Krimi langweilig. Und kein Mensch kauft einen langweiligen Krimi.  Ich muss es also tun, mir bleibt gar nichts anderes übrig. Aber ich lasse meine Opfer nicht lange leiden. ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

„Hier ist keiner“, wiederholte er stur und stapfte sehr entschieden Richtung Haus, immer dem Lichtkegel der Taschenlampe folgend, vielleicht, um Viktoria zu imponieren, oder einfach, weil die Dienstvorschrift es so verlangte. Hinter seinem Rücken zog Viktoria ihre Waffe aus dem Holster. Dass sie die Heckler & Koch sogar entsicherte, was er absolut lächerlich fand, erkannte er an dem typischen Geräusch. „Willst du Kaninchen schießen?“, fragte er spöttisch. Aber er drehte sich nicht um. Hoffte einfach, dass Viktoria den Lauf der Pistole auf den Boden richtete und nicht auf seinen Rücken. Das hatten sie ihr ja wohl in der Ausbildung beigebracht. „Ich mag Kaninchen am liebsten in Rotwein geschmort, mit Zwiebeln und ganz viel Thymian.“ „Ostfriesisch ist das aber nicht.“ Viktorias Stimme klang angespannt. Sie hatte tatsächlich Angst. Hey Kleine, wie wär’s mit einem starken Mann, dachte er. Und dass sich vielleicht doch noch was aus der Situation machen ließ, wenn sie erst wieder im Wagen saßen. Vor ihm bewegte sich etwas. „Hallo? Hier ist die Polizei.“ Oliver leuchtete zur hinteren Hausecke. Da stand jemand, eine einzelne Person. Hinter ihm schnappte Viktoria heftig nach Luft, wie ein Schwimmer, der gerade aus dem Wasser aufgetaucht war, um seine Lungen mit Sauerstoff zu füllen. Die macht sich gleich ins Hemd, dachte er amüsiert und er freute sich schon darauf, sie hinterher damit aufzuziehen. Er beschleunigte seine Schritte, wollte so schnell wie möglich abklären, wer sich um diese Zeit bei Claasen aufhielt, und warum, damit er sich angenehmeren Dingen widmen konnte. Und dann passierte alles auf einmal. Sein rechter Fuß trat in ein Loch, ein Maulwurfsloch vermutlich, er rutschte aus, knickte ein, ging zu Boden und ein unglaublicher Schmerz überrollte ihn, als wäre sein Knöchel in ein Tellereisen geraten. „Scheiße!“, brüllte er und dann: „Pass auf!“, um Viktoria vor dem unebenen Boden zu warnen. In derselben Sekunde hörte er den Knall, laut und hart. Ein Schuss, das wusste er sofort. Viktoria hatte ihre Waffe abgefeuert. Als Nächstes nahm er das Stöhnen wahr, das eindeutig von der Hausecke kam, das entsetzliche Stöhnen, das zu einem langen Seufzer wurde, der ganz unvermittelt erstarb. Danach hörte er nur noch seinen eigenen keuchenden Atem und seinen Herzschlag, der dumpf in seinen Ohren dröhnte.
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