Die Kommissarin und der Psychopath

Ein kleines Mädchen wird entführt. Zwei Morde geschehen. Ein verbindender Hinweis sind Fotos in den Briefkästen der beiden Toten, auf denen sich noch andere Personen befinden. Sind auch sie bedroht? Kommissarin Verena Irlenbusch braucht für diesen Fall all ihre Kraft. Denn neben der Jagd nach dem Mörder kümmert sie sich um ihre an Alzheimer erkrankte, geliebte Großmutter. Da macht es die Situation nicht gerade leichter, dass sie auch noch den anstrengenden Kollegen Christoph Todt zur Seite gestellt bekommt. Verena wird bald bewusst, dass sie einen hochintelligenten Psychopathen jagt – und der spielt ein böses Spiel mit ihr … ................................................................................................................................................................................ Elke Pistor … … wurde 1967 geboren, ist verheiratet, hat zwei Kinder, drei Katzen und zahllose rote Accessoires. Sie liebt gute Freunde, gute Bücher, gutes Essen und hasst Fanatiker jeglicher Couleur, Intoleranz und Ungerechtigkeit. Andere lieben an ihr ihren rheinländischen Humor, ihre Loyalität, Zuverlässigkeit und Selbstironie. Elke Pistor war auf der Shortlist für den "NordMordAward 2011" und erhielt das "Tatort-Töwerland-Stipendium 2014". Im Jahr 2012 war sie Jurymitglied für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Debut, 2013 Juryorganisatorin und seit Juni 2014 leitet sie die Geschäftsstelle des Syndikats. Zudem ist sie zum zweiten Mal Jurymitglied des Jaques-Berndorf-Preises (Eifel-Krimi-Förderpreis). Mehr über Elke Pistor. ................................................................................................................................................................................

Elke Pistor im Verhör

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? 2010. Da war ich Anfang 40. Das sind ja bekanntlich die gefährlichen Jahre einer Frau. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? 7 Krimis, 21 Kurzgeschichten und ich mach das Licht nie aus, wenn ich aus dem Keller komme.. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Nichts. Ich nehme das Urteil des Lesers vollumfänglich an. ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

»Bitte informieren Sie mich schnellstmöglich über alle relevanten Fakten, Frau Kollegin. Dann werde ich sehen, wie wir weiterverfahren müssen.« Christophs Stimme klang ungeduldig und herrisch. Verena klappte ihr Notizbuch zu und drehte sich um, darum bemüht, sich ihren Schrecken nicht anmerken zu lassen. Sie fühlte sich wie ertappt, obwohl sie keinen Grund dazu hatte. Sie hatte sich auf die Arbeit konzentriert, versucht, ihre Gedanken im Zaum zu halten, die immer wieder zu Leo wanderten, zu dem Unfall und ihrer Verantwortung dafür. Das Letzte, was sie jetzt brauchen konnte, war ein querschießender Kollege. Sie öffnete den Mund, um ihm etwas Passendes zu erwidern, aber Rogmann unterbrach sie. »Ihr beide werdet diese Sache übernehmen«, stellte er knapp klar und sah Verena dabei in die Augen. Keine Widerrede, keine Fragen, keine Randbemerkung sagte dieser Blick. Sie schluckte die Bemerkung, die ihr auf den Lippen gelegen hatte, herunter und schwieg. »Ich will schnelle, überprüfbare und effektive Ergebnisse.« Rogmann steckte die Hände in die Taschen seines Jacketts und zog für einen Moment den Kopf ein, so als wäre er immer noch in Erwartung eines Protestes, bevor er sich abwandte und die beiden allein ließ. »Guten Abend, Herr Todt«, wandte sich Verena an den Neuankömmling, als hätte sie Rogmanns Bemerkung nicht gehört, verschränkte die Arme vor der Brust und wartete. »Passen Sie auf, Frau Irlenbusch.« Christoph Todt räusperte sich. »Ich habe keine Zeit für Spielchen. Egal welcher Art.« Todt neigte den Kopf zur Seite, hob die Schultern und wiederholte die Bewegung zur anderen Seite hin, während er sprach. »Ich will diese Sache so schnell wie möglich hinter mich bringen, also lassen Sie uns auf unnö- tige Höflichkeitsfloskeln und Eitelkeitstänzchen verzichten und einfach anfangen.« Er wies auf ihren Notizblock. »Was haben Sie schon?« Verena schluckte. Dieser Idiot. Er wollte rasch fertig werden? Keine Zeit für eine simple Begrüßung? Unnötige Höflichkeitsfloskeln? Sie schnaubte leise. Gut, das konnte er gerne haben. Umso schneller kam sie von hier weg und zu Leo ins Krankenhaus und im Anschluss zurück zu Ruth. Sie würde mit Sicherheit nicht ihre begrenzte Energie und Zeit dafür verschwenden, so einen ungehobelten Klotz wie ihn zu erziehen. Und erst recht nicht, sich weiter über ihn zu ärgern. »Der Zahnarzt Martin Schlendahl hat zuerst einen Patienten gefoltert und ist dann aus dem Fenster gesprungen.« Knapper ging es nicht. »Hatte er einen Grund für eins von beiden?« »Den Patienten kannte er nach dessen Aussage nicht näher, und das Motiv für den Selbstmord müssen wir noch überprüfen.« »Was sagen die anderen Zeugen?« »Noch nichts. Die Ärzte haben uns noch nicht an sie rangelassen, weil sie unter Schock stehen. Eine von ihnen ist das zweite Opfer.« »Von ihnen?«
»Den Helferinnen.«
Todt sah sie an und schwieg eine Weile, sagte aber schließlich: »Ich wollte Ihnen die Gelegenheit geben, mehr Informationen und Zusammenhänge zu erläutern. Dass das so noch nicht reicht, um die Sachlage zu erhellen, ist Ihnen doch wohl klar, Frau Irlenbusch.« »Und Ihnen ist doch wohl klar, dass in der Kürze der Zeit noch keine weiteren Erkenntnisse da sein können. Und dass ich Ihnen nichts vorenthalte oder verschweige. Und vor allem, dass Sie so besser nicht mit mir reden sollten, Herr Todt.«  
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