Skrupellos und ohne Reue: die Tiermafia und ihre Kunden

Weil's eine heiße Woche wird, empfiehlt das Syndikat nach "Bayrisch Kongo" vor 14 Tagen gleich noch einen Afrika-Krimi – oder besser: einen mit schwarzem und brisantem Hintergrund. Thema ist die Tiermafia und die Angonoka - eine madagassische Schnabelbrustschildkröte. Nur noch 700 Exemplare gibt's von ihr. Und gefunden wird eines davon in Dortmund, ganz in der Nähe eines unbekannten Toten. Die Kripo vertraut die Schildkröte dem pensionierten Kollegen Bernhard Völker an. Der fragt nicht weiter nach, denn im Ruhestand will er mit Mord und Totschlag nichts mehr zu tun haben. Doch dann entdeckt er, dass sich hinter der Schildkröte ein unglaubliches Geheimnis verbirgt – und sein kriminalistischer Instinkt ist geweckt. Schnell wird klar, dass in Dortmund eine skrupellose Tiermafia aktiv ist, die mit seltenen Tieren handelt. Und dass es ebenso skrupellose Menschen gibt, die bereit sind, viel Geld für solche Tiere zu bezahlen. "Heinrich Peuckmann schafft es (…) immer wieder, aktuelle Themen spannend zu erzählen und gekonnt mit Lokalkolorit zu mischen. Angonoka (…) ist spannende Unterhaltung und Dortmunder erkennen Ihre Stadt sehr gut wieder." Julia Gass, Ruhrnachrichten Kultur. ................................................................................................................................................................................ Heinrich Peuckmann, geboren 1949 in Kamen geboren, lebt auch heute noch dort. Aufgewachsen in einer Bergmannsfamilie. Abitur in Unna, Studium der Germanistik, ev. Theologie und Geschichte an der Ruhr Universität in Bochum. Lehrer an einem Gymnasium. Peuckmann ist verheiratet und hat drei Söhne. Seine literarische Arbeit ist sehr vielfältig. Er schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Essays, Theaterstücke, Glossen, pädagogische Artikel. Kleinere Arbeiten auch für das Fernsehen. Mehr über den Autor. ................................................................................................................................................................................

Heinrich Peuckmann im Verhör

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Sie begann um die Jahrtausendwende, als ich erstaunt bemerkte, wie viele meiner Autorenkollegen begonnen hatten, „kriminell“ zu werden. Da habe ich gemerkt, dass es reizvoll sein muss, eine kriminelle Karriere einzuschlagen und habe auch damit begonnen. Ich will die Schuld aber nicht auf andere schieben, so ein plumper „Krimineller“ bin ich nicht. Es war schon auch meine Entscheidung. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Inzwischen sind es unglaublich viele, ich staune selbst, wie schnell ich Karriere gemacht habe. Morde sind natürlich darunter, Überfälle auf Geldtransporter, Diebstähle. Das alles erzähle ich – lesend – manchmal bei Polizeiveranstaltungen. Zu meiner Verwunderung lässt man nicht nur wieder nach Hause gehen, sondern lobt mich auch noch. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich will mich gar nicht verteidigen. Die übelsten Verbrecher sind meiner Meinung nach die, die nach ihrer Tat billige Erklärungen oder Entschuldigungen erfinden und manchmal damit sogar durchkommen. Beim Verbrechen brutal, beim den Ausreden lächerlich. Das will ich mir ersparen. Ich bin nicht reuig, ich mache weiter. ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Warum nur, musste er immer wieder denken, warum musste das geschehen? Es war doch etwas Gutes, das der Junge getan hat. Er wollte sie retten, die letzten Exemplare ihrer Art. Er wollte ihren Bestand ermitteln und Pläne entwickeln, wie man ihren Lebensraum erweitern und die Bestände vergrößern könnte. Er hat nicht einmal Geld dafür bekommen, sondern nur ein Stipendium von irgendeiner zoologischen Gesellschaft. Es war das Themenfeld seiner Dissertation. Ja, das war sein Wunsch gewesen, seit er zwölf, dreizehn Jahre alt war. Biologie wollte er studieren und dann Forscher werden, wie er das damals nannte. Warum konnte man den Jungen nicht einfach seine Arbeit machen lassen? Sie war doch wichtig, sie nutzte dem Leben auf dieser Erde. Wenn er an diesen Teil der Geschichte dachte, erfüllten ihn Trauer und Verzweiflung. Aber wenn er an das Ende dachte, überkam ihn Wut. Abgrundtiefe Wut, die verzweifelt danach suchte, wo sie sich entladen konnte. Er wollte sich dieses Ende nicht mehr vorstellen, er wollte die Bilder davon loswerden, endgültig. Aber sie kamen wieder. Und je mehr er sie verdrängen wollte, desto stärker wurden sie ihm präsent. Dann lag der Junge wieder im Gebüsch. Es war ein Tag, der anfing wie die anderen vorher auch. Jedenfalls stellte er sich das vor. Die Sonne brannte wie üblich vom Himmel, die Schildkröten krabbelten auf dem freien Platz vor dem Gebüsch herum. War eine darunter gewesen, die er noch nicht kannte? Hatte er sich gerade über eine Entdeckung gefreut?  Vielleicht, aber das ließ sich nicht mehr feststellen. Er hatte gewartet und sich sicher gefühlt in seinem Versteck. Er hatte auch keine Angst vor den Fossas, den urweltlichen Raubtieren, die es dort noch gab. So wie ein Fossa haben die ersten Raubtiere ausgesehen, aus denen sich im Laufe der Evolution Löwe, Tiger und all die anderen entwickelten. Aber sie waren keine Gefahr für ihn, er wusste, wie sie sich verhalten würden. Er wusste fast alles über die Tiere dort. Was für ein viel versprechendes Leben, musste er dann denken. Wie hoffnungsreich und sinnvoll es gewesen war. Der Junge war konzentriert auf seine Aufgabe gewesen. Er hatte zu seiner Kamera gegriffen, um etwas zu fotografieren. Dabei hatte er nicht gemerkt, wie sich die Männer aus einer Richtung links von ihm näherten, wie sie sich leise anschlichen, um nur ja nicht entdeckt zu werden. Zu sehr war er auf das konzentriert, was sich direkt vor seinen Augen abspielte. Und dann hat er fotografiert, ja, so muss es gewesen sein. Er hat die Schildkröten fotografiert und dabei, wahrscheinlich unabsichtlich, die Männer gleich mit, die ihn noch gar nicht bemerkt hatten. Er hat fotografiert, wie sie die Schildkröten einsammelten und in einen Sack steckten. Vielleicht hat er, als er die Männer bemerkte und sah, was ablief, sie auch absichtlich fotografiert, um ihr Verbrechen zu dokumentieren. Ach, hätte er das doch nicht getan!  Hätte er sich leise ins Gebüsch zurückgezogen und sich still verhalten, mucksmäuschenstill. Dann wäre er gar nicht aufgefallen und alles könnte noch gut sein. Aber irgendetwas muss ihn verraten haben.   * * * Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>