Der Preis in der Sparte "Roman" ist mit 5.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert. Der Preisträger 2017 wurde am Samstag, dem 6. Mai 2017 während der 31. CRIMINALE, des Jahrestreffens des SYNDIKATs, in Graz (Österreich) verkündet und geehrt.

Preisträger des Friedrich-Glauser-Preises 2017 in der Sparte "Roman":

Interview 2BernhardAichner02Bernhard Aichner 
Interview mit einem Mörder, Haymon

Max Broll ist ein Totengräber, Trinker und Träumer. Konrad Maria Fink ist ein älterer Herr in Wanderkleidung, ein Pilzsammler und Tourist. Und eine tödliche Gefahr – für Broll und für die, die er liebt und mit seinem Leben verteidigen würde. Aber stimmt das auch? Oder bildet sich Broll alles nur ein? Was er sich nicht eingebildet hat, sind die Schüsse auf seinen Freund Baroni. Ausgerechnet am Tag, der für den Ex-Fußballer nach seinem finanziellen Abstieg die Wende bringen sollte. Stattdessen liegt Baroni im eigenen Blut. Und Broll, der den Täter gesehen hat, ihn identifizieren kann, macht die bittere Erfahrung, dass ihm niemand glaubt. Broll erwacht zu neuem Leben, mobilisiert all seine Energien. Er muss den Mann überführen, der es auf seinen liebsten Freund abgesehen hat. Um jeden Preis. Eine unheimliche Verfolgungsjagd beginnt. Denn bald schon entwickelt sich ein intensiver Dialog zwischen Broll und Fink – mit zahlreichen Schachzügen von beiden Seiten. Ein Friedhof, eine Villa und ein Kreuzfahrtschiff auf hoher See sind die Schauplätze für dieses furiose Kammerspiel. Bernhard Aichner ist mit Worten so genügsam wie sein Held Max es im Leben ist. Dieser schaufelt zwei Gräber im Monat, genießt Bier und Saunagang mit Freunden und ab und zu ein wenig Gras. Jener enthüllt in wenigen Zeilen, wofür andere ein Vielfaches an Seiten brauchen. Lässt seine knappen Zwiegespräche mit wuchtiger Eindringlichkeit auf den Leser wirken. Bringt ihn zwischendrin zum Lachen und entzündet gleichzeitig ein Feuerwerk an Gefühlen. Seine Figuren sind vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Broll und Baroni verbindet wahre Männerfreundschaft, eine Frau stellt diese auf eine harte Probe. Am Ende überrascht die Figur, die anfangs so harmlos wirkt: Fink, der Wanderer. Der Mörder und sein Motiv.

Bild & Musik: Ingo Buranaseda
Sprecherin: Nadine Buranaseda

Das SYNDIKAT gratuliert ganz herzlich!


Außerdem nominiert waren:

Blaue NachtSimoneBuchholzSimone Buchholz
Blaue Nacht, Suhrkamp Nova

Schnelle Zange. Rechter Zeigefinger. Sauberes Knacken. Was sie nicht zu wissen scheinen: Du bist Linkshänder. Gewalt ist in diesem Roman kein leeres Wort. Gefühle auch nicht. Mit Staatsanwältin Chastity Riley hat Simone Buchholz eine Heldin der ganz besonderen Art geschaffen. Schießfreudig, trinkfest und mit einer bunt gemischten Wahlfamilie aus Ex-Knackis, Polizisten und Wirtsleuten versucht sie, einem Unterweltboss das Handwerk zu legen. Da fliegen nicht nur in der Titel gebenden Szenekneipe die Fetzen. Straßenslang mit lyrischen Einschüben.





ZweiSekundenChristianVonDitfurthChristian v. Ditfurth
Zwei Sekunden, carl's books
Es gibt nur eine Möglichkeit: Sie lassen mich und meine Leute allein ermitteln. Auch nach einem Attentat, das scheinbar Putin und Merkel galt, macht Kriminalhauptkommissar Eugen de Bodt keine Ausnahme. Grünen Tee in der Tasse, ein Hegelzitat auf den Lippen, taucht der unangepasste Ermittler ein in die undurchsichtige Welt der Geheimdienste. Christian v. Ditfurth treibt seine eigenwilligen Figuren und den Leser durch einen fulminanten Actionplot. Ein brandaktueller, politisch brisanter Roman mit Spannung auf gleichbleibend hohem Niveau.





Schattenschnittmann sunil 490Sunil Mann
Schattenschnitt, Grafit
Eine mysteriöse Gestalt. Dunkelhäutig und unrasiert, mit rot geschminkten Lippen. Alles sehr seltsam. In einer spannenden Gratwanderung zwischen turbulentem Privatleben und unaufgeregt erzählten sozialen Problemen beschreibt Sunil Mann die indische Mentalität und Kultur. Im Mittelpunkt: Privatdetektiv Vijay Kumar. Witzig, lakonisch, aber auch in den bitteren Momenten stets glaubwürdig recherchiert er die Messerattacke auf eine investigative Filmemacherin, gerät in das Milieu der Hijras – des dritten Geschlechts Indiens – und rettet ganz nebenbei ein junges Mädchen vor der Zwangsehe.



SörensenHatAngstSvenStricker01Sven Stricker
Sörensen hat Angst, rororo
Wo kommen wir denn hin, wenn die Polizei jetzt auch schon Angst hat? Ein Kommissar ohne Vornamen, aber mit psychischen Problemen sucht Ruhe an der Nordseeküste. Stattdessen steht er wenig später vor einem toten Bürgermeister. Und mit einer Leiche ist es nicht getan. Hinter der verregneten Dorfkulisse: Abgründe. Mit bildhafter, pointierter Sprache und intelligentem Humor schickt Sven Stricker seine facettenreiche Hauptfigur auf die Suche nach den Tätern. Ein authentischer Regiokrimi ohne jeden Kitsch. Friesisch-herb.



 


Für den Friedrich-Glauser-Preis, den Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur 2017, konnten bis zum 30. November 2016 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, die im Jahr 2016 erstmals erschienen sind (Originalausgaben). 


Die Liste aller 472 eingereichten Werke können Sie hier herunterladen (PDF) 526.2K.

Die Juroren waren:

Uli Aechtner, Erwin Kohl, Jutta Motz, Michaela Pelz, Klaus Stickelbroeck
Juryorganisation: Ina Coelen