Buchbesprechung: "Dem ehemaligen Drogenfahnder und Autor von mehreren Büchern gelingt es, einen „Fall“ zu schildern, bei dem der Leser hautnah mit erleben kann, wie sich eine schwierige polizeiliche Ermittlungsarbeit immer mehr vermischt mit persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen der Ermittler. Jörg Schmitt-Kilian folgt dabei nicht den bekannten Mustern in den Kriminalserien. Der Kommissar ist weder der coole, professionell handelnde Strafverfolger, der nach einigen geschickt eingebauten Um-, Irrwegen und Irritationen zielsicher den Fall löst, noch ist er der etwas verschlampte, verschrobene und mitleidserregende Held, der letztendlich mit seinen ungewohnten Methoden doch zum Ziel kommt. Die Bücher von Schmitt-Kilian, unter anderem die Jugendbücher „Shit“, „Cool und Kultisch“, „Vom Junkie zum Ironman“, zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie die gesellschaftliche Jugendwirklichkeit behutsam und mit einer einfühlsamen Sprache darstellen. Mit dem Buch „Die Dealerin und der Kommissar“ erzählt der Autor „seine“ Geschichte, das wird bald klar. Die Vorhaltungen des Arztes, als sich seine Tochter, die nach der Scheidung bei der Mutter lebte, die Pulsadern aufschneidet und im Krankenhaus dabei auch festgestellt wird, dass sie Drogen nimmt – „sie braucht einen Vater, der Zeit für sie hat!“ – verweben sich mit dem konkreten Fall der Dealerin Jenny, die Heroin an minderjährige Mädchen verkauft. Die Festnahme und die Vernehmung der Dealerin geraten für den Kommissar zu einer Konfrontation mit seiner eigenen Jugendzeit. Die Geschichte endet mit einer Katastrophe und doch wieder nicht; eigentlich endet sie, wie sich Luft auflöst, undefinierbar und unbegreiflich. Mit diesem Schluss wird deutlich, dass es Schmitt-Kilian in seinen Büchern nicht darum geht, „schlüssige“ Geschichten zu erzählen. Er ist ein Aufklärer, der weiß, dass die Konfrontation mit Drogenkonsum, den Wegen dorthin und den Abstürzen bei Jugendlichen kaum durch Sachinformation allein wirksam sind. Wenn es ihm gelingt, sie auch emotional anzusprechen und den Perspektivenwechsel bei ihnen zu bewirken, dann hat er eine Chance, sie zu erreichen. Das, kurz ausgedrückt, ist sein „pädagogisches“ Konzept. Er nennt es IMPULSE, eine Methode, die auf den Erfahrungen der Konfliktforschung beruht und auf Empathie, der Fähigkeit also, einen Perspektivenwechsel im eigenen Leben zu vollziehen und sich in die Lage, das Denken und Handeln des anderen Menschen hineinbegeben und hineinfühlen zu können. Jörg Schmitt-Kilian wird mittlerweile als Referent und Diskussionspartner von Schulen angefordert. Lehrerinnen und Lehrer können z. B. die Methodenbeschreibung von IMPULSE und die dazu gehörigen Lehrerhandreichungen von seiner homepage www.schmitt-kilian.de herunter laden. Das Buch „Die Dealerin und der Kommissar“ wurde verfilmt. VHS-Kassette oder DVD des TV-Films JENNY und dem anschließenden Interview mit Wieland Backes (Nachtcafe) und dem Autor ist beim Autor zu beziehen. Der Kommissar als Pädagoge: Keine schlechte Kombination; weil die Hemmschwelle beim Drogenkonsum bei den Jugendlichen sinkt, wie die Statistiken ausweisen. Und weil es nur ein Mittel gibt, gesellschaftliche Irrwege zu beseitigen, eine verständnisvolle und personale Pädagogik; und weil Lernen nichts anderes bedeutet als Verhaltensänderung." Dr. Jos Schnurer, Uni Hildesheim