Die Akte Rosenrot
Astrid Korten

Die Akte Rosenrot

Piper Verlag

Reihe Ermittler Ibsen Bach [1]

Hintergründe des Skripal-Attentats und die Rekrutierung von russischen Geheimagenten.
1. Auflage, Februar 2019
sofort lieferbar
ISBN 9783492985277
16,99 € [D]
     

»Ich habe die Wut gespürt, die seinen Wahn nährt. Kein Stolz, kein Hochmut, wie sein mörderischer Vorgänger. Nur unberechenbare Wut.«
Ibsen Bach

Zwei Regierungsstädte.
Zwei grausame Verbrechen.
Ein dunkles Geheimnis.
Eiskalt und tödlich.

Ibsen ist nur noch ein Schatten des einst so brillanten und geschätzten Profilers Ibsen Bach, seit ihm vor fünf Jahren ein Unfall seine Frau Lara nahm und seine Karriere beendete. Mit den Folgen seiner Verletzungen kämpfend pflegt er im Innenministerium in Berlin Daten ein. Eines Tages wird am Tatort eines grausamen Verbrechens eine Postkarte für Ibsen gefunden, die Bezug nimmt auf eine Reihe von Morden, die einige Jahre zuvor in Berlin begangen wurden. Ibsen wird in den aktiven Polizeidienst zurückgeholt. Gleichzeitig recherchiert die Russin Leonela Sorokin, eine investigative Bloggerin in Moskau, in einer alten Vermisstensache und sticht in ein Wespennest, denn beide Fälle sind durch dasselbe dunkle Geheimnis verbunden …Der Thriller »Die Akte Rosenrot« von Bestseller-Autorin Astrid Korten ist der Auftakt zu einer Serie um den Ermittler Ibsen Bach.

Astrid Korten
© Meike Böhm

Astrid Korten

Die in den Niederlanden geborene Autorin schrieb mit 13 Jahren bereits ihre erste Kriminalgeschichte. Doch bevor es zu Veröffentlichungen kam, sollten noch viele Jahre vergehen. Nach dem Verkauf ihres Pharmaunternehmens machte sie das Schreiben zum Beruf. Ihr Debütroman „Eiskalte Umarmung“ avancierte sofort zum Platz 1-Bestseller. Seitdem folgten weitere spannende, erfolgreiche Thriller, Psychothriller und Romane. Die Spezialgebiete als Autorin: Suspense-Thriller und Psychothriller. Unter einem Pseudonym schreibt die Autorin Romane. Sie schreibt außerdem Kurzgeschichten und Drehbücher. Ihre Thriller erreichten alle die Top-Ten-Bestsellerlisten vieler E-Book-Plattformen und erhielten viele Nominierungen.

Mehr über Astrid Korten: www.astrid-korten.com

Die Akte Rosenrot ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 12. August 2019.

Einige Fragen an Autorin Astrid Korten

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?

Mit 13 Jahren mit dem Krimi "Die Leiche im Brunnen". Meine Eltern waren entsetzt.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?

So um die 60 Leichen, 30 Fälle, 15 Thriller, 4 Kommissare.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?

Nichts ist so faszinierend wie die Abgründe der menschlichen Seele und die (wahren) Geschichten hinter einem Verbrechen, die darauf warten, erzählt zu werden.

 

Leseprobe:

Prolog
Berlin-Alt-Hohenschönhausen, August 1988

Johannes Hoffmann lächelt vor seinem Rosenbusch. Er hat allen Grund, glücklich zu sein. In zwei Tagen feiert er seinen fünfzigsten Geburtstag. Seine Tochter Patricia würde endlich wieder einen Fuß in sein Haus am Orankesee setzen und ihren Eltern die kleine Lucie vorstellen.
Er hat seit über drei Jahren auf diesen Moment gewartet. Und das Beste: Nicht einmal der Anwesenheit seines Schwiegersohns muss er sich stellen, weil der dann auf Geschäftsreise in Köln ist. An diesem Sommertag ist also alles perfekt: vom Geruch des frisch gemähten Grases bis zum Duft des würzigen Bratens, der dem geöffneten Küchenfenster entweicht.
Johannes denkt nicht mehr an die Arthritis, die ihn so oft quält, oder an die Briefe voller Erinnerungen, die er gerade in seinem Büro geschreddert hat. Sein Blick schweift zu seiner Frau, die im Garten die Wäsche zusammenfaltet. Sie tauschen ein Lächeln aus, wie unter Komplizen. Ja, denkt er, was für ein herrlicher Sommertag!
Johannes schüttelt die eingeschlafene Hand, bis er sie wieder spürt. Dann greift er nach der Gartenschere, die in der Erde steckt. Er stellt sich den lockigen Kopf seiner Enkelin vor, während er eine Rose schneidet. Der Gedanke macht ihn glücklich. Das sich nähernde ‚Rosenrot‘ bemerkt er nicht.

Timo Bender will in seinen brandneuen Trabant einsteigen, als seine Frau Sabine die Haustür öffnet.
„Bender!“, ruft sie und wirft zwei schwarze Müllbeutel vor den Eingang, von denen einer noch offen ist und aus dem der Deckel einer Tiefkühlpizza lugt.
Er verzieht das Gesicht und fasst sich an die Stirn. Immer wieder vergisst er, den Müll rauszubringen. Und jetzt hält ihm diese Megäre bereits die vierte Predigt des Tages. Zuerst hat er die Milch nicht zurück in den Kühlschrank gestellt, dann die Reihenfolge der Schuhe an der Garderobe verändert und die Hosentaschen vor dem Waschgang nicht ausgeleert.
Aber was macht das schon? Soll sie doch in der Hölle schmoren, dieses Miststück! Wenn sie später vom Einkaufen zurückkommt, ist er schon auf dem Weg in den siebten Himmel. Sobald ihr massiger Körper in die Couch sinkt und sie sich becherweise mit Eiscreme vollstopft, den Kopf voller Lockenwickler, den Blick auf den Fernseher gerichtet, wird er im Paradies sein. In einem Hotelzimmer im Interhotel. Die Predigten der Bitch werden vergessen sein, wenn er tief in der jungen Praktikantin ist, die er seit einer Woche begehrt.
Also ist der geordnete Rückzug ihm ein gezwungenes Lächeln und eine harmlose Höflichkeit – und sogar einen Kuss auf die Stirn seiner Frau wert. Er bückt sich, nimmt die schwarzen Müllbeutel und sagt Sabine, dass es heute Abend spät werde. Dabei denkt er an den Arsch im Minirock und die vollen Lippen, die im Hotelzimmer auf ihn warten.
Als er zum Auto zurückkehrt, hat ‚Rosenrot‘ bereits den Eingang zu seiner Garage passiert.

Anton Klein leert am Morgen sein sechstes Bier und wirft die leere Flasche in den Metalleimer neben dem Schaukelstuhl. Die Sonne ist ihm zu grell und für einen Augustmorgen ist ihm zu heiß. Egal. Sein Bruder kämpft in der Charité um sein Leben, und das ist seine Schuld.
Wenn er nicht mit Christa gescherzt und ihr zum zehnten Mal an diesem Tag seine blöden Witze über Juden und Araber erzählt hätte, hätte er Frank warnen können, als der Gabelstapler ins Schleudern geriet. Vielleicht hätte er dann verhindern können, dass eine Tonne Zement den Bauch seines Bruders zerquetschte.
Anton nimmt ein zweites Pack Budweiser, stellt es auf seinen Schoß, zieht eine Flasche heraus und entfernt den Kronkorken mit den Zähnen. Er denkt an die Grillpartys mit seinem Bruder. „Auf dich, Frank!“ Er leert die Flasche in einem Zug, wirft sie weg – verpasst den Metalleimer.
Anton bricht in Tränen aus und legt den Kopf in seine Hände. Deshalb sieht er ‚Rosenrot‘ nicht.

Tanja Fischer hat sich gerade über die Beifahrerseite gelehnt, um ihren Ohrring vom Boden aufzuheben. In dem Moment, als sie den Kopf wieder anhebt, fliegt etwas an der Windschutzscheibe vorbei. Der Schock und der Schlag lassen sie glauben, dass ihr Fahrzeug ein Tier oder ein Stück Holz auf der Fahrbahn gestreift hat.
Doch … nein! Es ist weder ein Tier noch ein Stück Holz. Es ist ein kleines Kinderrad, ein rotes Kinderrad. Auf dem Rahmen eine Aufschrift: Rosenrot.
Sie hält an, lässt den Motor laufen, öffnet die Tür, steigt aus … und schreit. Sie schreit wie noch nie in ihrem Leben – nicht einmal an dem Tag, an dem ihre Freundin Jenny eine echte Vogelspinne auf ihren Arm gelegt hat, um sie zu erschrecken.
Tanja krallt die Nägel in ihre Wangen und richtet den Blick aus weit aufgerissenen Augen auf die Bühne des Dramas.

Johannes Hoffmann legt die Gartenschere beiseite und rennt auf die Straße.
Timo Bender zieht den Zündschlüssel wieder ab und steigt aus seinem Wagen.
Anton Klein hebt den Kopf, trocknet die Augen mit dem Ärmel seines Hemdes und läuft zu der Stelle, von der die Schreie kommen.
Die Nachbarn, die Tanjas Schreie hören und auf die Straße eilen, starren auf das kleine rote Kinderrad mit der Aufschrift Rosenrot, auf die Blutlache … den kleinen nackten Jungen auf dem Asphalt.

Johannes hört auf zu lächeln und denkt nicht mehr an die kleine Lucie, die in zwei Tagen kommt.
Timo Bender ist nicht mehr darauf erpicht, seine Hände auf den wohlgeformten Hintern im Minirock zu legen.
Anton Klein vergisst, dass Frank nur dank einer Maschine noch atmet.
Nein. Sie wissen, in ihrem Viertel wird es nie wieder so sein, wie es war. Die Dämonen sind erwacht.

 

Leseproben & Dokumente