Die Erleuchtung der Welt
Biggi Rist

Die Erleuchtung der Welt

Historischer Roman

Gmeiner Verlag

406 Seiten, Klappenbroschur
1.. Auflage, Februar 2019
ISBN 9783839224281
15,– € [D]
     

Heidelberg, 1427. Da Helenas Vater seine Schulden nicht bezahlen kann, verkauft er seine Tochter an einen Winzer als Magd. Dem Mädchen widerfährt Schreckliches auf dem Weingut und es flieht. Das Schicksal lässt Helena zur engsten Vertrauten von Prinzessin Mechthild von der Pfalz werden, und sie folgt ihr nach Stuttgart und Urach. Doch ihre Vergangenheit holt Helena ein, sie trifft eine falsche Entscheidung und die Freundschaft zu Mechthild wird auf eine harte Probe gestellt …

Biggi Rist

Biggi Rist

geb. in Reutlingen, schrieb schon 7-jährig Geschichten auf der Schreibmaschine ihrer Mutter. Nach Besuch des Gymnasiums Ausbildung zur PTA an der Naturwissenschaftlich-Technischen Akademie in Isny/Allgäu. 15 Jahre tätig in der medizinischen Labordiagnostik, sowie in der Forschung, und Co-Autorin wissenschaftlicher Publikationen. Von 1993-1995 hat sie in Melbourne/Australien gelebt. 2005 erfolgte der Umzug von Baden-Württemberg (Wannweil bei Reutlingen) nach Lilienthal/Niedersachsen am Rande Bremens. 2007 Zusatzausbildung zur Pferdephysiotherapeutin. Familie: ein Mann, ein Pferd und keine Kinder. ´Schwanensterben` ist ihr Debutroman, den sie gemeinsam mit Liliane Skalecki beim Gmeiner Verlag 2012 veröffentlicht hat. 2013 erschien im selben Verlag der zweite Krimi "Rotglut". Der dritte Krimi mit dem Ermittler Hölzle wurde im Juli 2014 unter dem Titel "Mordsgrimm" veröffentlicht. Im November 2014 erschien die Kurzgeschichte "Farbe. Gerührt, nicht geschüttelt." in der Anthologie "Muse, Mord und Pinselstrich". Im Februar 2016 erschien der 4. Fall für Hölzle - RABENFRAß (Gmeiner Verlag). Am 1. November 2016 wurde die Kurzgeschichte "Two in one" in der Krimi-Anthologie "Handwerk hat blutigen Boden" im KBV-Verlag veröffentlicht. Im Februar 2017 erscheint ein brandneuer Kriminalroman, den sie wieder gemeinsam mit Liliane Skalecki geschrieben hat. "Ausgerottet" behandelt das Thema "Illegaler Handel mit artgeschützten Tieren". Bei den Recherchearbeiten ist eine Zusammenarbeit mit dem Leipziger Zoo entstanden, 1 Euro pro verkauftem Buch wird an den Zoo zur Unterstützung von Artenschutzprojekten zurückfließen. Aktuell ist Frostkalt - Hölzles 5. Fall erschienen und drei Kurzkrimis erscheinen im Herbst 2017 in verschiedenen Anthologien. Der zweite Fall für Malie Abendroth und Lioba Hanfstängl ist abgeschlossen - Elitewahn erscheint im Juli 2018. Ein historischer Roman, den sie unter Pseudonym veröffentlichte, ist seit 13.2.19 im Buchhandel erhältlich.

Die Erleuchtung der Welt ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 10. Juni 2019.

Drei Fragen an Autorin Biggi Rist

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Das kann ich nicht genau sagen. Angesichts meiner Vorfahren „von Wild“ denke ich, es liegt in den Genen, denn ich vermute, sie waren irgendwann einmal Raubritter.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Ich habe ein Nummernkonto in der Schweiz und werde wohl kaum hier öffentlich machen, wie viele Verbrechen dort lagern.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich halte es mit Cicero, der gesagt hat: „In unseren Prozessen, wenigstens in Kriminalfällen, besteht die Verteidigung gewöhnlich im Leugnen.“

Rezensionen

(...) Das Leben - auch das studentische - in Heidelberg um 1427 schildert sie plastisch und detailreich. Besonders der damals in der Heilig-Geist-Kirche verorteten Bibliothek widmet sie sich liebevoll. Aber auch die Kehrseite dieser Zeit - Hunger, Unfreiheit und Armut in den unteren Schichten - stellt sie dar. Nicht zuletzt zeichnet sie ein differenziertes Bild der Frau in der Mitte des 15. Jhdts. Zwischen Missbrauch, Tod durch Schwangerschaft, erlesener Bildung sowie klugem politischem Aktionsvermögen ist der Bogen weit gespannt. (...)

Rhein-Neckar-Zeitung, Marie Theres Justus

(...) Krimiautorin Biggi Rist legt hier unter adligem Pseudonym ein wunderbares, sehr empfehlenswertes Buch vor, das man schwer aus der Hand legen kann. Gute Recherche und glaubhafte Personenzeichnung lassen einen mitfiebern, wie sich denn die aus so verschiedenen Schichten stammenden Frauen in einer von Machtgier und Unwissen geprägten Umgebung durchschlagen, in der Andere das Sagen haben. (...)

Anna Eunike Röhrig, EKZ Bibliotheksservice GmbH

 

 

Leseprobe:

 

Leseprobe aus „Die Erleuchtung der Welt“

„Was denkst du Helena, werde ich das Kind behalten?“, fragte Mechthild mit dünner Stimme, als der Arzt gegangen war.
„Ich weiß es nicht, aber du musst daran glauben. Und nun schlaf etwas.“
„Ich kann nicht. Keine Aufregung. Das sagt sich so leicht. Margarete macht hier jedem das Leben schwer, und manchmal denke ich, eine Landesteilung wäre wirklich das Beste. Ulrich redet seit längerem davon, doch Ludwig will nichts hören. Er stellt sich regelrecht taub. Reicht es denn nicht, dass wir alle seit Jahren unter seiner Mutter Henriette, der alten Hexe, leiden? Jetzt spinnt sie von Nürtingen aus ihre Fäden. Glaub mir, Anna war nicht ohne Grund in Nürtingen zu Besuch. Weiß Gott nicht.“
Anna war die ältere Schwester der Grafenbrüder und schon vor langer Zeit mit dem Darmstädter, Philipp von Katzenelnbogen, verheiratet worden.
„Du sollst dich nicht aufregen. Ich lese dir etwas vor, dann kommst du auf andere Gedanken.“
Helena ging ans Fenster, wo auf einem kleinen Tisch ein dünnes Büchlein lag, das Mechthild erst vor wenigen Wochen erworben hatte. Es war die Geschichte des Zwergenkönigs Goldemar, der ein wunderschönes Mädchen gefangen hielt, welches von dem heldenhaften Dietrich von Bern befreit wurde. An der Stelle als Dietrich den Riesen im Trutmuntwald begegnete, begannen Mechthilds Krämpfe aufs Neue, nur sehr viel heftiger. Die Gräfin spürte, wie warme Flüssigkeit zwischen ihren Beinen hervorrann. Blut. Ihr ersehntes Kind starb. Helena hielt die schluchzende Mutter in ihren Armen und weinte stumm mit ihr.
Wenige Tage später kam es erneut zu einem heftigen Streit. Doch dieses Mal war es Margarete vollkommen gleich, dass jeder ihre Bösartigkeiten hören konnte, der sich in der Dürnitz aufhielt.
„Das Schloss ist zu klein, wie oft soll ich das noch sagen. Ich, als Tochter eines Herzogs, brauche eine eigene Halle, um Empfänge geben zu können. Zu viele Menschen leben hier auf zu engem Raum, nie hat man seine Ruhe. Kein Wunder, dass Mechthild ihr Kind verloren hat. Abgesehen davon ist sie auch viel zu dünn, um ein Ungeborenes zu ernähren. Zudem ist sie jeden Tag wie ein Mann in den Sattel gestiegen. Als ob es keine Kutschen gäbe. Vermutlich kann sie froh sein, bestimmt wäre wieder solch ein kranker Wicht geboren worden.“
Mechthild erstarrte, Ludwig und Ulrich hielten mitten in der Bewegung inne und rissen ungläubig die Münder auf. Keiner sagte etwas. Helena stand ganz langsam von ihrem Platz auf, ging zu Margarete, die sie hochnäsig musterte, griff nach deren Weinpokal und schüttete ihn der Gräfin mitten ins Gesicht. Sie warf den Pokal auf den Tisch, drehte sich um und verließ die Halle. Von den Tischen, wo die Dienstboten saßen, war leises Gekicher zu hören, einige wagten sogar, verhalten zu klatschen und gedämpftes Gerede setzte ein.
Von Margaretes Haaren und Gesicht tropfte der Rotwein, ihr hellgrünes Brokatkleid zeigte einen riesigen Fleck. Als Ulrich ihr nicht zur Seite sprang, stand sie mit puterrotem Gesicht auf und verließ eiligen Schrittes die Halle. In Mechthild breitete sich ein warmes Gefühl aus. Am liebsten hätte sie ihrer Schwägerin für diese Ungeheuerlichkeiten eine schallende Ohrfeige verpasst, doch sie war unfähig gewesen, sich zu rühren. Für ihre Tat zollte sie Helena große Hochachtung, auch wenn es falsch war, was diese getan hatte.
„Mechthild, das wird Folgen für deine Hofdame haben“, ereiferte sich Ulrich, der Helena insgeheim für ihre Tat bewunderte. Nur konnte er das kaum zugeben. „Ludwig, das kannst du nicht dulden!“, wandte er sich an seinen Bruder.
„Helena wird eine angemessene Strafe erhalten“, antwortete Ludwig grimmig. Doch plötzlich breitete sich ein seltenes Grinsen auf seinem Gesicht aus. „ Vielleicht erhebe ich sie dafür in den Adelsstand. An deiner Stelle würde ich darüber nachdenken, wie du gedenkst deine Angetraute für ihre Boshaftigkeiten zu bestrafen.“
Mechthild war nahe daran, in ungezügeltes Gelächter auszubrechen, als Ulrichs Kinnlade herunterklappte und er auf dem Absatz kehrt machte. Die Gräfin fasste nach Ludwigs Hand und drückte sie sanft.
„Ich danke dir. Nur leider wird es jetzt noch schlimmer mit Margarete und Ulrich werden.“
„Nein, denn ich werde Ulrichs Wunsch entsprechen und einer Teilung des Landes zustimmen. So kann es nicht weitergehen. Ich werde mit ihm nach Nürtingen reiten und alles in die Wege leiten, damit ein gerechter Vertrag aufgesetzt wird.“