Jochen Bender

Jochen Bender

Als Jugendlicher konnte Jochen Bender ein gutes Buch kaum aus der Hand legen. Manch eine Lesenacht endete erst mit dem morgendlichen Gesang der Vögel. Schreiben wurde zu seinem Weg der kreativen Auseinandersetzung mit der Welt. In Landau und Tübingen studierte er Psychologie und schrieb zugleich seinen ersten Roman. 2011 wurde mit "Blinde & Gangsta" sein erster Krimi veröffentlicht, mit einem Psychologen in einer Hauptrolle. Als Psychologe arbeitete er in unterschiedlichen Kontexten, von der Kriminologie und dem Frauenknast bis hin zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Auf vielfältige Weise begegneten ihm menschliche Abgründe und Ängste, aber auch Stärken und Hoffnungen. Viel von seinen Erfahrungen als Psychologe fließt in seine Bücher ein.

Kontakt: coach_bender@web.de

Autorenhomepage

Termine mit Jochen Bender

Wann Was Wo
15. Nov 18
19:00 Uhr
Der GinKönig muss sterben
Krimilesung mit Jochen Bender
Siedlerheim Steinhaldenfeld
Zuckerbergstr. 99
70378 Stuttgart, Deutschland
23. Nov 18
19:00 Uhr
Der GinKönig muss sterben
Krimilesung mit Jochen Bender
Museo
Gablenberger Hauptstraße 130
70190 Stuttgart, Deutschland
28. Nov 18
19:00 Uhr
Stuttgarter Buchwochen
Jochen Bender liest im Raum "Ulm"
Haus der Wirtschaft
Schlossplatz 4
70173 Stuttgart, Deutschland
29. Nov 18
20:00 Uhr
Der GinKönig muss sterben
Krimilesung mit Jochen Bender
Viertel Vor Tübingen
Egeriaplatz 12
72074 Tübingen, Deutschland
08. Dez 18
16:30 Uhr
KRIMITAG STUTTGART
Krimitag des Syndikats
Bücherei Stuttgart-Vaihingen
Vaihinger Markt 6
70563 Stuttgart, Deutschland
 

Bücher von Jochen Bender

Der Ginkönig muss sterben

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Schwabenflucht

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Die Millionen von Neresheim

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An der Kante

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Ein feiges Attentat

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Tödlicher Handel

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Dienstage & Silvester

Dienstage & Silvester

Blinde & Gangsta

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Leseproben & Dokumente

Leseprobe aus "Der GinKönig muss sterben"

Gedankenversunken öffne ich die Glastür. Brennende Hitze schlägt mir entgegen, während zwei tiefe Stimmen verstummen. Hinter ungewöhnlich dichten Dampfwolken zeichnet sich schemenhaft ein gedrungener Körper ab. Ich schließe die Tür hinter mir und nehme neben dem Mann Platz. Viel mehr als sein Oberarm ist nicht zu sehen. Auf einem beeindruckenden Bizeps ist ein rotes Herz tätowiert, dekoriert mit einer halben Zitronenscheibe und einer Krone. Eine Banderole mit der Aufschrift „Gin“ zieht sich quer über das Herz. Ich schüttle den Kopf. Erst in diesem Augenblick sehe ich, dass von oben eine Hand mit einem schwarzen Dolch auf das Herz zielt, sowie die darunter tätowierten Worte „never again“. Der Gin scheint nicht länger seine königliche Liebe zu sein. Warum lässt man sich eine solche Bildergeschichte in die eigene Haut stechen?
In diesem Augenblick setzt die Dampfmaschine aus. Die Schwaden verziehen sich. Zwei gedrungene Männer, mit muskulösen, durch gewaltaffine Tattoos verunzierten Körpern, starren mich finster an. Die Situation riecht nach Stress und Gewalt. Ich bin kein Feigling, aber der Klügere gibt nach.
„Jedenfalls habe ich schon lange keine Dose mehr aufgemacht“, setzt in diesem Augenblick mein Nachbar die durch mein Eintreten unterbrochene Unterhaltung fort.
„Meine bekommt nur noch Trockenfutter.“
„Ich koche für meine nur noch Geflügel und frisches Gemüse. So können wir gemeinsam Abendessen, sie aus ihrem Napf und ich am Tisch.“
„Apropos Napf, bei Liebestier habe ich neulich einen total süßen gesehen. Er ist hellrosa und ringsum sind kleine Mäuschen aufgedruckt. Da konnte ich nicht widerstehen. Muschi liebt ihn total.“
„Bei Liebestier? Da hab ich meiner ein total süßes Halsband in Pink erstanden! Ich meine, sie mag eigentlich keine Halsbänder, aber ab und zu bringe ich sie doch dazu, es zu tragen.“
Ich erhebe mich.
„Oh... stört es Sie, wenn wir uns unterhalten? Dann sind wir selbstverständlich ruhig!“
„Nein, schon gut, mir ist es hier nur zu heiß“, verabschiede ich mich.
Draußen schüttle ich mich. Was zum Teufel war das? Die Typen sehen aus wie Schläger und tratschen wie Kaffeetanten jenseits des Klimakteriums. Ich versuche zu grinsen, aber es will mir nicht so recht gelingen. In letzter Zeit fühle ich mich einfach zu oft im falschen Film.
Hier im Mineralbad Cannstatt wird es heute nichts mehr werden. Daher beschließe ich, mich stattdessen ins Stuttgarter Nachtleben zu stürzen. Mit meinem alten, laut nagelnden und herrlich qualmenden Daimler überquere ich mit dem Ziel Bohnenviertel den Neckar. Durch den Schwanentunnel gelange ich zur Mooswand. Wie immer spreche ich dort ein Stoßgebet, dass diese schwäbische Innovation mir die Trennung von meinem alten Diesel ersparen möge. Das zunehmend trostloser werdende Äußere der Mooswand lässt mich am Sinn meiner Worte zweifeln.
Auf dem Rest der Fahrt geht mir das Tattoo aus dem Dampfbad nicht mehr aus dem Sinn. Es fühlt sich fremd und verstörend an, neige ich doch absolut nicht zur Esoterik. Dennoch spüre ich die absolute Gewissheit, dass ein Mord passiert ist, einer bei dem Gin und die Krone des Königs eine Rolle spielen und bei dem die Dinge nicht so sind, wie sie scheinen.
Im Paul & George drängen sich Männer und Frauen auf der Jagd nach Unterhaltung, Aufmerksamkeit und einem Zipfelchen Glück. Letzteres werden die meisten auch in dieser Nacht nicht finden. Sie suchen Liebe und bekommen bestenfalls Sex. Ich bin des Jagens müde, nicht nur nach Liebe, sondern auch nach Mördern. Letzteres wäre kein Problem, arbeitete ich nicht in der Mordkommission. Lana, die Leiterin des Morddezernats, weiß um meine Müdigkeit. Nein, wirklich wissen kann sie es nicht, aber sie ahnt es. Daher versucht sie seit einiger Zeit, mich ins Innenministerium abzuschieben.
Genauso altmodisch wie ich selbst es bin, ist meine Vorliebe für schwere Rotweine aus Spanien. Dem Hype um Gin widerstand ich bisher mühelos. Ein Kellner beugt sich zu mir hinab.
„Gin!“, brülle ich ihm ins Ohr.
„Welchen?“ - „Keine Ahnung!“ - „Einen lokalen?“
„Okay.“
„Monkey 47, GINSTR oder Don´t call me?“
„Was ist der Unterschied?“
Sein Blick verrät, dass er mich für einen Banausen hält.
„Nun, zunächst einmal die Herbals. Dann...“
„Ginster!“
Da ich mit Affen nichts am Hut habe und das Ausmaß an Anglizismen als Pest empfinde, erscheint er mir am passendsten.
„Welches Tonic?“
Fassungslos starre ich ihn an.
„Oder wollen Sie ihn lieber...“
„Mann! Das hier soll ein gepflegtes Besäufnis mit Schnaps werden! Machen Sie daraus bitte keine Doktorarbeit! Mischen Sie irgendetwas zusammen und gut ist es!“
Beleidigt zieht der Kellner ab. Vielleicht streckt er meinen Schnaps jetzt mit Wasser aus der Toilettenschüssel. Aber letztendlich wäre mir selbst das egal, schließlich desinfiziert Alkohol.
Zwei Frauen betreten das Paul & George. Meine Blicke folgen ihren Kurven auf dem Weg zur Theke. Beide sind jung und heiß. Die weniger Heiße checkt mit einem kurzen Rundblick das Angebot an Kerlen. Ihre Augen gleiten über mich hinweg. Für sie bin ich nicht mehr als ein bedeutungsloser Teil der Requisite auf der Bühne ihres Lebens. Ich seufze.
Mein Gin kommt. Ich stürze ihn hinunter. Angewidert verziehe ich das Gesicht. Trotzdem halte ich dem Kellner das leere Glas hin.
„Noch einen!“
Er sieht mich an, als sei ich etwas Glibbriges oder sonst wie Ekliges. Ein falsches Wort und er landet unsanft auf dem Boden. Er ist klug genug zu schweigen. Wir wiederholen den Vorgang dreimal, entwickeln nahezu unser eigenes kleines Ritual. Zwischendurch sehe ich den Kurven und Rundungen nach, auch wenn ich nicht mehr auf der Jagd sein will. Warum besitze ich keinen Schalter, der meine Augen unempfänglich für weibliche Reize macht? Endlich stellt sich die Wirkung des Alkohols ein. Ich lehne mich zurück und grinse entspannt ins Nirwana.
Mein Handy vibriert in der Jackentasche. Um diese Zeit kann es nur Lana sein. Ruft sie so schnell schon wegen des Mordes am GinKönig an? Mit einem Grinsen stelle ich fest, dass ich den König des Schnapses rächte, indem ich vier Gins killte.
Der Alkohol und die Enge im Raum gestalten es mühsam, an das Gerät zu kommen. Leise fluchend versuche ich mit zwei Fingern, es nach oben aus der Tasche zu ziehen. Das blöde Ding entgleitet mir und verschwindet unter dem Tisch. Laut fluchend beuge ich mich hinab, was sich als keine gute Idee erweist, drängt doch umgehend der konsumierte Alkohol wieder nach oben. Stöhnend richte ich mich wieder auf. Mit geschlossenen Augen gebe ich meinem Körper die Gelegenheit, alle Funktionen in den Normalzustand zu bringen. Angesichts des vielen Gins in meinem Magen kein leichtes Unterfangen. Ich war schon einmal besser beieinander. Einmal mehr nehme ich mir vor, das Saufen zurückzufahren.
„Gehört das Ihnen?“
Durch die Kakophonie der Laute zu vieler Gäste dringt eine Frauenstimme. Ich öffne die Augen. Eine Frau meines Alters steht vor mir. Ihre grauen Augen blicken freundlich auf mich hinab. Ein Lächeln zum Anbeißen umspielt ihre Lippen. In der Hand hält sie mein Telefon. Sie muss ein Engel sein.
„Darf ich Sie zum Dank auf einen Drink einladen?“